Geistige Getränke nennt man die durch Gärung bereiteten weingeist⸗ oder alkoholhaltigen Flüssigkeiten, insoweit sie als Genußmittel verwendet werden. Man gewinnt sie im großen dadurch, daß man zuckerhaltige Flüssigkeiten in alkoholische Gärung versetzt und die vergorenen Flüssigkeiten sich entweder klären läßt oder destilliert. (S. Gärung.) Solche zuckerhaltige Flüssigkeiten stellt man entweder künstlich durch Maischen aus dem Stärkemehl der Kartoffeln, der Cerealien, des Mais oder Reis dar, wobei durch die sog. Diastase (. d.) das Stärkemehl in Zucker übergeführt wird, Der man benutzt die zuckerhaltigen Pflanzensäfte. Derartige alkoholhaltige Getränke sind: der Wein (aus Traubensaft oder Most), die Obstweine (Jobannisbeerwein, Cider oder Apfelwein, Birnenwein), das Bier (aus Malzabkochung), ferner die destillierten oder gebrannten Wässer, welche entweder aus den bei dem Zuckerraffinieren erhaltenen Melassen oder aus dem Stärkemehl der Kartoffeln und des Getreides gewonnen werden. Gegorener Sirup liefert den Rum, eine geringere Sorte desselben den Taffia oder Rataffia; der Arrak wird vorzugsweise aus gemalztem Reis gewonnen, der Sliwowitz oder Rakia in Ungarn und den südslaw. Ländern aus reifen Pflaumenkernen, Kirschwasser und Maraschino aus Kirschkernen, der Genever oder Gin aus Wacholderbeeren, der Cognac oder Franzbranntwein durch Destillation von Wein, der Kornbranntwein oder Whisky aus gemaischtem Roggen, der gewöhnliche Spiritus endlich aus den Kartoffeln. Auch sehr zuckerhaltige Milch (Stuten⸗ und Eselinnenmilch) kann man durch Zusatz von Fermenten in alkoholische Gärung versetzen, und in der That bereiten so die Kirgisen aus der Stutenmilch ihr berauschendes Nationalgetränk, den Kumys. Der gemeinsame Bestandteil dieser Flüssigkeiten ist der Alkohol (s. d.), und von seinem Gehalte Eung d im wesentlichen die Stärke und die Wirung des beteffenden geistigen Getränks ab. Die schwächern Biersorten (Weißbiere, Dünn⸗ und Halbbiere) enthalten durchschnittlich 1—2 Proz., die etwas stärkern Biere (Lager⸗, Doppel⸗ und bayr. Biere) gegen 3—4 Proz., die starken Biere (Ale, Porter) gegen 6—8 Proz., die gewöhnlich konsumierten Weine durchschnittlich 10 Proz., die Branntweine 40 — 50 Proz. Alkohol. Abgesehen von ihrem Alkoholgehalt bieten die geistigen Getränke auch noch mancherlei Verschiedenheiten hinsichtlich ihrer Farbe, ihres Geschmacks und Geruchs dar, welche von Substanzen herrühren, die teils aus der ursprünglichen Zuckerflüssigkeit in die vergorene übergegangen, teils Nebenprodukte der Gärung sind, oder endlich durch verschiedenartige Zusätze bewirkt werden. So enthalten die nichtdestillierten Pflanzensäfte, außer noch unvergorenem Zucker, die Salze jener Säfte und mancherlei ätherische Sle, und bei der geistigen Gärung entstehen häufig außer dem gewöhnlichen Alkohol noch andere Alkohole (Amylalkohol oder Fuselöl, Butylalkohol, Propylalkohol u. a.) und besondere Atherarten, welche letztern namentlich die sog. Blume oder das Bouquet der Weine bedingen. Den zugesetzten Hopfenbestandteilen verdankt das Bier seinen bittern Geschmack. Viele Branntweine werden endlich direkt mit ätherischen Olen versetzt oder mit ätherisches Ol enthaltenden Pflanzenbestandteilen destilliert. Derartige Lösungen ätherischer Ole in verdünntem Alkohol geben durch Vermischen mit Zuckerlösung und färbenden Substanzen die verschiedenartigen Liqueure, und durch Zusatz von Fruchtsäften, Citronensaft u. dal. werden in ähnlicher Weise die sog. Essenzen, wie z. B. die Punschessenz, bereitet. Die Hauptwirkung bei dem Genusse geistiger Getränke übt ihr Alkoholgehalt, während die übrigen Bestandteile nur Nebenwirkungen hervorbringen. Kleinere Mengen von Alkohol, namentlich wenn sie in verdünnter Form genossen werden, bewirken bekanntlich eine wohlthätige Reizung der Magen- und Darmschleimhaut, leichte Steigerung der Herzthätigkeit, erhöhtes Wärme⸗ und Kraftgefühl, größere Energie der Bewegungen, stärkern Blutzufluß zum Gehirn und damit eine fröhliche Aufregung und sichtliche Steigerung aller geistigen ten, wogegen nach größern Mengen und nach dem Genusse von konzentriertern Lösungen heftige Blutwallungen, Unsicherheit der Bewegungen, Schwindel, Schlafsucht und schließlich völliger Verlust des Bewußtseins sich einstellen, ja unter Umständen sogar der Tod durch Schlagfluß oder Herzlähmun erfolgen kann. Der gewohnheitsmäßige Mißbrau des Alkohols zieht eine Reihe der schwersten körperlichen