karolingische Bauweise, k. frz. architecture carlovingienne, carolingienne, style gallo-romain, renaissamce sous Oharlemagne, engl. carlovingian architecturèe. Karolingerstil nennen Viele die von Karl d. Gr. bis gegen Ende des 10. Jahrh. in den germanischen Landen des Frankenreichs herrschende Phase des frühromanischen Stils. Während die Merovingerdynastie ihrem Untergang entgegenschwankte, fanken die kaum geweckten Künste tief. Als Karls mächtige Hand das Scepter ergriffen hatte, wendete er auch der Kunst sein Augenmerk zu, und schöpfte aus allen ihm zugänglichen Quellen die Hülfsmittel zu ihrer Hebung; die Reste der römischen Kultur, die lateinischen Basilikenbauten, die Ostgothenbauten Ravenna's u. die Longobardenbauten von Mailand, Brescia etc. lernte er durch eigene Anschauung kennen, zum Theil noch bevor er zur Regierung gelangte. — Aachen, wo schon Pipin Palast u. Kapelle besessen, wurde zum Schauplatz regster Kunstthätigkeit, wobei die Vorliebe für Archäologie zu Belegung mit Beinamen führte; so hieß der Dichter Angilbert, dessen Schilderung der Bauthätigkeit sich erhalten hat, Homer, Einhard (geb. 770, + 844), der quasi Intendant der kaiserlichen Bauten war, Bezalael etc. Als exac-Fig. 2286. tor operum regalium in 5 — sonders aber zweitens, weil der W . Grundriß mehr Aehnlichkeit mit dem longobardischen alten Dom von Breseia als mit S. Vitale hat, so blieb doch beim Aufbau des Aachener siothe Heidelberg fluß, indem die 801 aus dem Palast des Theoderich in 2 Ravenna herbeigeschleppten Säulen in den oberen Ar-v kaden eingesetzt wurden; vermuthlich stammen auch die n Kapitäle, Fig. 2286, aus Ravenna, während die Füße, 2 Fig. 2285, an Ort u. Stelle gearbeitet sein mögen, da sie d longobardisch sind. — Die Bronzegitter der Emporen, die e Erzthüren etc. mögen von Ansigis sein. Karls des Großen persönlicher Antheil am Entwurf läßt sich nicht feststellen; der Einwurf gegen Annahme solchen Antheils, daß er nicht einmal habe schreiben können, ist nicht stichhaltig, denn wir wissen von ziemlich bedeutenden Architekten dieser und der nächstfolgenden Zeit, daß sie nicht schreiben konnten. Die ravennatischen Säulen, nur dekorativ, ja ziemlich unorganisch dem beinahe fertigen Bau eingefügt, konnten ohne Schaden für dessen Haltbarkeit 1794 von den Franzosen geraubt und nach Paris geschleppt werden, von wo sie 1815 zurückkamen; 1844 sind sie wieder eingesetzt. Der Kuppeltambour hat äußerlich Eckpilaster mit korinthisirenden, an Aquitanien erinnernden Kapitälen, welche ursprünglich das Hauptgesims trugen, jetzt, da später eine Zwerggallerie aufgesetzt ward, nur als Streben erscheinen. Die Gewölbe der Emporen steigen nach dem Mittelbau hin stark an. Alles bekundet hohe Kühnheit in der Idee, Vertrautheit mit den statischen Gesetzen, infolge dessen muthiges Losreißen von der römischen Technik, die bisher in der Gegend üblich gewesen war, aber Mangel an geübten Arbeitern zu Durchführung dieser Ideen und eine gewisse Gleichgiltigkeit gegen Entwickelung des vielmehr als rein schmückende Zuthat betrachteten IOrnaments aus der Konstruktion, daher bereitwillige Benutzung herzugeschleppter alter Theile, und Verwendung neuer, nach Belieben der Gewerke, die aus allen Ländern diesseit des Meeres (ex omnibus regionis eismarinis) zusammengeholt wurden, geformte Theile ohne alles Bedenken über die heterogenen Formen dieser Theile. Daß nicht blos Meister Odo und Ansigis hieran keinen Anstoß nahmen, geht daraus hervor, daß Angilbert vom Münster spricht als von dem wundervollen Tempel des ewigen Königs, der mit kunstgerecht bearbeiteten Mauern bis zu den Gestirnen emporsteige. Karl baute ferner Paläste (Pfalzen) zu Aachen, Nymwegen, Trier, Waltorf, Salz, Worms, Ingelheim, letzteren mit hundert Säulen und vielen Malereien. 