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Bildende KunstBrockhaus 1882

Gavarni, Pseudonym des berühmten franz. Zeichners Sulpice Paul Chevalier; er wurde 13. Jan. 1801 zu Paris geboren und führt angeblich seinen Hüuslernamen von dem gleichnamigen Dorfe in den Pyrenäen, von wo aus er eins seiner ersten Blätter datierte. Des Broterwerbs halber genötigt, Mechaniker zu werden, besuchte er abends die Klasse der freien Zeichenschule. Erst in seinem 34. Lebensjahre fand er Gelegenheit, Modeblätter zu zeichnen, was ihm schnell einen Ruf erwarb. Später übernahm er die Leitung des Modejournals Les gens du mondev. G. begann nun eine Reihenfolge lithographischer Kompositionen, die er nachher im Charivariv fortsetzte. Seine ersten Gegenstände sind hauptsächlich dem pariser Leben, wie es sich auf den öffentlichen Vergnügungsorten entfaltet, entnommen: les Lorettes, les actrices, les coulisses, les fashionables, les artistes, les Etudiants de Paris, les débardeurs, les bals masqués, le Carnaval u. s. w. Später hielt er sich mehr im Kreise der bessern Gesellschaft und wählte feinere, novellen⸗ und X Diese zwite Motive zu seinen Darstellungen. In diese zweite Periode gehören: les enfants terribles, les parents terribles, les fourberies de femmes, la politique des femmes, les maris vengés, les nuances du sentiment, les réves, les petits jeux de société, impressions de ménagen u. s. w. Alle diese Reihenfolgen fanden großen und wohlverdienten Beifall. über 20 Jahre lang veranschaulichte er die flüchtigsten und eigentümlichsten Züge des franz. Charakters in mannigfaltigen Werken, an denen ebensowohl die geistreiche Art zu zeichnen und aufzufassen als die Wahrheit der Darstellung hervorzuheben ist. G. verfaßte selbst die Erklärungen zu seinen Blättern, welchen ein dauernder Wert innewohnt. Die in der großen pariser Bibliothek vorhandene Sammlung derselben füllt 15 2. ist aber leineswegs vollständig. Auch hat G. einen ausgezeichneten Platz unter den Lithographen. Die lange von ihm gebrauchte Art, seine Kompositionen in Tagesblättern zu veröffentlichen, nötigte ihn, unmittelbar auf dem lithographischen Stein zu arbeiten. Er wurde so der Schöpfer der breiten, in großen Strichen und Massen ausführenden und eilig, aber kräftig andeutenden Lithographiermanier, die seitdem keiner mit solcher Leichtigkeit und Meisterschaft gehandhabt hat wie G. Hieraus erklärt sich der merkliche Unterschied zwischen den lithographierten Blättern und den danach verfertigten Holzschnitten in der Ausgabe seiner Oeuvres choisieso (mit Text von Th. Gautier u. a., 4 Bde., Par. 1845 — 48), wozu später noch zwei Bände unter dem Titel Perles et parureso (1850) hinzugekommen. Die Revolution von 1848 drängte G. etwas in den Hintergrund. Er machte 1849 eine Reise nach England und brachte von da neue Zeichnungen zurück, die meistens das Elend und die Ausartung der niedern Volksklassen in London darstellen. Seitdem hielt er sich meist in Paris auf und starb 23. Nov. 1866 auf seiner Villa La Réunion zu Auteuil. Vgl. Armelhaut und Bocher, L'ouvre de G., catalogue raisonnér (Par. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 599Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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