und psychischen Schäden na sich, die unter dem Namen der chronischen Alkoholvergiftung oder des Ialloholgch. (s. d.) bekannt sind. Ihrem Pram Alkoholgehalt entsprechend, entfalten die ranntweine am schnellsten diese ungünstige Wirkung, und ihr regelmäßiger Genuß, namentlich in rößern Mengen, muß als in hohem Grade gesundheitsschädlich bezeichnet werden. Allerdings kann in gewissen Fällen, z. B. bei Soldaten im Felde oder bei manchen Kranken, ein Schluck Branntwein einen günstigen Einfluß ausüben, indem er den Körper als kräftiges Nervenreizmittel vorübergehend zu erhöhter Thätigkeit aufstachelt, aber nun und nimmermehr vermag er an sich Kraft zu erzeugen, und wenn in diesem Glauben der Arme und Darbende Schnaps trinkt, um die Kraft für die Arbeit zu finden, so behandelt er nach einem treffenden N von Voit seinen Körper ebenso wie der Unbarm herzige, der sein von Hunger erschöpftes Pferd durch Peitschenhiebe zu neuen Leistungen zwingt, und wird bald genug wie dieses unter den bestundigen Peitschenhieben zusammenbrechen. Ebenso wenig vermag der Alkohol Wärme zu erzeugen. Die Steigerung des subjektiven Wärmegefühls beim Branntweingenusse beruht nur auf einer dur den Alkohol veranlaßten Gefäßerweiterung, welche den frierenden Teilen für den Augenblick zwar mehr Wärme zuführt, im ganzen aber die im Körper vorhandene Wärme übermäßig rasch verbraucht. Neben dem Alkohol wirken auch noch in manchen Branntweinen gewisse Zusätze sehr schädlich, so der in Frankreich beliebte Absinth durch seinen Gehalt an Wermutbitter, der die schwersten Nervenzufälle hervorbringen kann, der Kirschgeist und Sliwowitz durch ihren Blausäuregehalt, manche gefärbte Liqueure durch ihren Zusatz von arsenhaltigen Anilinfarben u. dgl. m. Weit weniger nachteilig als der Alkohol der Branntweine wirkt der des Biers, weil er in diesem in mehr verdünntem Zustande genossen und durch die übrigen Bestandteile des Biers mehr eingehüllt wird; aber auch der übermäßige Genuß des Biers, namentlich der stärkern Sorten, kann schließlich alle schlimmen Folgen der chronischen Alkoholvergiftung nach sich ziehen. Zwischen dem Branntwein und dem Bier mitteninne hinsichtlich seiner physiol. Wirkung et der Wein, der, in mäßiger Menge und zeitweilig genossen, unstreitig das edelste Genußmittel darstellt; bei gewohnheitsmäßigem Mißbrauch vermag aber auch er die Gesundheit des Körpers und Geistes nach und nach völlig zu untergraben. (S. Alkoholismus.) „Einen bemerkenswerten Nährwert besitzen die geistigen Getränke nicht. Der genossene Alkohol wird zum Teil unverändert im Harn und dampfförmig durch Haut und Lungen wieder ausgeschieden, ein anderer Teil wird im Körper zu Kohlensaäure und Wasser verbrannt. Bei anhaltendem übermäßigen Genusse von Alkohol findet zwar eine reichliche Fettablagerung in der äußern Haut und den innern Organen statt, die aber nicht, wie dies früher irrtümlich geschah, auf eigentliche Nährstoffe der alkoholischen Getränke, sondern nur auf die beschränkende Wirkung zurückzuführen ist, die der Alkohol auf den Ine Ausna übt. Nur das Bier macht hiervon eine Ausnahme, insofern es außer dem Alkohol noch größere Mengen (pro Liter etwa 50—60 g) Kohlenhydrate (Dextrin, Zucker), sowie Phosphate und andere Nohrsalze enthält, die in Verbindung mit einer geeigneten Zukost von Fleisch, Käse und andern Eiweißstoffen recht wohl zur Ernährung beitragen können. Ahnliches gilt vom Kumys, der außer dem Alkohol noch ziemliche Mengen von Fett, Zucker, feinverteiltem Kasein, Milchsäure und Salzen enthält und aus diesem Grunde nicht bloß ein angenehmes Genußmittel, sondern auch zugleich ein vortreffliches Nahrungsmittel darstellt, welches vor dem Biere den Vorzug besitzt, daß es außer dem Alkohol, dem Zucker und der freien Kohlensäure in dem Kasein auch noch eiweißartige Stoffe enthält. stigen Getränke von großer Bedeutung. Die Spiritusfabrikation macht durch den Anbau der Kartoffel Bodenarten in hohem Grade produktiv, die ohne denselben kaum einen Ertrag abwerfen würden; durch die dabei gewonnene Schlempe wird ein vortreffliches Futter für Nutztiere gewonnen, die die dem Acker abgewonnenen Bestandteile in Milch und Fleisch umwandeln und durch den erzielten Dünger den Boden entsprechend verbessern. Der Wert der in Curopa jährlich genossenen geistigen Getränke wird auf 13515 Mill. Mark veranschlagt, und von diesem Werte fließt ein erheblicher Betrag in Form von Steuern (s. Getränkesteuern) in die Kassen der Staaten.