FeedGelzer (Joh. Heinr.)
ReligionBrockhaus 1882

Gelzer (Joh. Heinr.), namhafter Geschichtschreiber und Publizist, geb. 17.Okt. 1813 zu Schaffhausen, besuchte das dortige Göymnasium und widmete sich seit w1833 erst zu Zürich, dann zu Jena, Göttingen und Halle histor. und gleichzeitig auch theol. Studien. Nachdem er 1836 zu Jena promoviert, ging er nach Italien, wo er den nächsten Winter zu Nizza im Hause des Herzogs von Manchester zubrachte. 22— der Rückkehr hielt er 1838 und 1839 Vorträge zu Bern, aus denen die Werke «über die drei letz-Aarau 1838—39) und „Die Religion im Leben oder die christl. Ethiko (Zür. 1839; 4. Aufl. 1863) hervorgingen. Schon während seines akademis chen Wirkens als Professor zu Basel 1839 —43 stellte sich G. die Aufgabe, den tiefer Ettenun Gründen der unaufhaltsamen politisch-sozialen und kirchlichreligiösen Krise unsers Zeitalters nachzuforschen, zug 38 aber auch die Vorbedingungen einer fruchtbaren Lösung derselben aufzusuchen. Diese Aufgabe bildete fortan den Mittelpunkt seiner Studien und Schriften. Aus der baseler Periode stammen „Die zwei ersten Jahrhunderte der Schweizergeschichte (Bas. 1840), von umfänglichern Arbeiten « Die deutsche Litteratur seit Klopstock und Lessing nach ihren ethischen und religiösen Gesichtspunktend (Lpz. 1841; 2. Bearbeitung unter dem Titel: Die neuere deutsche Nationallitteratur nach ihren ethischen und religiösen Gesichtspunkten»ꝰ, 2 Bde., 1847 — 49; Bd. 1, 3. Aufl. 1858) und „Die Straußschen Zerwürfnisse in Zürichs (Hamb. u. Gotha 1843). Im J. 1843 als Professor an die Universität Berlin berufen, eröffnete G. nach der Rückkehr von einer längern Reise durch Großbritannien und Frankreich sein akademisches Wirken 1844 mit der Antrittsvorlesung „Die ethische Bedeutung der Geschichte fur die Gegenwarte (Berl. 1844). Seine Vorträge erstreckten sich über neuere deutsche Litteratur⸗ und Kulturgeschichte, deutsche und Schweizergeschichte, sowie über Geschichte der engl. und franz. Revolution. Infolge einer lebensgefährlichen Erkrankung sah G. 1850 sich genötigt, vom öffentlichen Lehramt sich Wenn Auf der Erholungsreise nach dem Süden entstanden die Prot. Briese aus Frankreich und Italieno (Zür. 1852; 2. Aufl. 1868), denen die Schrift »Martin Luther, der deutsche Reformatorn Gamb. u. Gotha 1851) vorausging. Im J. 1852 nahm er seinen bleibenden Wohnsitz in Basel und gründete die «Prot. Monatsblätter für innere Zeitgeschichtes (Gotha 1852—70). Während des Neuenburgischen Konflikts zwischen Preußen und der Schweiz arbeitete G., den Wünschen des schweiz. Bundesrats und des Königs Friedrich Wilhelm IV. entsprechend, in Bern und Berlin an dem erfolgreichen Versuche eines friedlichen Ausgleichs (Jan. bis März 1857). Im J. 1866 ernannte ihn der n von Baden in den ersten Tagen des Ministeriums Mathy zum Staatsrat, nachdem ihm schon 1863 die Oberleitung über die Erziehung und Studien des Erbgroßherzogs anvertraut worden. Doch behielt G. seinen Wohnsitz in Basel. der großen Tiere (auch der Menschen); ferner für Butter, Fett und ähnliche Zuthaten von Speisen; auch soviel wie Testament.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 725Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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