Gebärmutterblutungen (Metrorrhagien) kommen sehr häufig vor und können so hochgradig werden, daß die Gefahr der Verblutung oder bei häufiger Wiederholung chronische Blutarmut entsteht. Am gefährlichsten sind Gebärmutterblutflüsse am Ende der Schwangerschaft, während der Entbindung und in der ersten Zeit des Wochenbetts, wo gewöhnlich schleunige Hilfe notthut; aber auch ubermäßige Blutungen zur Zeit der monatlichen Reinigung, die man mit dem Namen Menorrhaie zu bezeichnen pflegt, vermögen den Körper in bohem Grade zu schwächen. (S. Menstruation.) Außer den eben genannten Zuständen geben noch am der Gebät Blutstockungen und Blutandrang nach der Gebärmutter, Auflockerung der Schleimhaut durch Katarrhe, Polypen und andere Mißbildungen Anlaß zu langwierigen Blutungen; auch während der klimakterischen Jahre (s. d.) haben viele Frauen an zeitweiligen heftigen Gebärmutterblutflüssen zu leiden. Die Behandlung verlangt absolut ruhige horizontale Rückenlage, gehörige Regulierung des Stuhlgangs durch milde Abführmittel, kalte Umschläge auf den Unterleib und die außern Genitalien, sowie Einspritzungen von kaltem Wasser, Eiswasser oder adstringierenden Lösungen (Gerbsäure, Alaun, Eisensesquichlorid) in die Scheide und die Gebärmutterhöhle. Hilft dies nicht, so muß die Tamponade, d. i. die kunstgemäße Ausstopfung der Scheide vermittelst eingeführter Wattebäuschchen, ausgeführt werden. Alle Frauen, welche öfters an Gebärmutterblutungen leiden, müssen überdies den Genuß aller aufregenden Getränke Kaffee, Thee, stärkerer Biere, Wein), alle psychischen Aufregungen, sowie anstrengende Körperbewegungen, namentlich Tanzen, soviel als EMn vermeiden. Bei angeborenem Verschluß des Muttermundes sammelt sich das ergossene Menstrualblut in der Gebärmutterhöhle an, verwandelt die Gebärmutter in eine große sackartige Geschwulst und verursacht die heftigsten, den Geburtswehen ähnliche Schmerzen (Gebärmutterkolik). Bei dieser krankhaften Blutansammlung in der Gebärmutter (haematoméetra) muß dem angehäuften Blut durch einen eingestochenen Troikar ein künstlicher Ausweg nach außen verschafft werden. Auf ähnliche Weise können sich unter gewissen Umständen Schleim, Eiter, Wasser (sog. Sackwassersucht der Gebärmutter, hydrometra) oder Luft und Gase (sog. Windgeschwulst der Gebärmutter, physometra) in der Gebärmutterhöhle ansammeln und gleichfalls Anlaß zu heftigen Schmerzen geben. Unter den Geschwülsten und Mißbildungen der Gebärmutter kommen am häufigsten die Schleimpolypen, die Fasergeschwülste oder Fibroide und die krebsartigen Geschwülstevor. Die Schleim- oder Schleimhautpolypen sind erbsen⸗ bis walnußgroße, gestielt aufsitzende geschwulstförmige Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut, welche am häufigsten vom Cervicalkanal ausgehen und wegen ihrer Zartheit und ihres Gefäßreichtums außerordentlich leicht Anlaß zu langwierigen Blutungen geben. Sie lassen sich durch Abschneiden oder Abbinden leicht entfernen. Die Fasergeschwülste oder Fibroide bestehen aus einem derben sehnigen Fasergewebe, glatten Muskelfasern und verhältnismäßig spärlichen Blutgefäßen und werden wegen ihres Reichtums an Muskelfasern auch Myome oder Fibromyome genannt. Sie zählen zu den häufigsten Erkrankungen der Gebärmutter, kommen bald vereinzelt, bald in größerer Anzahl vor und werden am häufigsten bei Frauen beobachtet, die zwischen dem 30. und 40. Jahre stehen. Die Fibroide, deren Größe von der einer Erbse bis zum Umfang einer Faust oder eines Männerkopfes schwankt, entwickeln sich ursprünglich in der eigentlichen Substanz der Gebärmutter, drängen aber bei ihrem weitern Wachstum entweder den Bauchfell-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. überzug der Gebärmutter vor