FeedGewohnheit
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Gewohnheit ist die durch öftere Wiederholung derselben Wirkungsweise entstandene Leichtigkeit ihrer Wiedervollziehung. Jene Wiederholung selbst heißt Gewöhnung. Die G. wird verstärkt, je öfter eine Thätigkeit dieselbe Richtung nimmt, und dadurch, wie man sagt, zur andern Natur. Auf ihr beruhen alle Fertigkeiten, sowohl die geistigen wie die körperlichen. Sie stumpft die Eindrücke ab und macht uns stark und gewandt. Sie kann absichtlich oder unabsichtlich sein; im erstern Falle ist sie die eigentliche Gewöhnung. Jedenfalls be2• sie 00 einem Mechanismus des geistigen Lebens, der das Willkürliche in ein Unwilltürliches verwandelt, indem Vorstellungsreihen, welche das erste mal durch bewußtes Aufmerken verbunden und in ihren iede Gliedern befestigt wurden, bei andauernder Wiederholung ohne Mithilfe des Bewußtseins und von selbst zusammenhaften, sodaß hinfort die eine Vorstellung die mit ihr verknüpfte nächste auf blinde oder mechanische Weise nach sich zieht. Die Macht der G. ist in sittlicher Hinsicht von der größten Wichtigkeit. Denn durch eine absichtliche Gewöhnung an Ordnung, Sparsamkeit, Rut u. s. w. erleichtert man sich ebenso sehr die usübung dieser Tugenden, als durch eine unabsichtliche Gewöhnung an die entgegengesetzten Schwächen die Thatkraft unablässige Hemmungen und Störungen erfährt. Daher sind es auch die Gesch der G., nach denen der Charäkter des Menschen ich gestaltet und auswächst.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 3Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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