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ReligionBau-Lexikon 1881

Kapelle, Capelle, L., I. Zethalle, Beikirche, frz. Chapelle, 1. engl. chapel, ital capella, oratorio, span. capilla. lat. capella, cappella, oratorium, sacellum Manche pflegen jede kleine Kirche Kapelle zu nennen, dies ist aber falsch. Das Wort capella, Diminutiv von cappa, kommt in Frankreich zuerst vor und soll daher entstanden sein‚ daß die fränkischen Könige die „cappa, den Mantel des St. Martin von Tours, in einem besonderen Heiligthum verehrten. K. ist daher stets nur ein gettesdienstliches Gebäude, welches lediglich zur Spezialverehrung einer Reliquie oder zum Privatgebrauch, zum Gebet etc. bestimmt ist, dessen Geistlicher (Kapellan, Kaplan) aber nicht die vollen Rechte eines Parochialen hat, d. h. bei den Protestanten keine Sakramente austheilen, bei den Katholiken keine volle Absolution geben darf. Jedenfalls entbehrt die K. das Taufbecken; im 7. Jahrhundert bedeutet es Kirche ohne Tauf⸗ u. Begräbnisstätte; später hießen gerade die Kirchlein auf Begräbnisplätzen häufig Kin. 977 kommteapella decimalis, baptismalis für Pfarrkirche vor; capella campestris, Kirche ohne Friedhof. Der Altar einer K. ist daher bei den Katholiken nicht vollgüttig geweiht und nicht mit der vollen Bekleidung versehen, auch fehlt der Beichtstuhl. In der protestantischen K. fehlen der Taufstein und die Seitenbrüstungen mit den Tüchern an den Seiten des Altarpodestes. — Unter den aus dem Mittelalter uns erhaltenen Kin könnte man folgende Klassen unterscheiden: 3) Käpellen als selbständige Gebände. I. Gurgkapelle, Schloßkapelle, Capella palatina, und je nach dem Rang des Besitzers capella regia, regalis, ducalis dominica ete. zu dem Privatgottesdienst des Burgherrn; da in den meisten Fällen wohl die Burg ziemlich wenig Raum bot, auch oft keine größere Kirche in der Nähe war, so wurden diese Kin zugleich mit als Grabkapellen benutzt und dann als Grab diente, so wurde sie auch wohl zur Kultkapelle, in der nicht nur Seelenmessen für die darin Beerdigten gelesen wurden, sondern auch andere Messen, daher Meßkapelle. Zu den Grabkapellen gehören auch die Friedhofs- oder Todtenkapellen (I. Karner), in denen allgemeine Todtenmessen gelesen wurden und die daher bes. Meßkapellen, franz. chanterie, engl. hantry heißen. — 4. Volipkapelle, zum Andenken an bestimmte Begebenheiten oder infolge von Gelübden errichtet. b) K.n als Theile von Kirchen. 1. Churmk.u, d. h. Ken in den Glockenthürmen der Kirchen, meist den Erzengeln Michael und Gabriel geweiht; nicht selten als Doppelk. n gestaltet, wo dann die untere ebenfalls, wie in anderen Doppelken, als Begräbnis gedient haben mag. Richt immer sind dieselben mit Apsiden versehen. — 2. Privatgrabt., lat. eubicnlum, oft ganz organisch mit dem übrigen Kirchenbau verbunden, oft auch höchst willkürlich daran gesetzt oder mit dem Innern der Kirche in Verbindung gebracht; dazu gehören auch die vielfach an Kirchen angebauten Grabken der Bischöfe u. Kirchenpatrone, sowie die Fürsteuh u; ailch diese stehen häufig über einer besonderen Krypta, sowie die Meßkapellen, richtiger Codtenmessenk.n (frz. chanteries, engl. chantry), namentlich in englischen Calvarienberge, heilige Gräber etc.; auch diese sind häufig später angebaut. Wo sie gleichzeitig mit den Kirchen errichtet u. daher organisch in den Plan der Kircheeingefügt find, sitzen sie theils an der Ostseite der Kreuzarme, theils zwischen den Jochen der Seitenschiffe, theils umgeben sie als Kapellenkranz (sez. bordure, lat. apsidiolae), s. Fig. 2265, die Hauptapfis, die dann zum Chevet (s. d.) wird. II. Frz. Coupelle, casse, f., engl. coupel, cupel, ital. Coppella, lat. catinus, catinum, rundes oder halbrundes Gefäß von Thon, Zinn oder anderem Metall mit nach Fig. 2264. Kapelle. engl. assay-furnace, muffle-furnace, lat. furnus catini), eines Windofens, geschieht, auf dem die Kmit ihrem oben auswärts gebogenen Rand ruht. Hierhin gehört auch die Treibkapelle, Treibscherben, lat. catillus cinereus, auch Test, franz. tete, engl. test, genannt, Vorkehrung zum Kapelliren, Abtreiben des Silbers im kleinen beim Probi⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 149Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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