sich her und ragen dann als mehr oder minder große gestielte Geschwülste in die Bauchhöhle (subseröse Fibroide), oder sie schieben die Gebärmutterschleimhaut vor sich her und ragen als terhöhle o⸗ Polypen in die erweiterte Gebärmutterhöhle oder selbst in die Scheide hinein. Größere Myome verursachen gewöhnlich beträchtliche Lageveränderungen und Verschiebungen der Gebärmutter, der Harnblase, des Mastdarms und der benachbarten Organe. Die Beschwerden, welche größere Fibroide der Gebärmutter verursachen, bestehen hauptsächlich in außerordentlich heftigen, bisweilen fast unstillbaren Blutungen, in wehenartigen Schmerzen, Stuhlverstopfung und Harnbeschwerden, bisweilen auch Schmerzen und abnormen Empfindungen (Ameisenkriechen und Taubsein) in den Beinen; gewöhnlich magern die Kranken sehr ab, werden blaß und elend und leiden an Kopfschmerzen, Herzklopfen und allemeiner großer Muskelschwäche. Die Behandlung ann bei hochgrädigen Beschwerden nur in der operativen Entfernung der Geschwülste bestehen, die durch die neuern Wundbehandlungsmethoden viel an Gefährlichkeit verloren hat; in manchen Fällen hat sich auch die Einspritzung von Mutterkornlösung in die Geschwulstmasse nützlich erwiesen. Der Krebs oder das Careinom der Gebärmutter ist eine bösartige, schnell wachsende Mißbildung, welche am häufigsten vom Scheidenteil der Gebärmutter I und durch die furchtbaren Zerstörungen, welche sie in der Gebärmutter und in den benachbarten Organen anrichtet, sowie durch die anhaltenden Eiter⸗- und Säfteverluste gewöhnlich schon nach wenigen Monaten zum Tode führt. Seine Ursachen sind, wie die des Krebses (s. d.) überhaupt, fast gänzlich unbekannt; während er vor Ablauf des 25. Lebensjahres nur ganz ausnahmsweise vorkommt, nimmt seine Häufigkeit von diesem Jahre bis zum 50. allmählich steigend zu und von da an allmählich wieder ab, sodaß das Alter zwischen dem 40. und 50. Lebensjahre am meisten gefährdet erscheint. Der gewöhnliche Verlauf ist der, daß sich allmählich in dem Scheidenteil der Gebärmutter eine harte infiltrierte Stelle entwickelt, auf welcher ein blumenkohlartiges, rasch in die Breite und Tiefe wachsendes Gewächs entsteht, welches alsbald in Zerfall und Verschwärung übergeht und eine entsetzlich stinkende und ätzende Jauche absondert. Sehr bald greift dieses Krebsgeschwür nach der Zerstörung der Gebärmutter auch auf die benachbarten Organe, auf Scheide, Mastdarm und Blase über und bildet so ekelhafte Kloaken, welche alle diese Organe untereinander verbinden und den Zustand der unglücklichen Kranken wahrhaft entsetzlich machen. Die wichtigsten Symptome, welche das Vorhandensein eines Gebärmutterkrebses verraten, sind starke, unregelmäßig auftretende Blutungen, Menstruationsstörungen, die Absonderung eines schleimigen, gelblichen oder rötlichen, widerwärtig riechenden Sekrets und lebhafte reißende oder durchbohrende Schmerzen in der Kreuz⸗ und Schoßgegend, die nach dem ganzen Unterleib ausstrahlen und namentlich während der Nacht auftreten. Im weitern Verlauf der Krankheit gesellen sich zu diesen Beschwerden mancherlei Störungen der Stuhl- und Harnentleerung, insbesondere Stuhlverstopfung, häufiger Harndrang, Harnverhaltung oder unfreiwilliger Harnabgang, und infolge der anhaltenden Blut- und Säfteverluste verfallen die Kranken einer außerordentlich schnellen Erschöpfung. Eine erfolgreiche Behandlung dieser schrecklichen Krankheit ist nur dann möglich, wenn der erste Krebsknoten gleich im Beginn gründlich entfernt werden kann, was freilich nur selten mög-I.. ist; in den spätern Stadien der Krankheit muß sich die Thätigkeit des Arztes auf die Bekämpfung der Blutungen und der Schmerzen, sowie auf die möglichste Erhaltung der Kräfte beschränken.