Georg I. (Ludwig), König von Großbritannien, 1714—27, und Kurfürst von Hannover seit 1698, wurde zu Hannover 28. Mai 1660 geboren. Sein Vater war Ernst August, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, nachheriger Kurfürst von Hannover, seine Mutter die geistreiche Sophie, eine Enkelin des Königs Jakob J. von England und Tochter von Elisabeth, der Gemahlin des unglücklichen Kurfürsten Friedrich von der Pfalz. Der Prinz vermählte sich 1682 mit Sophie Dorothea, Tochter des letzten Herzogs von Celle, durch welche er 1705 Erbe der lüneburg-cellischen Lande wurde. Doch diese Ehe, aus welcher Georg II. und Sophie, die Mutter Friedrichs d. Gr., entsprangen, war sehr unglücklich. Der Prinz nämlich lebte schon damals sehr frei, und auch seine Gemahlin ließ sich Unvorsichtigkeiten zu Schulden kommen, die 1694 ihre lebenslängliche Gefangenhaltung zur Folge hatten. G. folgte 1698 seinem Vater als Kurfürst. Durch die prot. Successionsakte von 1701 war die Thronfolge in England und Irland nach der Königin Anna unbeerbtem Tode der Kurfürstin Sophie von Hannover, als der Enkelin Jakobs I., und ihren prot. Nachkommen zugesichert worden. Dieselbe starb aber 8. Juni 1714, und nach der Königin Anna bald darauf erfolgtem Tode, 12. Aug. 1714, wurde am folgenden Tage der Kurfürst, als Sophiens ältester Sohn, obschon er England nie betreten hatte, als König von Großbritannien und Irland ausgerufen. Erst 11. Sept. reiste indes G. von Herrenhausen nach England ab, wo er am 29. landete. Am 1. Olt. hielt er seinen Einzug in London; die Krönung fand 31. Okt. statt. Nach seiner Ankunft verabschiedete er sogleich das toryistische Ministerium Orford, welches der Parteinahme für den Prätendenten Jakob III. verdächtig war, und brachte unter Stanhope und Walpole die ihm ergebenen Whigs ans Staatsruder. Auch löste er das meist aus Tories bestehende Parlament auf und eröffnete 28. März 1715 ein neues, in welchem die Whigs die Mehrzahl bildeten. Im Dez. 1715 erschien der Prätendent in Schottland, wo der Graf Marr ein Heer versammelt hatte, und ließ sich zum Könige der drei Reiche ausrufen, allein G. unterdrückte den gefähr-Lam Aufstand leicht und mit blutiger Strenge. Im sich das ihm ergebene Parlament zu erhalten, bewirkte er 1716, daß die Legislaturperiode von drei Jahren auf sieben erhöht wurde, und zugleich verstärkte er die königl. Gewalt durch die Beibehaltung eines stehenden Heeres. Infolge einer Reise nach Hannover ließ er 1716 aus der Successionsakte auch die lästige icht ahne Bewill nen, nach welcher der König nicht ohne Bewilligung des Parlaments das Reich verlassen durfte. Hierauf bemühte er sich, seinen neuen Thron gegen die Umtriebe der Jakobiten, welche mit Alberoni in Spanien und Graf Görtz in Schweden in Verbindung traten, nach außen zu befestigen und schloß im Jan. 1717 mit Durch den und Holland eine Tripleallianz, welche durch den Zutritt des Kaisers in eine Quadrupleallianz verwandelt wurde. An den Kriegen gegen Spanien nahm die engl. Flotte lebhaft teil; der Sieg des Admirals Byng am Kap Passaro vernichtete die span. Armada. Dadurch gestärkt, konnte G. nun auch zu Hannovers Vorteil in die nordischen Händel eingreifen und die von den Dänen den Schweden abgenommenen Fürstentümer Bremen und Verden gegen Entrichtung von sechs Tonnen Goldes mit seinem Kurfürstentum Waloole h. Zugleich war er mit seinem Minister Walpole bemüht, die wachsende brit. Staatsschuld zu tilgen; er ließ zuerst die Zinsen der Schuld von 8 auf 5 Proz. herabsetzen und ging dann auf das Projekt des Direktors der Südsee-Kompagnie, Sir John Blunt, ein, das Ähnlichkeit mit dem in Frankreich ausgeführten Finanzsystem Laws hatte und auch dasselbe Ende nahm. Als er 1722 durch den Regenten von Frankreich von einer gegen ihn und sein Haus gerichteten jakobitischen Verschwörung in Kenntnis gesetzt wurde, benutzte er diesen Vorfall, um den toryistischen Adel durch Gefängnis und Konfiskation zu demütigen; doch wurde nur der Advokat Layer 1723 hingerichtet. Infolge eines 1725 zu Wien geschlossenen geheimen Bündnisses zwischen sterreich und Spanien, worin dem letztern die Restitution von Gibraltar und Minorca versprochen war, schloß G. am 3. Sept. 1725 zu Herrenhausen die sog. Hannoversche Allianz mit Preußen und Frankreich, der auch mehrere andere deutsche Fürsten beitraten. Fast ganz Europa nahm für den einen oder den andern Teil Partei, und G. traf energische Anstalten, das schon von den Spaniern umschlossene Gibraltar entsetzen zu lassen. Kurz nachdem die Friedenspräliminarien, die diese Erschütterung beseitigten, in Paris zu Stande gekommen waren, starb G. auf einer Reise in seine deutschen Staaten zu Osnabrück 22. Juni 1727 am Schlage und wurde zu Hannover beigesetzt.