FeedBiesfliegen
TierreichBrockhaus 1882

Biesfliegen, auch Dasselfliegen (Oestrida), eine merkwürdige Familie der zweiflügeligen Insekten oder Dipteren, die sich durch ihre schmarotzende Lebensweise im Larvenzustande auszeichnet. Die vollkommenen Fliegen haben kleine, dreiliederige Fühlhörner und —— verschiedene Gestalt, odaß die einen kleinen Erdhummeln, die andern Bremsen ähnlich sehen. Sie sind dadurch merkwürdig, daß sie keinen Rüssel besitzen und Mand keine Nahrung zu sich nehmen können, da der Mund vollkommen geschlossen ist. Auch leben sie nur der Fortlchen B. und nur wenige Tage. Die hummelähnichen B. (Cuterebra, Hypoderma) leben als Larven vorzugsweise in der äußern Haut des Aueuhöblen der Hirsche, Rehe, Renntiere oder in den Stirnhöhlen der Schafe (Cephalomyia). Die Larve oder Made kriecht aus dem an den Haaren angeklebten Ei aus, bohrt sich meist in die Haut des Rückens ein und verursacht dort eine häßliche, große Eiterbeule, aus deren kleiner Offnung, die beständig Eiter aussickern läßt, die Larve ihr spitzes Hinterende mit zwei braunen Luftlöchern hervorstreckt. Beim Gerben der Häute bilden diese Beulen runde Löcher. Die Made drängt sich, wenn sie ausgewachsen ist, hervor und läßt sich zu Boden fallen, wo sie sich verpuppt. Die B. der Schafe, auch der Stirngrübler (Cephalomyia ovis) genannt, beurfacht nicht die Drehkrankheit, wohl aber Stockschnupfen, Schleudern und Mangel an Freßlust. Die Bremsfliegen (Gastrophilus) unterscheiden sich von den obenbeschriebenen echten B. (Oestrus) durch Stachelkränze am Leibe der Maden, die im Magen und Darm der Pferde, Maultiere und Esel leben und sich in die innere Darmhaut mit zwei Höckern am Kopfe einbohren. Die Eier werden von den Fliegen an Orte gelegt, welche das Pferd ablecken kann. Es entsteht daraus eine lange, sehr Len Tirre Larve mit zwei Haken. Diese wird von den Tieren abgeleckt und verschluckt. Im Magen bildet sich die bund Larve, kurz, dick, mit Stachelkränzen am Leibe und Haken am Kopfe, mit welchen sie sich in die Schleimhaut einbohrt. Durch ihr Blutsaugen bilden die Larven roße Blutflecken, und wenn zahlreich, können sie selbst tödliche Blutarmut erzeugen. Sind sie nach zehn Monaten ausgewachsen, so gehen sie mit dem Kote ab und verpuppen sich in der Erde. Die B. befallen nur Tiere, die zur Weide gehen. Die in der aut lebenden Maden kann man herausdrücken; die Veulen verheilen dann bald. Von den B. verschieden sind die Bremen oder Bremsen, die oft mit ihnen verwechselt werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 37Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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