FeedGewerbemuseen sind Anstalten
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Gewerbemuseen sind Anstalten, welche den Gewerbtreibenden die Hilfsmittel der Kunst und Wissenschaft leicht zugänglich zu machen und dies nicht nur durch Sammlungen von Modellen und Mustern, sondern auch durch Unterricht zu bewirken suchen. Die Tendenz ging zunächst dahin, die künstlerische Seite an der Industrie, den Geschmack im Produzenten wie Konsumenten zu heben. Später erst trat die zweite Seite, die wissens aftlichtechnologische, hervor und erschuf sich selbständige techno lus che G. Den ersten erfolgreichen Schritt Muft England durch Errichtung des Kensingtonuseums gethan. Dieses Kensington-Museum und die dritte Weltausstellung in London 1862 gab die Veranlassung zur Gründung von Kunstmuseen und Kunstgewer eschulen in Wien, Nürnberg, Berlin, Stuttgart, Dresden. Große Bedeutung erlangte das österr. Museum für Kunst und Industrie, welches die Aufgabe hat, durch Herbeischaffung der Kursewert welche Kunst und Wissenschaft den Kunstgewerben bieten, und durch Ermöglichheng der leichtern Benutzung derselben die kunstgewerbliche Thätigkeit zu fördern und vor ugsweise zur Hebung des Geschmacks in dieser Richtung beizutragen. Diesem Museum, das 1864 anfangs nur als Sammlung von Mustergegenständen mit praktischer Tendenz gegründet wurde, trat drei Jahre später eine Kunstschule zur Seite, und zu deren Unterstützung bildete sich 1869 eine Ssterreichische Gesellschaft zur Förderung der Kunstgewerbeschule, deren Zweck ist, talentvolle Zöglinge der Schule durch Erteilung von Schulstipendien, Reisestipendien und Aufträgen zu unterstützen ohne Unterschied der Nationalität, Religion u. s. w. Die erste Anregung zur Begründung eines ähnlichen Instituts fur Deutschland gebührt der Kronprinzessin von Preußen, und schon 1865 suchte Schwabe zu Berlin die Notwendigkeit eines solchen in einer Denkschrift nachzuweisen. Im Anschluß an letztere veröffentlichte derselbe die Schrift „Die örderung der Kunstindustrie in England und der tand dieser Frage in Deutschlande (Berl. 1866). Unabhängig hiervon hatten sich im berliner Handwerkerverein Bestrebungen geltend gemacht, welche im wesentlichen dasselbe Ziel im Auge hatten, und es bildete sich 1866 ein Komitee, um ein Kunst- und Gewerbemuseum in Berlin zu errichten. Vom Staate erhielt das berliner Institut, als Centralanstalt für ganz Preußen, Zuschüsse zu den Kosten und mustergültigen Arbeiten für die Sammlungen. Eine große Anzahl von Städten hat nunmehr bereits Zweigansialten nach dem Muster des Museums und nach dessen Lehrplan errichtet und ist sonst in der angedeuteten Weise mit dem Museum in Beziehung getreten, namentlich Kassel, Halle, Stettin, Eberseld, Magdeburg, Dortmund, Detmold, Nordhausen, Köln, Offenbach, Hannover, Nürnberg, Brieg, Chemnitz, Reichenbach u. a. Der preuß. Staat hat die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß er allen denjenigen preuß. Städten, in denen nach Maßgabe des aufgestellten Unterrichtsplans gewerbliche Nerhältuns en errichtet werden, einen D im Verhältnis der örtlich aufgebrachten ittel gewährt, der für den einzelnen Fall normiert wird. Nächst dem Staate haben Gemeinden, Innungen, große Fabriken die Bestrebungen des Gewerbemuseums unterstützt. In ein neues Stadium seiner Entwickelung trat das Gewerbemuseum m ( die reiche Stiftung der Stadtgemeinde Berlin (Friedrich-Wilhelm-Stiftung The die Zwecke des Deutschen Gewerbemuseums), welche demselben zur Run, aus seiner 1 ein Kapital von 100000 Thlrn. aussetzte. Die Förderung der Kunstindustrie durch G., Musterlager, Zeitschriften, Vereine und Schulen ist eine der wichtigsten Tageswiener Hiun geworden. In Esterreich sind dem wiener Museum Anstalten mit gleicher Tendenz zu Gratz, braß⸗ Reichenberg, Lemberg, Brünn, Ol-i mütz, desg eichen in Pest gefolgt, in Deutschland 6 insbesondere außer dem berliner die G. in Nürnberg, Hamburg, Düsseldorf u. a. Vgl. Semper, Der Stil in den technischen und tektonischen Künsten » (2 Bde., Frankf. a. M. 1860—63); Falke, „Die Kunst im Hauser (2. Aufl., Wien 1873), und die der und „Das Kunsthandwerke (herausg. von Bucher und Gnauth, Stuttg. 1874 fg.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 948Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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