FeedBaptisterium
ReligionBau-Lexikon 1881

Baptisterium, n., lat., vom griech. Gνννπιαν J. In dem vorchristlichen Bauwesen. — 1. Ursprünglich hieß so der Theil der griech. Bäder, wo warm gebadet wurde, also das Warmbadbassin, die Badewanne. — 2. Die Römer nannten baptisterium, natatio, piscina, ein zu Schwimmübungen bestimmtes Bassin, gewöhnlich rund und überbaut; in einigen römischen Thermen, z. B. in der Villa des Hadrian in Tivoli, in Pompeji etc., sind uns noch Ruinen solcher Baptisterien erhalten; s. d. Art. Bad. — II. In der christl. Kunst. Baptisterinm, n., frz. baptistère, m., engl. baptistery, lat. baptisterium, auch aula baptismatis, ecclesia baptismalis, Iumatum, colymbethra, griech. οάαρακεν ονονρνοσ (in Beziehung auf Joh. V 2—15) genannt, Taufkapelle, Taufkirche, Taufstätte.Während der ersten Christenverfolgungen wurden die Taufen ebenso wie alle anderen gottesdienstlichen Handlungen sehr im Geheimen, meist in Katakomben, begangen. In jenen Katakomben nun sind uns nur wenige Taufstätten erhalten, kleine Salt Ausweitungen der Grabstätten mit einem Quell, zu we Ichem Stufen hinaufführen, und einem Wandgemälde, die Taufe Christi darstellend. Dennoch ist die Annahme keineswegs unglaublich, daß sich die Sitte, über den Todten zu taufen, noch längere Zeiterhalten habe, bes. da einige von den erhaltenen Taufstätten bei den Gräbern aus dem 5. Jahrhundert zu sein scheinen. Die zunächst nach Konstantins Uebertritt zum Christenthum erbauten Baptisterien sind größtentheils rund, miteinem gewölbten Umgang, der durch Säulen von der Mittelkuppel getrennt ist, unter welcher ein großes vertieftes Bassin (laprum, lavacrum, colymbethra, fons baptismi, piscina) sich befindet, über welchem häufig eine goldene od. silberne Taube hing. Die Taufe der ältesten Christen geschah durch völliges Untertauchen, oft an vielen Personen zu gleicher Zeit und meist nur an Erwachsenen, bes. feierlich an den Vigilien von Ostern und Pfingsten, daher die großen Bassins mit Umgang, die Aehnlichkeit mit Schwimmteichen (s. oben unter J.), von denen auch der Name genommen ward. Die Bischöfe hatten selbst die Aufsicht über die Taufen zu führen; dadurch 22— man dahin, die Baptisterien in unmittelbarer Nähe der Kathedralen zu erbauen. Bei genauer Betrachtung weicht freilich die Form der altchrist-IBLIOTHHEK EIDELBERG O Universitatsbib lichen Baptisterien von der jener Schwimmteiche der Thermen vielfach ab; nur f gleiches war, war auch die Form ähnlich; aber man veredelte sie sehr bald, ja schon im 4. Jahrhundert gemäß der Heiligkeitdes Aktes. In der Regel sind sie von da an acht⸗ I eckig, selten rund, noch seltener vier-X eckig; meist stehen sie auf der Nordseite der Kirche, s. Fig. 146, oder auch wohl westlich; sehr selten, wie in Trier, südlich von der Kirche; fast immer aber mit derselben auf gemeinschaftlichem Vorhof, selten mit besonderem Hof ver11 EE sehen, od. auch wohl mit einem Pagani. pel des Gebäudes wird bei Mauer, bei größeren v. Sod. mehr Säulen u. Bogen getragen, hinter denen sich ein Seitenschiff ringsum zieht. In manchen ist dann, wie in dem 430 erbauten B. der ecelesia Ursiana zu Ravenna, ein bes. Stand für die Ministri u. Pathen bezeichnet. In die 8 Seiten der Umfassungsmauer sind oft auch noch 8Nischen eingelegt, die auch wohl an Stelle des Seitenschiffes eintreten, wie in Novard; bei kleineren Baptisterien ist oft blos für den Altar eine Apsis angelegt. Die Konstruktion