FeedGenoveva
ReligionBrockhaus 1882

Genoveva oder Genovefa (frz. Genevieve), die Heilige, Schutzpatronin von Paris, wurde 419 zu Nanterres geboren, einem Dorfe in der Nähe von Paris. Nach der Legende wurde sie im Alter von 10 Jahren vom heil. Germanus, Bischof von Auxerre, zur Braut Christi geweiht und widmete seitdem ihr Leben ganz dem Dienste Gottes. Ihre Mutter Gerontia, darüber erzürnt, schlug sie eines Tages ins Gesicht, wurde aber zur Strafe mit Blindheit belegt, bis sie 20 Monate später sich mit Wasser wusch, welches G. gesegnet hatte. Mit 15 Jahren nahm G. den Schleier, blieb aber, weil es Klöster noch nicht gab, im elterlichen Hause und lebte bei strengster Ascese nur dem Gebet und der Betrachtung. Nach dem Tode der Eltern begab sich G. nach Paris. Als Attila in Frankreich einfiel, verkündete G., Paris werde verschont bleiben. Der Erfolg bestätigte diese Vorhersagung und G.s Ansehen ward stark gehoben. Als der Frankenkönig Childerich Paris belagerte, brachte G. auf der Seine 12 Schiffe mit Getreide zusammen und verteilte es unentgeltlich. Von den siegreichen Franken Childerich und Chlodwig ward G. hoch geehrt. Im J. 460 erbaute sie über den Gräbern des heil. Dionysius und Eleutherius eine Kirche, bei welcher König Dagobert I. später die Abtei St.⸗Denis stiftete. G. starb am 3. Jan. 512 und wurde in der von ihr erbauten Kirche beigesetzt. Ihren Gebeinen schrieb man große Wunderkraft zu. Noch im J. 1129, als in Paris die Pest herrschte und alle Mittel sich als nutzlos erwiesen hatten, trug der Bischof Stephan die Reliquien der heil. G. in feierlicher Prozession in die Kathedralkirche, und alle Kranken wurden sofort gesund. Das Andenken dieser Heilung wird jährlich am 26. Nov. gefeiert. Eine andere Heilige dieses Namens ist die Herzogin G. von Brabant, die Gemahlin des Pfalzrafen Siegfried zur Zeit Karl Martells um 750. on dem Haushofmeister Golo des Ehebruchs beschuldigt, wurde sie zum Tode verurteilt, durch den mit Vollziehung dieses Urteils beauftragten Knecht aber freigelassen, worauf sie sechs Jahre in einer Höhle der Ardennen von Kräutern lebte und ihren Sohn Schmerzenreich von einer Rehkuh nähren ließ, bis ihr Gemahl, der ihre Unschuld erkannt, sie bei einer Jagd wiederfand und heimführte. Ihre Geschichte erzählt in einem rührend unschuldigen Tone das nach der Schrift des Paters Cerisiers, „L'innocence reconnues (Par. und Mons 1638), gearbeitete deutsche Volksbuch. Dasselbe ist unter allen Büchern dieser Wisen das abgerundetste und in seiner anspruchslosen Natürlichkeit unübertrefflich. In dramatischer Form bearbeiteten die Geschichte der bert Es G. Tieck, Maler Müller und Raupach. Robert Schumann hat 1846 die Erzählung von der G. als Gegenstand einer Oper behandelt. Den Versuch zu einer mythischen Deutung der Sage hat Zacher (Die Historie von der Pfalz-Dornn G.r, Königsb. 1860) gemacht. Vgl. Sauerorn, Geschichte der Pfalzgräfin G. und der Kapelle Frauenkircheno (Regensb. 1856). Geure, s. unter Genremalerei. Genremalerei. Im Französischen bezeichnet das Wort Genre (Gattung, Art) jedes Fach der Malerei, wie Genre historique, Genre du paysage u. s. w. Wird es aber ohne Zusatz gebraucht, so versteht man unter Genre ein Gemälde mit menschlichen Figuren, welches nicht der sog. historischen Gattung angehört, sondern in kleinerm Umfang und engern Grenzen sich auf die Schilderung kulturhistorisch zwar interessanter, aber keinen Anspruch auf welthistor. Bedeutung machender Sujets be—⸗ schränkt. Man bezeichnet daher insbesondere mit dem Ausdruck Genebilder diejenigen figurierten Gemälde, welche