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ReligionBau-Lexikon 1881

Kirchenvorstände in einer asketischen Auffassung des Christenthums, also in Abweichung von Luthers freudiger Gottesanschauung, wünschen und wie leider sehr viele Architekten empfehlen, schmutzig braune, graue, fahle oder gar, wie ebenfalls manche Geistliche im Einklang mit ihrer theologischen Anschauung und Predigtweise wünschen, moderne süßliche, kraftlose, gebrochene Töne. Moderne Konstruktionen kann man anwenden, verstecke sie aber nicht durch die Dekoration, sondern markire sie durch dieselbe. ) Die reformirten (calvinistischen) Kircheneinrichtungen sind den protestantischen sehr ähnlich; jedoch sei aller Schmuck gänzlich vermieden. Der Altartisch hat keinen Ueberbau, sondern ist eben blos ein Abendmahlstisch; im Osten von ihm ist der Sitz für den Geistlichen, eine Art Katheder. Die Kanzel ist in der Regel gerade darüber. Der Taufstein hat keine feste Stelle. ) Herrnhuter Kircheneinrichtungen. Die Einfachheit ist fast wie bei e, die Trennung der Geschlechter aber so streng wie bei der griechisch-katholischen K. g9g) Die anglikanischen Kircheneinrichtungen gleichen in Bezug auf die Predigtkirche ziemlich den protestantischen; nur müssen sämtliche Kirchenstühle Kniebänke erhalten. Die ziemlich niedrige Kanzel kann am südlichen Eckpfeiler des Altarplatzes stehen und kommt dann an den nördlichen ö Eckpfeiler der Sitz für den Priester mit einem Pult; die Westschranke des Altarplatzes dient als Kommunionsschranke, etwas hinter ihr, etwa auf der Mitte des Altarplatzes, steht das Epistelpult, der Altarpodest bekommt keine Seitenschranken, sondern Stufen nach drei Seiten; der tischförmige Altar hat keinen Ueberbau oder Aufbau. Die Orgel steht am liebsten nördlich am Altarplatz, kann aber auch am Westende stehen. Ein besonderer Platz für die Sänger ist nöthig. h) Ueber die dentschhatholischen, irvingianischen, quähe. rischen etc. Kircheneinrichtungen ist nicht viel zu sagen, da sie zum Theil zwischen katholischen u. protestantischen mitten inne stehen, zum Theil noch nicht zu einem festen Typus gelangt sind. i) Ueber die Gotteshäuser der Nichtchristen s. d. Art. Synagoge, Moschee, Tempel, Pagode etc. E. Wahl des Stils. Was nun die Wahl eines der schon vorhandenen Stile bei Erbauung neuer Ken betrifft, so ist in Art. Architektur u. Baustil bereits ausgesprochen, daß das direkte Kopiren schon verblichener Stile eigentlich nicht nöthig ist, jedenfalls aber bei weitem leichter als das Neuerfinden; nur hüte man sich sorgfältig vor Befolgung eines nichtchristlichen Stils, dahin ist auch die auf direkte Kopirung antik-römischer Formen gegründete Art der Renaissance zu rechnen. Unwürdig einer Kirche ist der Rokokostil; es stehen ja wirklich christliche Stile genug zur Verfügung; ebenso sorgfältig aber, wie vor falscher Auswahl unter den Stilen der Vergangenheit, hüte man sich davor, daß man in der Absicht, selbständig, ohne Befolgung eines der vorhandenen Stile zu arbeiten, in den allergrößten Fehler verfalle, nämlich in den, ein Sammelsurium aus Formen verschiedenerStile zusammenzustellen. Ebenso hüte man sich, Formen profaner Gebäude auf Kin anwenden zu wollen. F. Neueinrichtung alter Kirchen. Darüber vgl. das Nöthige in dem Art. Restaurirung. Gem äß dem dort Gesagten wird man bei Neueinrichtung alter Kirchengebäude, namentlich für eine andere Konfession, als für welche sie gebaut sind, nicht immer allesub Ogegebene Anforderungen zu erfüllen vermögen, wenn man dem alten Gebäude gegenüber die schuldige Pietät üben will. Inwieweit hier dieser Pietät od. den liturgischen Anforderungen der neuen Bestimmung Rechnung zu tragen ist, das muß dem Taktgefühl des betreffenden Architekten überlassen bleiben.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 182Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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