u. Gruppirung des Innern spricht sich an dem in der Regel sehr einfach gehaltenen Aeußeren dennoch vollständig aus; die Kuppel jedoch war selten äußerlich sichtbar, vielmehr durch ein Zeltdach, tegmen turritum, zugleich bedeckt und angedeutet, wie z. B. an dem B. zu Nocera dei Pagani, Fig. 426 und 427, welches dem 7. Jahrhundert zugeschrieben wird. Die Altarapsis scheint später zu sein. Die Säulchen, welche auf der Brüstung des Bassins stehen, trugen ein Tabernakel. Dieser Typus blieb durch viele Jahrhunderte derselbe, nur die architektonischen Formen veränderten sich nach dem jedesmal herrschenden Stil, die Dekoration war bald reicher, bald einfacher; statt des einen Bassins wurden hier und da 2 für die Geschlechter gesonderte Wasserbehälter angebracht; auch die Stellung des B. zur Hauptkirche mußte sich hier und da nach lokalen Verhältnissen richten, aber an den hauptsächbliothek Heidelberg DFC lichsten Bestandtheilen änderte sich nichts, als daß das große Bassin allmählich kleiner wurde und nicht mehr so vertieft lag. Der Fußboden desselben wurde mit dem umgebenden gleich, es erhielt eine Brüstung und meist noch immer einen besonderen tabernakelartigen Ueberbau, von dessen Kuppel ein Ciborium in Gestalt einer Taube herabhing. Noch im 9. Jahrh. wurde aus dem Badstein ein Taufstein (s. d.); damit aber war dem ganzen Dasein der Baptisterien ein Stoß gegeben. Noch fristeten sie zwar ihr Leben; noch wurden, selbst in Deutschland, vielfach runde und polygone Taufkapellen neben die größeren Kirchen gesetzt, die uns auch noch hier und da erhalten sind; aber schon im 10. Jahrh. begann man in Deutschland die Taufsteine in die Kirche selbst, und zwar nach kirchlicher Vorschrift auf die Evangelienseite, in der Nähe des nördlichen Einganges, zu setzen, umschloß aber meist den Taufstein entweder durch ein Tabernakel auf Säulen, oder doch mindestens durch hohe Gitter. Nur in Italien blieb man der alten Sitte noch lange treu, und noch aus dem 15. Jahrh. giebt es Baptisterien in Italien, welche ganz die alte Disposition haben und nur in der stilistischen Durchbildung eine Abänderung zeigen. Während die Katholiken seit dem Mittelalter noch jene Vorschrift befolgen, hat man in der evangelischen Kirche erst in allerneuester Zeit angefangen, der Stellung des Taufsteins, der seit dem 16. Jahrh. geradezu als bloßes Kirchenmöbel betrachtet worden war, wieder Aufmerksamkeit zu schenken und ihn mit der Würde zu behandeln, die ihm als Werkzeug zu Ausübung eines Sakraments zukommt. Zu einer festen Norm aber, zu einer endgültigen Meinung über den ihm anzuweisenden Platz hat man noch nicht kommen können. Einige wollen ihn wieder in ein besonderes, einzeln stehendes B. placiren, Andere befürworten seine Aufstellung in einer Kapelle zur linken Seite des westlichen Haupteingangs, noch Andere wollen ihn auf den Altarplatz zwischen Gemeinde und Altar stellen. Semper schlug vor, ihn ganz auf die Ostseite der Kirche hinter den Altar zu stellen, erstens weil er da den Blick nach dem Altar nicht stört, zweitens aber und hauptsächlich aus symbolischen Gründen: im Osten bricht der Tag an, bei Anbruch des Lebenstages wird das Kind getauft. Ueber die einzelnen Gestaltungen der Baptisterien s. übr. die die einzelnen Stile betr. Artikel.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 1, S. 254Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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