FeedGetreideverwüster
TierreichBrockhaus 1882

Getreideverwüster (Cecidomyia destructor), auch Hessenfliege genannt, ein zweiflügeliges, mückenartiges Insekt von noch nicht 2 mm Länge mit schwarzem Körper, grauen, kurzbehaarten und gewimperten Flügeln und langen, dünnen Beinen. Die sehr kleine Made (Larve) dieses Insekts war in Nordamerika schon im 18. Jahrh. wegen der von ihr in Weizen- und Roggenfeldern angerichteten Verwüstungen berüchtigt. Später hat dieses Insekt auch in einigen Gegenden Deutschlands großen Schaden gestiftet. Die aus den Eiern gekommenen Maden siedeln sich zwischen Halm und Blattscheide entweder dicht uber dem Wurzelhalse oder unmittelbar über den untersten Helmknoten an und töten oder beschädigen das von ihnen bewohnte Getreide durch das Aufsaugen des Zellsaftes. Bei günstiger Witterung sterben die befallenen, in voller Vegetation stehenden Pflanzen zwar nicht ab, aber die Halme werden an der Stelle, wo die Made schmarotzt, so brüchig, daß sie von Wind und Regen umgeknickt werden und somit für die Ernte verloren sind. Der G. tritt jährlich in zwei Generationen auf. Im September schwärmen die Mücken der Sommergeneration und erzeugen bald darauf ihre Brut, welche auf dem Saatfelde überwintert und im April und Mai eine neue Generation hervorbringt. Die Existenz derselben ist vorzugsweise durch die aus ausgefallenem Samen erwachsene Gerste bedingt, weshalb diese von Mitte Oktober bis Mitte April untergepflügt werden sollte. Den Namen Hessenfliege hat man diesem Insekt deshalb gegeben, weil es von den in engl. Solde gegen die aufständischen Nordamerikaner kämpfenden und in ihre Heimat zurückkehrenden Hessen verschleppt worden sein soll.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 932Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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