FeedGebirgsartillerie
GeschichteBrockhaus 1882

Gebirgsartillerie ist auf Kriegsschauplätzen nötig, welche nicht die gehörige Wegsamkeit besitzen, um daselbst mit den gewöhnlichen Feldgeschützen auftreten zu können, wie Hochgebirgsgegenden und Hochländer von schroffen Formationen, namentlich wenn der Verkehr in denselben fast nur auf Saumpfade beschränkt ist. Staaten, für welche solche Kriegsschauplätze in der Wahrscheinlichkeit liegen, sind genötigt, das gehörige Material für die Gebirgsartillerie bereit zu halten und einen Teil des Personals der Artillerie schon im Frieden darin auszubilden, wenn man es nicht vorzieht, G. dauernd zu organisieren. Das Material der G. muß durch Saumtiere getragen werden können, aber auch nach Bedarf fahrbar zu machen sein. Demgemäß sind nur Geschütze geringen Gewichts am Platze, daher auch keine große Wirkung erwartet werden kann. Die Rohrkaliber schwanken zwischen 6,5 und 8 em. In neuester Zeit hat man, um die Wirkung zu begünstigen, zerlegbare Rohrekonstruiert, die in Teilen transportiert werden können, sodaß das Gewicht des zusammengesetzten Rohrs ein größeres sein kann. (S. Geschütz.) Meist werden ein Tragtier für das Rohr, eins für die Lafette und mehrere für die Munition des Geschützes gerechnet. Im Deutschen Reiche liegt kein Bedürfnis für G. vor. Großbritannien hat nur einzelne Batterien bei der ostind. Armee. Frankreich hat ein Gebirgskanon von 80 mm organisiert, aber G. nur nach Bedarf bei der Kolonialarmee. Ssterreich-Ungarn hat ein 6,6 em-Gebirgskanon. Italien hat bei zwei Festungsartilleriebataillonen je eine Brigade Gebirgsartillerie von vier Batterien. Das Kaliber des Geschützes ist 7 em. In Bezug auf Rußland s. unter Feldartillerie. Unter allen europ. Ländern sind Spanien und Griechenland am meisten auf G.angewiesen. Spanien hat davon drei Regimenter zu sechs Kompagnien; in Griechenland bestehen zwei Bataillone G. zu vier Batterien; dieselben machen die Hälfte der gesamten Feldartillerie aus. Die Schweiz hat zwei Gebirgs—⸗ batterien beim Auszug.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 615Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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