FeedGeisteslehre
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Geisteslehre als ein Teil der Metaphysik hervorgegangen, in welcher man namentlich aus der Einfachheit und Immaterialität des G. seine Unsterblichkeit dogmatisch zu beweisen suchte. Eine sich an solche spekulative Annahmen anlehnende Schwärmerei wähnte dann die Geister wohl gar in körperlicher Gestalt zu schauen und mit ihnen in übernatürlicher Verbindung zu stehen. (S. Geisterseherei.) Manche Psychologen unterscheiden im Menschen die Seele als Prinzip der Lebendigkeit und den G. als ein mit ihr in Vereinigung befindliches höheres Prinzip von allgemeiner Natur, wobei dann dem G. die Intelligenz und der Wille, der Seele das Empfinden, Fühlen und sinnliche Begehren zugeschrieben wird. Versteht man aber unter G. (esprit) das Vermögen, neue Gedanken hervorzubringen, verbunden mit Raschheit im Auffassen, Kombinationsgabe und Witz, so tritt er im Gegensatz zum Gemüt als der Empfänglichkeit für Gefühle und Rührungen. Hebt man endlich bei einem geistigen Produkte, z. B. einem Gesetz, einem Religionsdogma, einem Kunstwerk u. dgl. den G. desselben hervor gegen die Form, den Buchstaben oder die Darstellung, so ist unter dem G. der Begriff oder die Idee verstanden, welche in Worten oder Bildern auszudrücken die Absicht war, deren Ausdruck mehr oder weniger gelungen oder verfehlt sein kann. Wer in dem Buchstaben die darin ausgeprägte Idee nicht aufzufassen vermag, dem bleibt der Buchstabe tot, d. h. unverstanden, während der G. (die Idee) lebendig macht, d. h. zum richtigen Verständnis des Buchstabens leitet. Geist (Aug.), Landschaftsmaler, geb. 15. Olt. 1835 in Würzburg, war ein Schüler seines Vaters, dann der Akademie zu München. Sein kurzes Leben ließ den hochbegabten Künstler nicht zur Ausführung zahlreicher vollendeter Werke gelangen, weshalb der Schwerpunkt seines Schaffens in den vielen geistreichen Skizzen und Studien liegt, die er auf Reisen, vorzugsweise in Italien, Tirol und in seiner Heimat sammelte. In Italien hielt er sich von 1865 E67 auf und starb 15. Dez. 1868 in München. In früherer Zeit versuchte er sich auch in Radierungen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 688Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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