Mörtel ist eine Mischung aus gelöschtem Kalk, Sand und Wasser, die als Bindemittel (Speise) beim Mauern und als überzug der Wandflächen (Putz, Bewurf) Verwendung findet. Der gebrannte Kalk, welchem durch das Brennen die Kohlensäure und Hydratwasser entzogen wurde, verbindet sich beim Löschen unter Hitzeentwickelung zunächst wieder mit Wasser zu Kalkhydrat und bildet, je nachdem er mehr oder weniger Wasser zur Bindung bedarf (nasses und trockenes Löschen) entweder eine Kalkmilch, die sich in der Grube durch weiteres Aufschließen zu Brei verdickt, oder er zerfällt zu Pulver und Mehl. Fette, d. h. reine kohlensaure Kalke müssen naß, magere unreine Kalke trocken gelöscht werden. Der mit einer angemessenen Menge Wassers dem Kalkbrei oder Kalkmehl zuzumischende Sand muß rein, frei von erdigen Teilen, scharfkan110 und von gleichmäßigem Korn sein. Die Mischung, deren Verhältnis bei fettem oder Weißkalk etwa 1 zu 3 Teilen Sand, bei magerm oder Graukalk 1 zu 2—2,5 Sand beträgt, muß möglichst innig erfolgen, damit alle Sandkörner mit Kalkmilch in Berührung kommen. So dargestellter M., der meist zu Mauern über der Erde Anwendung findet, heißt Luftmörtel, da er nur an der Luft oder im Trockenen gehörige Festigkeit erlangt. Die Erhärtung des Luftmörtels beruht nächst der Erstarrung des halbflüssigen M. durch Verdunstung des mechanisch beigemengten Wassers, wobei zugleich der beigemischte Sand das zu starke Schwinden verhütet, auf der durch Zutritt der kohlensäurehaltigen Luft allmählich vor sich gehenden Bildung von kohlensaurem Kalk, der in Form mikroskopisch kleiner Krystalle nicht nur die einzelnen Sandkörner unter sich, sondern mittelbar auch die Steinflächen verbindet, zwischen denen er sich befindet, und endlich auch in einer teilweisen Verbindung aufgeschlossener Kieselsäure mit Kalk und dessen Beimischungen, die jedoch erst im Laufe langen Zeitraums vor sich geht. Hierauf beruht auch die mit dem Alter des Mauerwerks zunehmende Festigkeit des M., welche oft diejenige der damit verbundenen Steine übertrifft. Gewisse Kalkarten erlangen infolge ihrer chem. Zusammensetzung durch das Brennen die Eigenschaft, im Wasser oder im Feuer zu erhärten, und heißen deshalb hydraulische Kalke, die in ihrer Anwendung Wassermörtel (hydraulischen Mörtel) geben. Es sind dies entweder natürliche oder künstliche hydraulische Kalke (Cemente) oder es sind hydraulische (cementierende) Zuschläge, welche, dem gewöhnlichen Kalkbrei beigemischt, ihm hydraulische Eigenschaften verleihen (Puzzolane, Traß, Santorinerde u. s. w.). Die Erhärtung des Wassermörtels beruht auf der Bildung eines Doppelsilikats von Kalk⸗ und Thonerde, die nur unter Gegenwart von Feuchtigkeit oder unter Wasser vor sich geht. Vgl. Heusinger von Waldegg, Die Kalk⸗, Ziegel⸗ und Röhrenbrennereiv (3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1875 —- 76).