Gregorius, Patriarch der griech. Kirche des Orients, eins der ersten Opfer der Auflehnung der Griechen gegen die türk. Fremdherrschaft; geb. 1739 zu Dimitzana im Distrikte Kalavrita in Arkadien und in der Klosterschule auf dem Berge Athos erzogen, wurde er in Smyrna zum Priester 1. Im und einige Jahre später zum Bischof gewählt. Im J. 1795 wurde G. Patriarch von Konstantinopel, geriet aber, als die Franzosen die Türkei bedrängten, in den Verdacht, mit den Landesfeinden im Bunde zu stehen, und wurde deshalb 1798 nach dem Berge Athos verbannt. Hier widmete er sich mit großem Eifer wissenschaftlichen Studien und war auch nach seiner Zurückberufung nach Konstantinopel um die Förderung der Wissenschaften sehr bemüht. Als die Griechen sich für ihre Unabhängigkeit erhoben, kam G. als geborener Grieche in den Verdacht, ihre Bestrebungen zu unterstützen, und fiel 1821 einem tobenden Volkshaufen zum Opfer. Gregorinsfest ist ein Kinder⸗ und Schulfest. Sein Ursprung geht bis ins röm. Heidentum zurück. Dort hieß es Quinquatria, weil es fünf Tage, vom 9. bis 13. März, gefeiert wurde, oder Minervalia, weil zu Ehren der Göttin Minerva Aufzüge mit Gesängen und Opfern veranstaltet wurden. Gregor IV gab dem Feste um 830 eine kirchliche Bedeutung, indem er es als Erinnerungsfest an Gregor d. Gr. feiern ließ, dessen Gedächtnistag auf den 12. März fällt, und der sich um die Einrichtung von Schulen und die Förderung des Unterrichts große Verdienste erworben hat. Bei diesem Fest wurden manche Mummereien vorgenommen. Ein Knabe wurde zum Bischof, zwei andere zu seinen Pfarrern gewählt, welche Bischofspredigten zu halten hatten. Auch in prot. Ländern wurde das G. und da beibehalten, wenn auch ohne kirchliche Beziehung. Ein überrest desselben ist das an manchen Orten am dritten Pfingstfeiertag gebräuchliche Kinderfest. Vgl. Mücke, „Ursprung des G.y (Lpz. 1782); Löschke, Die religiöse Bildung der Jugend im 16. Jahrh.» (Bresl. 1846); Reinsberg-Düringsfeld, „«Das festliche Jahro (Lpz. 1863). Hregorovius (Ferd.), ausgezeichneter deutscher Geschichtschreiber, geb. 19. Jan. 1821 zu Neidenburg, wo sein Vater auf dem alten Schloß der Deutschritter als Direktor des Kreisgerichts seinen Wohnsitz hatte, wurde auf dem Gymnasium zu Gumbinnen vorbereitet und bezog 1838 die Universität Königsberg, wo er sich dem Studium der Theologie und Philosophie widmete, als einer der eifrigsten Schüler von Rosenkranz. Nach Vollendung des akademischen Kursus leistete er auf die theol. Laufbahn Verzicht und wandte sich der Litteratur und Geschichte zu. Seine erste bedeutendere Arbeit war „Goethe's Wilhelm Meister in seinen sozialistischen Elementen (Königsb. 1849), in welcher er nicht nur ein tiefes Verständnis des großen Dichters, sondern zugleich auch eine eigentümliche Auffassung des modernen Lebens überhaupt bekundete. Zwei kleinere Arbeiten: »Die Idee des Polentums (Königsb. 1848) und die „Polen⸗ und Magyarenlieder » (Königsb. 1849), waren zu Gunsten jener Nationen geschrieben. Zwei Jahre später erschien sein Drama „Der Tod des Tiberius v (Hamb. 1851), dem sich fast gleichzeitig die Geschichte des röm. Kaisers Hadrian und seiner Zeito (Königsb. 