Gemätsstörung, eine euphemistische Bezeichnung für Gemütskrankheit; vgl. auch Leiden-Genant (frz.), s. u. Gene. sschaft. Genappe, Stadt in der belg. Provinz Brabant, 7 km im ONO. von der Arrondissementsstadt Nivelles, an der Dyle, in 106 m Höhe, Station der Linie Manage-Wavre der Belgischen Staatsbahn, zählt 1700 E. und hat Woll⸗ und Baumwollwebereien, sowie Frbereien. Nach der Schlacht bei Belle-Alliance zogen sich in der Richtung auf G. die Trümmer der franz. Armee zurück; unmittelbar vor dem Orte erbeuteten am späten Abend des 18. Juni 1815 die verfolgenden Preußen den Reisewagen Napoleons I., den letzterer kaum verlassen hatte. Genast (Franz Eduard), namhafter deutscher Schauspieler und Sänger, geb. 15. Juli 1797 zu Weimar als der Sohn des Schauspielers Anton G. (ursprünglich Kynast, geb. 1765 zu in Schlesien, gest. 4. März 1831), eines geborenen Schlesiers, der als ausübender Künstler und namentlich als Gehilfe Goethes in der Regie des weimarischen Hoftheaters (1793—1817), an dem er seit 1791 wirkte, sich bekannt machte und von Goethe oft elchgale erwähnt wird. Eduard G. widmete sich gleichfalls der Bühne und hatte das Glück, daß sein Talent von Goethe und Ludw. Tieck mit Vorliebe gepflegt, seine musikalische Ausbildung von Eberwein und Häser geleitet und von Karl Maria von Weber vollendet wurde. Nachdem er 1814 die Bühne zum ersten mal als Sänger betreten, ward er 1817 in Dresden, dann in Hannover engagiert und ging nach einem Gastspiel in Prag 1818 an das leipziger Theater, auf welchem er den Grund zu seinem Rufe als Sänger und Schauspieler legte. Als Küstner 1828 das Theater aufgab, führte G. die Leitung der Bühne in Magdeburg, bis er 1829 mit seiner Gattin ein lebenslängliches Engagement am Hoftheater zu Weimar annahm. Er zog sich 1852 von der Oper zurück, um sich einzig dem Schauspiel zu widmen. Statt der von ihm 1860 nachgesuchten Pensionierung erhielt er die Ehrenmitgliedschaft der weimarer Bühne, trat aber seitdem nur selten auf, zuletzt 1864 zu seinem 50jährigen Künstlerjubiläum. G. war als Sänger und Schauspieler gleich ausgezeichnet. Mit schöner männlicher Gestalt vereinte sich bei ihm ein kraftvolles Organ und reicher Stimmfonds. Diese Mittel gaben ihm den weitesten Wirkungskreis auf der Bühne. Er spielte den Oberförster in den HDatgen »und den Figaro, den Alp in Raupachs Zeitgeisto und den Masaniello, den alten Busch in Bretzners Räuschchen» und den Vampyr (der von Marschner für ihn geschrieben war), den Wallenstein und den Don Jnan mit gleicher Vollkommenheit. Als Schauspieler blieb er den —1 Goethes und den Vorbildern der klassischen Bühnenzeit treu; doch trat sein Idealismus nie mit der Natürlichkeit in Gegensah. G. hat sich auch als Komponist durch Lieder, Balladen und zwei Opern (Der Verräter in den Alpeno und «Die Sonnenmännero) bekannt gemacht. Höchst interessant ist sein autobiographisches Werk «Aus dem Tagebuch eines alten Schauspielers» (4 Bde., Lpz. 1862—66). G. starb 3. Aug. 1866 in Wiesbaden. G.s Gattin, Karoline Christine G., geb. 31. Jan. 1800 zu Kassel, Tochter Wilhelm Böhlers, eines vorzüglichen Schauspielers, war erst Klavierspielerin und debütierte als Opernsängerin 1814 in Frankfurt a. M. als Lilla, ging aber unter Leitung von Sophie Schröder in Ruer zum Schauspiel über und wurde 1817 von Küstner als erste Liebhaberin für die leipziger Bühne engagiert. Seit 1820 mit G. vermählt, teilte sie seitdem die künstlerischen Erfolge ihres Gatten. Rollen wie die Prinzessin im (Tassos, Minna von Barnhelm, Thekla im Wallensteino entsprachen ihrem Talent und ihrer Natur am meisten. Besonders war ihre Darstellung der Donna Diana eine vollendete Leistung. Auch als sie später zu dem ältern Fach überging, leistete sie noch Vorzügliches. Sie starb 15. April 1860 zu Weimar.