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ErdkundeBrockhaus 1882

Grödek, Stadt im östl. Galizien, 30 km im WSõW. von Lemberg, Station der Galizischen Karl-Ludwigsbahn, Hauptort eines Gerichtsbezirks und einer Bezirkshauptmannschaft, zählt (1881) 10116 E. meist ruthenischer Nationalität (der dritte Teil Jsraeliten) und ist ein wichtiger Markt für Getreide und Lein, welcher letztere in der Umgebung viel gebaut und verarbeitet wird. „Gröden, Grödnerthal (roman. Gördeina, ital. Gardena), enges, malerisches, vom Grödnerbache von Osten nach Westen durchflossenes, etwa 28 km langes Thal, in der tirolischen Bezirkshauptmannschaft Bozen, südlich von der Seißer Alp und dem Langkofel, nördlich von den letzten Ausläufern der Gruppe des Peitlerkofels begrenzt, mündet bei Waidbruck 25 km oberhalb Bozen in das Thal des Eisak. Das Thal, dessen Hauptort St. Ulrich oder Ortiseit 1228 m über dem Meere liegt, ist berühmt durch seine merkwürdigen, den Quadersandsteinen der Sächsischen Schweiz ähnlichen Dolomitfelsen und zählt in sieben Gemeinden etwa 3536 E. roman. Stammes, welche wie die Bevölkerung des benachbarten Ennebergerthals einen ladinischen Dialekt sprechen, der freilich nach und nach vom Italienischen verdrängt wird. Haupterwerbszweige des wohlhabenden Thals sind neben Holzhandel und Alpwirtschaft die Spitzenklöppelei und die Bildschnitzerei; diese, 1703 durch Johann de Mez hier eingeführt, fertigt hauptsächlich Spielwaren und Heiligenbilder aus Arvenholz, welche durch Hausierhandel über ganz Europa und bis nach Nordamerika verbreitet werden. Gegenwärtig liegt der ganze Vertrieb der grödener Waren im Auslande in den Händen weniger Verleger, während in der Heimat die Schnitzer zu Fabrikarbeitern herabgesunken sind. Von St. Ulrich an führt eine Fahrstraße zur Station Waidbruck der Brennerbahn. Mit dem Fassathal steht G. durch das Sellajoch (2232 m), mit dem Enneberg durch das Grödnerjoch (2122 m) in Verbindung. In dem von St. Maria gegen das Gerdanatsch⸗ oder Guerdenazza-Plateau abzweigenden Langenthal steht die Burg Wolkenstein, Stammsitz des jetzt noch blühenden gleichnamigen Geschlechts, dem der Minnesänger Oswald von Wolkenstein angehörte. Vgl. Steub, «Drei Sommer in Tiroly Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. (2.Aufl., Stuttg. 1871); &G., der Grödner und seine Spracher (Bozen 1864); Joh. Alton, Die ladin. Idiome in Ladinien, Gröden, Halnt Buchenstein, Ampezzov (Innsbr. 1879), und Beiträge zur Ethnologie von Ostladinieno Mundarß 1880); Theod. Gartner, «Die grödener Mundarto (Linz 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 433Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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