1851) anschloß. Diese Schrift ist von ihm ganz umgearbeitet und neu gedruckt unter dem Titel Der Kaiser Hadrian, Gemälde der röm.-hellenischen Welt zu seiner Zeity (Stuttg. 1884). Im Frühjahr 1852 verließ G. Königsberg und ging, einer langen Sehnsucht folgend, nach Rom, seinen Weg über Corsica nehmend. So entstand sein Buch Corsicas (Stuttg. 1854; 3. Aufl. 1878; auch ins Englische, Italienische und in Corsica selbst von der Corsischen Akademie der Wissenschaften in Bastia ins Französische übersetzt). Von Rom aus durchwanderte er im Laufe der nächsten Jahre Italien und legte seine Studien und Beobachtungen nach und nach in der Sammlung seiner Wanderjahre in Italieno (5 Bde., Lpz. 1857—77; teilweise schon in 6. Aufl. erschienen) nieder. Für die Darstellung dieses reichen Stoffs erschuf sich G. eine neue eigenartige Form und Behandlungsweise. Die Landschaft hat G. zuerst mit der geschichtlichen Figurenwelt harmonisch durchdrungen. Er widmete den Wundern Pompejis sein episches Gedicht in Hexametern „Euphoriono (Lpz. 1858; 5. Aufl. 1883; illustrierte Prachtausgabe 1872; Silhouetten zu Euphorionv von M. Rehsener, 1882); ferner übersetzte er und führte in die deutsche Litteratur ein die Lieder des Giovanni Meli von Palermo» (Lpz. 1856). Seine Arbeit Die Grabdenkmäler der Päpste (pz. 1857; 2. Aufl. 1881, auch französisch und italienisch) ist eine Orientierungsschrift zum Zwecke desjenigen Werks, welches er unterdes als seine Lebensaufgabe erfaßt hatte: Die Geschichte der Stadt Rom im Mittelaltero (8S Bde., Stuttg. 1859—72; 3. Aufl. 1875 fg.). Diese große originale Arbeit, welche eine Lücke in der Litteratur ausfüllt, stellte er ben aus den umfassendsten Forschungen in Bibliotheken und Archiven Roms, Italiens und Deutschlands. Der röm. Gemeinderath veranstaltete nach dem Falle der päpstl. Herrschaft eine Fortführung der ital. Üübersetzung des Werks in Venedig auf öffentliche Kosten, und 8. März 1876 wurde G. durch einstimmigen Beschluß des Stadtrats zum Ehrenbürger der Stadt Rom ernannt, der erste Protestant, der diese hohe Auszeichnung erhielt. G. schrieb ferner Lucrezia Borgia. Nach Urkunden und Korrespondenzen ihrer eigenen Zeito (Stuttg. 1874; 3.Aufl. 1875; auch italienisch, französisch und ungarisch erschienen), KUrban VIII. im Widerspruch zu Spanien und dem Kaisero, eine Episode des Dreißigjährigen Kriegs (Stuttg. 1879; von ihm selbst italienisch übersetzt, Rom 1879), «Korfu, eine ionische Idyllev, Seitenstück zu der Separatausgabe der Idylle «Capriv, «Athenais, Geschichte einer byzant. Kaiserin (Lpz.1882; italien. und griech. Ausgaben, Rom und Athen). G. gab auf Wunsch der Familie von Humboldt heraus die Briefe Alexanders von Humboldt an seinen Bruder Wilhelmo (Stuttg. 1880) und versah sie mit einer biographischen Einleitung. Im J. 1880 reiste G. nach Griechenland. Die Frucht seines Aufentalts in Athen war außer andern Studien die Abandlung «Athen in den dunkeln Jahrhunderteno in Unsere Zeitov, Lpz. 1881, I, auch griechisch in Athen erschienen). G. lebt abwechselnd in Rom und in München, wo er auch für die beiden dortigen Akademien der Wissenschaften thätig ist. Für die römische gab er einen von ihm aufgefundenen Stadtplan Roms heraus: «Una pianta di Roma delineata da Leonardo da Besozzo Milanese (Rom 1883).