FeedGemünden (in Bayern)
ErdkundeBrockhaus 1882

Gemünden (in Bayern), Stadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Lohr, an der Mündung der Fränkischen Saale und der Sinn in den Main, am Fuße der letzten Ausläufer des Spessart und der Rhön, in 155 m Höhe, 38 km im NNW. von Würzburg, Station der Linien Elm-G. Würzburg-Aschaffenburg der Bayrischen Staatsbahnen, zum Teil noch von mittelalterlichen Ringmauern und großen runden Türmen umgeben, zählt (1880) 2131 meist kath. E., ist Sitz eines Amtsgerichts, hat eine Pfarrkirche von 1488, Schiffahrt, Gerberei, Lohe⸗ und Holzhandel, Obst⸗ und Weinbau. Oberhalb der Stadt liegt die Ruine der 1525 zerstörten Burg Florberg. Gemünden an der Wohra, Stadt in der preuß. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg, 15 km im SO. von diesem Orte, an der mittels der Ohm zur Lahn fließenden Wohra, in 257 m Höhe, zählt (1880) 1366 meist prot. E. und hat bedeutende Viehzucht. Gemüse. Die älteste Bedeutung des Wortes mus ist Speise überhaupt, die spätere jede Pflanzenspeise, sofern sie zum Fleische gegessen wird (Zugemüse), besonders in zerkleinertem oder gar breiartigem Zustande. Unter das Kollektivum Gemüse fallen mithin alle diejenigen Gewächse, welche entweder ganz oder in ihren Wurzeln (Rüben), Stengeln (Kohlrabi) oder Blättern (Kraut), Samen Erbsen) zur menschlichen Nahrung Verwendung finden. Wie diese Pflanzen den verschiedensten Familien, Gattungen und Arten des Gewächsreichs angehören, so gruppieren sie sich auch nach ihren Eigenschaften und ihrer Nutzungsweise. Man unterscheidet folgende Gemüsearten: Kohlgewächse, meistenteils der Gattung Brassica angehörig, in ihren oberirdischen Teilen, den Blättern, Stengeln oder Blütenständen, durch vermehrte Zellenbildun substanzreicher, zarter und milder geworden (Blattkohl, 7.„„ Wirsing, Rosentohl, Blumenkohl, Brocoli, Kohlrabi u. a.). Wurzelgewäch se, mitfleischig verdickten, mehr oder weniger saftigen Wurzeln, in denen die nahrhaften oder zum Genusse einladenden Substanzen abgelagert sind. Einige werden wegen ihrer pikanten, Appetit erregenden Schärfe selbst roh verspeist (Kohlrübe, Herbstrübe, Möhre, Pastinake, Schwarzwurzel, Haferwurzel, Zuckerwurzel, Sellerie, Merrettich, Rettich, Radies u. a.). Salatgewächse, mit weichen, mehr oder weniger substanzreichen, meistens angenehm bitterlich, scharf oder gewürzhaft schmeckenden Blättern, welche gewöhnlich roh und nur etwas angesäuert und gewürzt, auch wohl mit einem Zusatze von Fett zu WBrunmentref genossen werden (Lattich, Endivie, Brunnenkresse, Rapünzchen u. a.). Lauchgewächse, ausschließlich der Gattung Allium angehörig, in ihrem unterirdischen Teile (Zwiebel) oder auch in Stengeln und Blättern einen scharfen, eigentümlich riechenden, die Verdauung reizenden zähen Saft enthaltend, teils roh als Gewürz, teils gekocht als Gemüse verwendbar (Kuchenzwiebel, Porree, Schalotte, Schnittlauch, Heckzwiebel, Knoblauch u. a). ülsengewächse, wegen des bedeutenden Ge5 S an Stickstoff im Samen Nährpflanzen ersten anges. Der Stickstoff ist nur im reifen Samen reichlich angesammelt und im Legumin, einer eiweißhaltigen Substanz derselben, abgelagert; letztere ist dagegen im unreifen Samen nur erst in geringer Menge vorhanden; nichtsdestoweniger werden diese, teilweise auch die zarten Hülsen, wegen anderer wertvoller Eigenschaften als Grüngemüse geschätzt. Die gebräuchlichsten Nährpflanzen dieser Gruppe sind Erbse, Bohne, Linse, Puffbohne. Kürbisgewächse, mit reichlich entwickeltem, saftigem, erfrischendem, oft angenehm duftendem Fruchtfleische, schon im grauen Altertume von den asiat. Völkerstämmen allgemein angebaut (4 Mos. 11, 8: Kürbisse, Pheben). Die Früchte werden entweder roh als Delikatesse oder als Salat zubereitet oder eingemacht verspeist, seltener durch Kochen en den Tisch vorbereitet Kürbisbrei). Hierher zähen Gurke, Kürbis, Melone, Pasteke. Spinatgewächse, deren meist substanzreiche Blätter und sonstigen grünen Teile gekocht und in musartigem Zustande auf den Tisch kommen (Spinat, Sauerampfer, Gartenmelde, Mangolt u. a.). Würzgewächse, ausgezeichnet durch den aromatischen Geruch und Geschmack der Blätter, Früchte oder Samen und zum Zwecke des Würzens in der Küche verwendet (Petersilie, Kerbel, Sellerie, Estragon, Majoran, Thymian u. a.). Zu den Kulturgewächsen des Gemüsegartens liefern den größern Beitrag die Cruciferen in den Kohlarten, im Rettich und Radies, die Papilionaceen in den Bohnen und Erbsen, die Asphodeleen in den Laucharten und im Spargel, die Cucurbitaceen in Gurken und Melonen, die Umbelliferen in den Möhren, sie und die Labiaten in den Würzgewächsen. Aber noch manche andere Gewächsfamilien sind durch einzelne Arten in den Gemüsegärten vertreten: die Chenopodiaceen durch die Salatbete, die Solanaceen durch den Liebesapfel und den Spanischen Pfeffer, die Campanulaceen durch die Rübrapwurzel (Campanula Rapunculus), die Valerianeen durch das Rapünzchen, die Portulaceen durch die Eispflanze, die Polygoneen durch den Rhabarber und den Sauerampfer u. s. w. Vgl. auch Gemüsebau. (Hierzu zwei Tafeln: Gemüse IJ. II.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 742Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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