FeedFriedrich (Joh.)
ReligionBrockhaus 1882

Friedrich (Joh.), altkath. Theolog, geb. 5. Juni 1836 in Pordorf im bayr. Regierungsbezirke Ober-e franken, machte seine Studien in Bamberg und München, ward 1859 zum Priester gewählt und darauf Kaplan in Marktscheinfeld. Nachdem er l 1861 die theol. Doktorwürde erlangt, ward er 1862 Privatdocent, 1865 Professor der Theologie in München und 1869 bei Beginn des Vatikani⸗⸗ schen Konzils als Konzilstheolog des Kardinals Fürsten Hohenlohe-Schillingsfürst nach om berufen. Einige Zeit hindurch der Teilnahme an der Autorschaft der in der „Allgemeinen Zeitung » er-H schienenen „Briefe vom Konzil verdächtig, hatte er an Ort und Stelle wie von den deutschen An⸗⸗ hängern der Unfehlbarkeitslehre vielfache Angriffe zu erdulden und verließ Rom noch vor dem Schlusse des Konzils, da er eingesehen hatte, daß die weitern Verhandlungen über die Infallibilität gegenuber dem Willen der Kurie und der Jesuiten nutzlos seien. Seine Schriften sind: J. Wessel, ein Bild aus der Kirchengeschichte des 15. Jahrh. (Aegensb. 1862), „Die Lehre des Hus und ihre Bedeutung für die Entwickelung der neuern Zeito (Regensb. 1862), «Astrologie und Reformationo (Münch. 1864), „Das wahre Zeitalter des heil. Ruperto (Bamb. 1866), «Kirchengeschichte Deutsch⸗⸗ lands „ (2 Bde., Bamb. 1867—69). Ferner gab er heraus: Drei unedierte Konzilien aus der Merovinger Zeit» (Bamb. 1867) und „Das päpstlich gewährleistete Recht der deutschen Nation, nicht an die päpstl. Unfehlbarkeit zu glauben» (Münch. 1870). Als der Erzbischof von München-⸗Freising die Unterwerfung der theol. Fakultät unter die Beschlüsse des Konzils forderte, stand F. mit Döllinger (s. d.) zusammen, der sie verweigerte, und wurde, gleich diesem, 17. April 1871 mit der größern Exkommunikation belegt, nachdem den Theologen 14 Tage vorher der Besuch seiner Kollegien verboten worden war. Zu gleicher Zeit mit der Exkommunikation begann F. die Veröffentlichung seiner Documenta ad illustrandum Concilium Vaticanum anni 18705 (2 Tle., Nördl. 1871), welche die ane Konent eut Aufschlüsse über dieses sog. Allgemeine Konzil enthalten. Mit der Anzeige seiner Erkommunikation bei dem Könige stellte er seine Funktionen als Benefiziat an der Hofkapelle dan. 2 ein, und der König ließ es dabei bewenen. Am 25. Juni aber that er den ersten praktischen Schritt in der Sache, indem er seinem todkranken antiinfallibilistischen Kollegen Dr. Zenger, dem die Pfarrgeistlichkeit die Sterbesakramente verweigerte, dieselben auf dessen Ansuchen spendete und ihn unter dem Zudrange von etwa 20000 Menschen beerdigte. Infolge dessen erklärte ihn, aber erfolglos, der Erzbischof seines Benefiziums für entsetzt. F. wurde schon 1869 von der Fakultät und dem Senat einstimmig Ault ord. Professor vorgeschlagen, ohne daß der Kultusminister dessen Wahl beim Könige in Vorlage brachte. Am 29. Juli 1871 wurde F. mit 22 Stimmen zum Senator gewählt; doch konnte die Wahl, weil er nur außerord. Professor war, nicht bestätigt werden. Im Spätjahr 1871 ließ F. noch sein «Tagebuch, geführt während des Vatikanischen Konzilso (Nördl. 1871; 2. Aufl. 1873) erscheinen und gab eine interessante, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VII. gänzlich unbekannte Schrift Joannis de Turrecremata: de potestate papae et concilii generalis Tractatus notabiliso (Innsb. 1871) heraus. Seitdem nahm F. an der Entwickelung des Altkatholizismus regen Anteil. Als ihn Bischof Ketteler wegen eines Vortrags in Konstanz 1873 in einem offenen Briefe angriff, schrieb er gegen diesen als offene Antwort seine vielbeachtete Schrift: „Die Wortbrüchigkeit und Lügenhaftigkeit deutscher Bischöfes (Konstanz 1873). Im J. 1872 wurde er zum ord. Professor ernannt, wogegen der münchener Erzbischof vergebens protestierte; 1874 eröffnete er die kath.⸗theol. Fakultät an der berner Hochschule mit der Rede Der Kampf gegen die deutschen Theologen und theol. Fakultäten in den letzten 25 Jahreno (Bern 1875) und las an derselben zwei Semester über Kirchengeschichte. Von da zurückgekehrt, hielt er wieder ununterbrochen kirchengeschichtliche Vorlesungen an der münchener Universität, bis der Kultusminister, dem Drängen der ultramontanen Kammerpartei nachgebend, seine Versetzung als Professor der Geschichte in die philos. Fakultät beantragte und durchsetzte, ohne daß man ihn vorher irgendwie davon verständigt hätte (1882). Größere Schriften erschienen noch von ihm: 4Geschichte des Vatikan. Konzils » (Bd. 1, Bonn 1877) und a ältesten Geschichte des Primats in der Kirche⸗ (Bonn 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 353Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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