799 wurde das Baptisterium zu Nymwegen, jetzt Kapelle auf dem Valkhof gen., erbaut. Hier kommt HEIDELBERE O Universitäts decke, doch sind die Spuren der Kuppel erkennbar; später erfolgte noch eine Sothisirung. — Nachahmungen des nitt. Fig. 2289. Grundriß. u Nymwegen. westliche Kuppel u. Chornische der Stiftskirche zu Essen, 874 zerstört, um 950 nach einem Brand restaurirt, die Johanneskirche Notkers zu Lüttich (981), die Kirche zu templo similitudinem sumens, erbaut, 1245 erstürmt, 1852 burghaft restaurirt; die Walpurgiskirche zu Gröningen bei Leuwarden, 1627 zerstört, ferner verspätet die Kirche zu Ottmarsheim im Elsaß (um 1050) und die zu Lonnig bei Kobern (um 1144). Zu Karls Lebzeiten ist die Kirche zu S. Germigny les Pres (Departement Loiret) erbaut, ein Quadrat mit fünf Kuppeln und drei Apsiden, also völlig byzantinische Anlage. 822 geweiht ist die unter Abt Eigil von dem Mönch Rocholf und Rabanus Maurus erbaute Michaeliskirche zu Fulda, ein Rundbau, dessen Mittelraum auf 8 Säulen mit kompositen Sbibliothe Heidelberg Kapitälen ruht, während das Gewölbe der Krypta a eine Mittelsäule mit ionischem Kapitäl sich stützt. Au hier lehnt die Formgebung an die longobardische Doch auch Bafiliken wurden gebaut, z. B. die Salvator kirche in Fulda, welche 802 noch einen Westchor erhielt die 809 geweihte Marienkirche auf dem Frauenberg, di mit Kreuzschiff und ähnlicher Vorhalle versehene Hauptkirche der 793—814 von Angilbert erbauten Abtei Cen-DELBERG O Universitätst muf tula (St. Riquier) in der Picardie, die Einhardsbastlika zu Michelstadt und Seligenstadt (um 825). Der Bauriß von St. Gallen vom Jahre 820 (s. im Art. Kloster) giebt Avignon. Fig. 2292. direkte Anschauung antiker Vorbilder schließen lassen möchte. Stärker tritt diese Anlehnung an die Antike hervor in einigen gleichzeitigen Bauten Aquitaniens, z. B. in der zwischen 820 und 890 entstandenen Vorhalle von Notre Dame des Domns zu Avignon; s. Fig. 2291 u. 2292. Die älteren Theile der Pfeilerbasilika von S. Martin zu Angers (819)mit ihren Wechselschichten von Tuff⸗ u. Backstein, die Kirche von S. Generoux im Poitou (Fig. 2293— 2294) mit niedrigen Rundpfeilern unter beinahe völliger Beibehaltung der merovingischen Weise, sowie die älteren Theile der Kirche von Romainmotier in der Schweiz bezeugen, daß die Einzelformationen zwar zum Theil in den verschiedenen Provinzen des weiten Reiches einigermaßen von einander abweichen, daß aber gewisse Hauptzüge allen betreffenden Bauten gemeinsam sind. Diese Hauptzüge sind: 1. Der Rundbogen herrscht vor, erscheint anfangs ziemlich stark gestelzt, was aber bald'sich vermindert, u. nicht mehr mit architravirter Gliederung, sondern nur mit Rundstab und Plättchen od. dergl. eingefaßt, auch wohl an der Intradosecke mit eingefalztem Rundstab versehen. Ein etwas gedrückter Bogen kommt hier u da vor, scheitrechte Ueberdeckung ziemlich selten. Die der angelsächsischen Art gleichende Ueberdeckung durch sog. Giebelbögen ist sehr beliebt. 