FeedMerovigs Sohn
GeschichteBau-Lexikon 1881

Merovigs Sohn, breitete das Fränkische Reich bis an die Loire und Schelde aus und Chlodwig vernichtete in der Schlacht von Noyon 486 den Rest römischer Macht und wurde 496 Christ. Schon er, mehr aber noch sein Sohn Childebert, stifteten viele Klöster u. Kirchen, so die Kirche St. Germain des Prés zu Paris. Unter Childebert (gest. 558) baute Bischof Leo von Tours eine Kirche zu Angers, Bischof Germain von Paris eine zu Le Mans, Avitus die zu Thiers und Clermont. Chilperich I. gründete 606 die Kirche St. Germain l'Auxerrois, ursprünglich St. Jean le Rond genannt, in Paris, der heilige Perpetuus baute die Martinskirche in Tours neu auf. Omatius der Zimmermann lieferte den Plan zu der Kirche St. Gervais et Protais zu Paris; die Bischöfe Ferreol von Limoges, Agricola von Chalons und Dalmatius von Rhodez waren Architekten. Die fränkische Kunst dieser Zeit stand offenbar mit der longobardischen in Verbindung, und zwar nachweislich durch den heiligen Columban, der von Benchor in Irland kommend unter dem Schutz des Guntram von Burgund die Klöster Anegrai, Fontaine u. Luxeuil baute, dann, verbannt, durch seinen Schüler Gallus Anlaß zu der Gründung von St. Gallen gab u. endlich unter Theudolindens Schuß die Abtei Bobbio bei Genua gründete. Unter Dagobert (gest. 638) stieg die Kunst durch den Goldschmied St. Eligius (St. Elois, 659) zu hoher Blüte. Die Paläste der Könige, die Wohnsitze der Großen entfalteten großen Luxus. Näheres s. im Art. Haus S. 15. Weder von diesen Prachtbauten noch von den Bürgerhäusern in den Munizipalitäten hat sich etwas erhalten. Selbst bei den Kirchenbauten spielte anfänglich das Holz eine große Rolle. Aber auch, wo die Mauern von Stein aufgeführt wurden, wendete man nur selten Ouader (im grand appareil und moyen appareil) an, öfter das petit appareil. od. Ziegel in einzelnen zwischen dem kleinsteinigen Mauerwerk (gallicanum opus) eingelegten Schichten oder auch in manchfachem bunten Verband. Der Wechsel verschiedenfarbigen Materials war sehr beliebt; auch Simse und Bögen konstruirte man gern aus Backstein u. Haustein im Wechsel. Was den Grundplan anlangt, so wurde im allgemeinen die Bafilikendisposition beibehalten; der Chor verlängerte sich allmählich, das Querschiff wuchs, Centralbauten sind selten. St. Germain l'Auxerrois und St. Martin zu Tours gehört zu ihnen; erhalten sind die Baptisterien zu Riez und Frejus, letzteres vielleicht auch erst 810 erbaut, also karolingisch; Vereinigung des Langbaues u. Centralmit dem Centralbau. Alle Oeffnungen waren im Hal kreis überdeckt, die Apsis mit Gußgewölbe versehen, ELBSERG O Universität übrigen Decken von Holz. Was nun die eigentlich archiystemtektonische Ausschmückung anlangt, so zeigen die südlicher gelegenen Gebäude ein viel entschiedeneres Festhalten am römischen Stil als die nördlicher gelegenen, obgleich auch / mothes 18835d3/0400 an diesen die römische Tradition nicht zu verkennen ist, ja an mehreren so stark herantritt, daß die Forscher einzelne dieser Bauten lange Zeit für römische gehalten haben; aber diese Aehnlichkeit tritt 2— 5 namentlich im Süden Frankreichs auch an den karolingischen Bauten hervor (s. d. Art. karolingisch, zu dessen Ergänzung und zum Vergleich wir hier in Fig. 1621 ein Detail der Längenfront St. Generoux zu Poitiers geben). Vorzüglich gewisse technische Kennder Merovingerherrschaft entstanden sind. Erleichtert wurde dies urkundlich von den Merovingern errichteten Bauten. Zu letzteren gehören namentlich die Kirche von Vieux-Ponten-auge (im Dep. Calvados) und St. Jean in Poitiers, BLIOTHIEK ein vielleicht aus dem 5., spütestens dem 6. Jahrh. stammendes Baptisterium, von denen wir in Fig. 2622—2630 Grundriß, Ansicht, Durchschnitte u. Details geben. Die Rerovingische Wandmalerei aus St. Jean in Poitiers. Vorhalle der Kathedrale zu Aix, Theile der Kirche zu Capvaillon, Saint Paul trois chäteaux, die sogenannte Basse-Oeuvre (eine Pfeilerbasilika der Zeit um 560) in Beauvais, Fig. 2631, St. Martin in Angers, die Kirchen von Craö Fig. 2631. Basse-Oeuvre in Beauvais. vant, im Dep. Indre et Loire, Gennes und Savenieères im Depart. Maine et Loire, die Krypten von Jouarre und St. Germains de Pres in Paris; von letzterer Kirche giebt Fig. 2632 ein jetzt in St.Denis aufbewahrtes Kapitäl. Fig. 2633, die Krypta von Columbans von Jouarre, ist Schüler Odo 630 / gebaut; die Säulen bestehen aus Jaspis, Porphyr und koxrinthischem Marmor. Figur 2634 ist die jedenfalls auch der Merovingerzeit zuzurechnende, lange für einen römischen Bau gehaltene Porta nigra in Trier. Technische und künst⸗ Fig. 2632. Aus St. Germain de Pres. sind außer den erwähnten noch folgende: Der Fries wird „sehr hoch; manchmal verschwindet der Architrav völlig „der Karnies kommt seltener vor als bei den Römern; 2621 ist der Grundriß von S. Jean in Poitiers; Apsis & steht nicht mehr, Dist im 7. Oim 13. Jahrh. gebaut. B ist der Taufbrunnen mit Saerarium darunte Fig. 2623 die jetzt zum Theil in der Erde steckende Befestigungsbauten je ener Zeit ist mancher begeblieben, allerdings mehr noch von den als von den Franken selbst, z. B. zu Carcas-Narbonne, Toulouse etc. lacrimans, destruens u. m. vastator, lat., d. Art. Hausschwamm.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 389Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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