Gerson (Joh. von), eigentlich ½ Charlier, ein in die kirchlichen Ereignisse zu Anfang des 15. Jahrh. tief eingreifender Theolog, wurde 14. Dez. 1363 in Gerson, einer Ortschaft im Bistum Rheims, geboren. Nachdem er zu Paris unter Leitung des berühmten Pierre d'Ailly seine Studien beendet, trat er 1381 selbst als Lehrer auf, wurde 1392 Doktor der Theologie und 1395 Kanzler der Universität. Als solcher wirkte er eifrigst mit zur Hebung des päpstl. Schisma und zur Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern auf den beiden Konzilien zu Pisa und Konstanz. Nachdem G. die Verhandlungen zu Pisa dadurch vorbereitet, daß er in den Schriften De unitate ecclesiastica und De auféribilitate papàe ab ecclesiap die Stellung des ökumenischen Konzils über den Papst und die Absetzbarkeit des letztern die deneh und dem neugewählten Alexander V. die bestehenden kirchlichen Mißbräuche eindringlich vorgehalten, wies er, als ohann XXIII. ein zweites Konzil nach Rom auschrieb, in der Schrift De modis uniendi ac reformandi ecclesiam in concilio universalio nach, daß eine 1. unabhn Reformation nur auf einem vom Papste unabhängigen Konzil zu Stande kommen könne. Dagegen war er jeder Reform des Dogmas und der Kirchengebräuche entschieden abgeneigt, stimmte auf der Synode für die Entziehung des Laienkelchs und hatte einen Hauptanteil an der Verurteilung und Verbrennung von uß. Nach dem Schlusse des Konzils mußte er nach Tirol entweichen vor den Nachstellungen des Herzogs von Burgund, weil er dem Franziskaner Jean Petit entgegengetreten war, welcher die Ermordung des Hentehn von Orléans durch den Herzog von Burgund durch sophistische Gründe verteidigte. 3. 1419 begab er sich nach Lyon, wo er in einem Kloster 1 3. Unter sene thätig war und 12. Juli 1429 arb. Unter seine zahlreichen Werke, die Ellies Dupin (5 Bde., Antwerp. 1706) am vollständigsten Rempis G. d.) hat, 5 fälschlich das von Thomas a empis (s. d.) verfaßte Buch (Von der Nachfolge Christis gerechnet worden. Vgl. LEcuy, 0 Essai sur la vie de Jean G.v (2 Bde., Par. 1832) Mettenleiter, Johann G. und seine Zeit) (Augsb. 1857); war Rabbiner in Proßnitz Nikolsburg und Wien. Als 1670 alle Juden aus Wien vertrieben wurden, erwählte ihn die Gemeinde in Metz zum Rabbiner, woselbst er 1694 starb. Die Sammlung seiner Rechtsbescheide: Abodat Ha-Gerschuniz, mit Vorrede seines Schülers David Oppenheimer, erschien u Frankfurt a. M. (1699) und Lemberg (1861). aneben genießen seine talmudischen Schriften (Chiddusche Gerschunis (Frankfurt a. M. 1710) und seine Predigten CTiferet erschunis (Frankf. a. M. 1699 eines wohlverdienten Ansehens.