FeedGeorgikon (grch.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Georgikon (grch.), Lehrgedicht, welches den Landbau besingt. Bekannt sind besonders Virgils Georgine (Georgina), eine 1789 aus Mexiko in Europa eingeführte Pflanze, welche zunächst nach Madrid gesandt wurde, wo Cavanilles der neuen Gattung nach dem schwed. Botaniker und Schüler Linnés, Dahl, den Namen Dahlia beilegte. Später nannte sie Willdenow, dem Gesetz der Priorität zuwider, Georgina, zu Ehren des petersburger Akademikers Joh. Gottlieb Georgi. Die Gattung G. gehört zu der großen Familie der Kompositen. Sie ist charakterisiert durch gegenständige gefiederte Blätter und langgestielte, kpschen sehr ansehnliche, farbenprächtige Blüten60 chen mit doppelter Hülle, deren äußere aus 6 bis 8 abstehenden oder zurückgeschlagenen Blättern besteht, während die innern 12 bis 16 an der Spitze häutige, am Grunde verdickte und unter sich verwachsene Hüllblätter zahli Die Einzelblüten des Köpfchens sind 1.9 ängliche häutige Spannblättchen getrennt. Die Blüten des Strahls sind zungenförmig, 40 pntzahm oder weiblich und die der Scheibe röhrig, fünfzähnig, zwitterig, die Samen (Früchte) ohne Samenkrone und deutlich zwei-Heischtg ie Wurzeln sind spindelförmig tnollig, eischig, gebüschelt ausdauernd die röhrigen Stengel einjährig. Die G. ist eins der auffallendsten Beispiele von der Veränderlichkeit der Arten unter dem Einflusse veränderter klimatischer Verhältnisse und der Kultur. Durch diese Doppelursache haben sich im Laufe des 19. Jahrh. mehrere Tausende von Spielarten entwickelt. Ganz allmählich vergrößerten sich die Blütenköpfchen, wandelten sich die Scheibenblüten in flach ausgebreitete oder mit ihren Rändern mehr oder weniger genäherte Zungenblüten um, sodaß dadurch halb oder dicht gefüllte, gewölbte Blumen von bewundernswürdiger Regelmäßigkeit und infolge der besondern Bildungs- und rordemtlccher Manmg der Einzelblüten von so außerordentlicher Mannigfaltigkeit entstanden, daß selbst die formenreichste aller Kompositenblumen, die Aster, hinter der G. zurückbleibt. Noch viel bedeutender aber ist die Variation im Kolorit, welches alle Nuancen von Gelb, Orange, Rosa, Amaranth, Violett- und Dunkelpurpur darstellt. Auch das reine oder leicht mit Gelb, Grün, Rosa oder Purpur 0 dtetg Nr Weiß ist nicht selten. Bald breiten sich diese Nuancen gleichmäßig über die ganze Fläche der Zungenblüten aus, bald treten sie mit einer andern Nuance an der Spitze derselben in lebhaften Kontrast; oft ist das Kolorit von mildem Samtlüster oder seidenartigem Moire übergossen, insbesondere die purpurnen. Blau, welches im Tausendschön (Bellis perennis) nur sehr unvollkommen vertreten ist, kommt bei der G. gar nicht vor. In dem Maße, in welchem die G. sich blumistisch vervollkommnete, wurden die an sie gestellten Anforderungen strenger, und Blumen, die noch um 1860 allgemein bewundert wurden, werden gegenwärtig als wertlos verworfen. Jetzt verlangt man von einer G. vor allem eine gute Haltung, eine geringe oder mäßige Höhe von 0,60 bis 1,20 m, von festen Stielen getragene, über die Laubmasse hinaustretende, dem Beschauer von vorn sich zeigende, vollkommen gefüllte und gewölbte Blumen mit dachziegelig geordneten, zellen- oder muschelartig gebildeten Einzelblüten und lebhafte und angenehme und, wenn die Blumen gestreift oder gefleckt sind, kontrastierende Farben. Sämtliche Kulturformen aber lassen sich auf die in Mexiko wildwachsende Georgina variabilis Desf. zurückführen, deren Grundfarbe rot, aber von der 6. coccinea verschieden ist. Der Überfülle an neuen Varietäten ist es zu verdanken, daß in neuester Zeit deh detom einfach blühende Spielarten in den Handel gekommen sind, für die nichts weiter spricht als ein feuriges oder seltenes Kolorit oder eine barocke Bildung des Blütenköpfchens. Man vermehrt die G. durch Teilung des Knollenbüschels, aus Samen und aus Stecklingen. Die Knollen werden im November, nachdem man einige Tage vorher die Stengel abgeschnitten, aus der Erde gehoben und, an der Luft abgetrocknet, an einem dunkeln, frostsichern, weder zu feuchten, noch zu trockenen Ort aufbewahrt. Die gebräuchlichste Art der Vermehrung ist die Stecklingszucht. Zu diesem Behuf werden im März oder April die Knollen in ein warmes Beet gelegt und die infolge dessen zahlreich auftretenden Triebe, wenn sie 3 bis 5 em lang geworden, mit einem Stückchen der Knolle abgeschnitten, in kleine Töpfe gesteckt und in einem geschlossenen Warmbeete gehalten, später in größere Töpfe gepflanzt und allmählich an die Luft gewöhnt. Die Vermehrung I111. Aussaat ist nur für Georginenzüchter von Interesse, welche neue Varietäten zu gewinnen hoffen. selg. . Hußenn⸗ s. unter Gesellschaftsinseln.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 814Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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