die Individuen als Typen der Gattung schildern, im Gegensatz zu den histor. Kompositionen, welche ganz bestimmte Individuen vorführen. Freilich kann durch Auffassung und Stil der Ausführung das Genre der Geschichtsmalerei nahe gebracht werden. Dies that z. B. Leopold Robert, der in seinen Landleuten und Fischern ein Geschlecht zeigte, das einen Nachklang der Größe Anderersein Figuren des alten Rom in sich hat. ndererseits können histor. Personen in Situationen des täglichen Lebens geschildert werden. Für beide Fälle ist der Ausdruck historisches Genre ebräuchlich. Endlich können auch Gestalten der Mythe herbeigezogen werden, um das allgemein Menschliche auszudrücken (Genien, Geister, Feen, Elfen u. s. w.), wofür der Ausdruck mythisches Genre geltend ist. Die Stufenleiter des Darstellbaren ist für die G. eine sehr mannigfaltige. Von dem rein Zuständlichen an, z. B. wie einer gähnt, schnupft, eine zerrissene Sohle prüft, durch alle Arten einfacher Beschäftigungen hindurch, wie Pflügen, Spitzenklöppeln u. s. w., zu bewegtern Zuständen, wie Tanz, Festvergnügen, Familienscenen, bis zu Konflikten und Ausbrüchen der Leidenschaft, wie Schlä⸗ — „Jagd, Kampf mit Naturkräften, Leiden und od in allen Formen, ist alles für die Genredarstellung erreichbar. Auf der letztern Stufe geht das Genre aus seinem sonst mehr idyllisch-epischen Charakter in den dramatischen über. Im allgemeinen pflegen Genrebilder in begrenzten Dimensionen ausgeführt zu werden, während Historiengemälde gewöhnlich lebensgroße oder monumentale Ausdehnung in Anspruch nehmen. Doch kommen auf beiden Seiten vielfache Ausnahmen vor, und die räumliche Größe der Gemälde kann niemals auf die Bezeichnung Einfluß haben, welche vielmehr allein von dem Charakter der Darstellung bestimmt wird. Schon das Altertum kannte eine Art G., doch erst zu den Zeiten des bereits beginnenden Verfalls. Auch bei den Römern wurde das Genre kultiviert, wie aus den pompejanischen Wandgemälden zu ersehen. Doch die Geburtsstätte des gegenwärtigen Genrebildes ist der Norden, vor allem die Niederlande. Man kann hier zwei Klassen unterscheiden: Darstellungen aus den niedern Kreisen der Gesellschaft, ihr äußeres Leben und Treiben, und andere aus mittlern und höhern Ständen, mit einem novellistischen Zuge und mehr innerm Leben. Die Hauptvertreter jener Klasse sind: die Breughels, die Teniers, Ostade, Brouwer, Jan Steen, Pieter van Laar, der durch seine Bambocciaden (s. d.) diesen Kunstzweig auch in Italien heimisch machte. Zu der Klasse der sog. Feinmaler gehören: Terburg, Dow, Metzu, van Mieris, Netscher. Gleichwohl nehmen alle die Stoffe meist aus dem Leben der Bauern, Soldaten, Bürger und Vornehmen. In der modernen Zeit aber wachsen die Kreise nach allen Richtungen, und nach der Wiedergeburt der Malerei zu Anfang des 19. Jahrh. ist es die Düsseldorfer Schule, welche den Zweig der G. in diesem erweiterten Kreise zuerst mit großem Erfolg wieder angebaut hat. Aus der Düsseldorfer Schule gingen als Genremaler hervor: Vautier, Knaus, Sohn, Schrödter u. a. Vorzügliche anderweitige Repräsentanten sind ferner Dietz in München, Defregger für das Leben der Alpenbewohner, Meyerheim, Grützner, Karger, Leibl. Eine eigentümlich abgeschlossene Gruppe, welche speziell das wiener und niederösterr. Volksleben höchst charakteristisch behandelte, vertraten in den dreißiger Jahren in Wien Fendi, Waldmüller, Danhauser, Schindler, Ritter u. a.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 779Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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