2. Die Säulen hoben Verjüngung ohne Entasis, Kanälirungen, im Anfang noch oft angewendet, kommen allmählich in Wegfall, die Schüfte werden dann glatt bearbeitet, erhalten aber mehr Halsglieder, welche das Zusammenfassen der tragenden Kraft stärker scharakterisiren. An Stelle der Säulen treten hier und da gemauerte Rundsäulen. 3. Die Kapitäle sind anfänglich in longobardischer Weise der Antike nachgebildet, später theils niedrige Würfelkapitäle mit noch nicht lothrecht stehenden, sondern nach unten eingezogenen Seitenflächen (Schildern), die auch von der Abrundung noch nicht scharf abgesetzt sind, theils Trapezkapitäle, theils auch abgestutzte Pyramiden mit sehr reich durchbrochener Ornamentirung. Die Füße erhalten etwas aufstrebenderen Charakter, aber eckigere und zum Theil ziemlich plumpe Profilirung. 4. Die Kämpferwürfel werden niedriger als bei den Ostgothen, oft nur als stark ausladende Platten mit bedeutender Abschrägung nach unten oder als sehr straffer Karnies gebildet, dann auch mit Netzwerk, Zickzack od. dergl. in flachem Relief verziert Als Begleitungsglied kommt ein kleiner, sehr stark geschwungener Karnies oder ein Viertelstab vor. 5. Der byzantinische Einfluß, vermeuthlich bes. durch die Longobarden vermittelt, zeigt sich im Anfang der Periode im Osten und Norden des Reichs stärker ole im Westen, wo er gegen Ende des 10. Jahrh. bes. von Péerigueux aus wirkt. Die Kuppeln bekommen einen Tambour mit kleinen Fenstern. 6. Neben der polychromen Mauerverzierung durch Mosaik, die man im Nothfall durch Verwendung verschiedenfarbiger oder verschieden geformter Bausteine erzeugte, tritt die Wandmalerei auf. Die Mosaiks der Fußböden werden größer in ihren Theilen, gemusterter Ziegelfußboden fängt an vorzukommen. 7. Die sichtbare Dachkonstruttion wird oft und gern durch Balkendecke ersetzt. 8. Die in den Ornamenten angebrachten symbolischen Figuren, von den Longobarden übernommen, werden ornamental phantastisch zugestutzt, auch häufig als mit den Ornamenten selbst verwachsen dargestellt. — Wenn man so die Karolingerbauweise eine Weiterentwickelung der merovingisch-fränkischen unter Zuhülfenahme longobardischer sowie ostgothischer re. Elemente nennen könnte, die sich zur Vorstufe und weiterhin zum Zweig des frühromanischen Stils abrundet, so könnte man gewissermaßen die angelsächsische und die irische Bauweise Abzweigungen der karolingischen nennen. Karpholith, m. Miner.), enthält 26,, Th. Thonerde, 37/6 Th. Kiesel, 17 Th. Manganoxyd, 5, Th. Eisenoxyd u. 11 Th. Wasser. Wenn man dieses Gemenge künstlich erzeugt, erhält man einen ausgezeichneten hydraulischen Mörtel. KNarpo, s. d. Art. Horen. Aarraghenmoss, n., Wurmmoos oder isländisches Moos, frz. Carraghène, f., engl. carrigeen-moos, ist ein Gemenge mehrerer Seetange (Fam Algen), vorzugsweise solcher, die eine gelblichweiße Farbe u. beim Aufweichen im Wasser eine schleimige, gallertartige Beschaffenheit haben, z. B. Phlebotamnion versicolor, Echinoceras eiliatum, diaphanum, bes. aber Perlmoos, kucus u. ris-Pus, frz. Chondre crispé. Es wird als Zusatz zu Leim benutzt und kommt von den Küsten der Nordsee. Fig. 229 St. Generoux, Apsisansicht.