FeedGentz (Wilh.)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Gentz (Wilh.), Maler, geb. 9. Dez. 1822 zu Neuruppin, besuchte die Universität in Berlin, verließ aber die wissenschaftliche Laufbahn, um sich der Kunst u widmen, trat 1842 in das Atelier des Profes ors Klöber in Berlin, begab sich dann an die antwerpener Akademie und wurde in Paris Schüler Gleyres und Coutures. Eine Reise durch Spanien und Marokko 1847 entschied seine tern R Richtung und veranlaßte den Künstler zu weitern Reisen, auf welchen er 1850 Agypten und Nubien bis Wadi Halfa, Kleinasien und die Türkei besuchte. Die künstlerischen Ergebnisse dieser Reisen fanden bei dem nun folgenden pariser Aufenthalte G. eine Verwendung in eigenartiger Richtung, indem er nach dem Vorgange Horace Vernets biblische Motive in treuer Wiedergabe orient. Wesens komponierte. Zu G.“ bedentendsten Schöpfungen dieser Zeit gehören: der verlorene Sohn, Christus im Hause des Simon, für die Kirche seiner Vaterstadt gemalt, Christus unter den Sündern und Zöllnern, im städtischen Museum in Chemnitz. Neben Stoffen biblischen Inhalts lieferte er ferner zahlreiche Darstellungen aus dem Volksleben des Ostens, Sklaven und Sklavenverkäufer, Karawanen, Märchenerzähler; das schöne, stimmungsreiche Gemälde eines Sklaventransports durch die Wüste gelangte in den Besitz des stettiner Museums. In der Folge unternahm der Künstler noch viele Reisen, kam fünfmal nach Agypten, lebte in Holland, England und Skandinavien und machte endlich Studien in Palästina, welche ihm zu dem in der berliner Nationalgalerie befindlichen Bilde des Einzugs des Kronprinzen des Deutschen Reichs in Jerusalem dienten. An der berliner Akademie als Professor und Senatsmitglied thätig, versuchte G. sich auch auf schriftstellerischem Gebiete, indem er schon 1853 seine frühern Reisen in dem Buche „Briefe aus Agypten und Nubienp beschrieb. Für Ebers «Agyptens lieferte er mehrere Illustrationen, für dessen Romane desgleichen. Von seinen Staffeleigemälden besitzt die dresdener Galerie das Friedhoffest in Kairo (1882 auf der ersten Internationalen Kunstausstellung in Wien), das Städtische Museum in Leipzig das Grab Isaak Barchischats in Algier. G. ist ein feiner Kolorist, jedoch oft von etwas manierierter Farbenstimmung im Ensemble.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 785Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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