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NaturlehreBau-Lexikon 1881

Lehm, Lehmen, Leimen, m., franz. Iimon, m., terre f. grasse, terre limoneuse, terre franche, engl. Ioam, mud, clay, lat. limus, mittelalterlich-deutsch Dahe, auch Dwo, Dwoog, mit Quarzsand, auch mit Kalk innig gemengter Thon, durch eine ziemliche Menge Eisenoxyd gefärbt; findet sich in angeschwemmtem Land, auch in Thälern und Mulden des Hügellandes als Ergebnis früherer Anschwemmungen bis zu beträchtlicher Mächtigkeit, von oft 10—30 m. Der L.geht durch Zurücktreten der sandigen und kalkigen Bestandtheile in Töpferthon über. Die Färbung ist ziemlich gleichgültig; mehr Berücksichtigung verlangt das Mischungsverhältnis, wonach er sich in fetten u. magern scheidet. Im Bauwesen findet der L. manchfache Verwendung: 1. Als Surrogat des Kalkes, s. d. Art. Lehmmörtel; nur da zu empfehlen, wo wenig Nässe hingelangt. 2. Zu ganzen Mauern; verderben sehr schnell durch Frost u. Regen. 3. Mit Stroh⸗ od. Flachsscheben, Angen (s. d.) oder dergl. vermengt als Strohlehm (s. d.) ist der L., zu Wellerwänden, Stampf⸗ oder Piseebau (f. d. betr. Art.) verwendet, eines der besten unter den billigen Baumaterialien. 4. Zu Abtünchung der Stubenwände, welche mit Mineralfarben angestrichen oder gemalt werden. Der hierzu bestimmte L. muß mittelmäßig fett und mit etwas Thon vermischt sein. Man weicht in einem Kalklöschkasten eine Quantität von gedachtem L. ein, läßt ihn gehörig ausquellen, arbeitet ihn mit einer breiten Kalkhacke richtig durch, nimmt die größeren vorkommenden Steine heraus, rührt ihn dann zu einem dünnen Brei mit Wasser gut durch einander, setzt neben den Lehmkasten einen andern großen Kasten, legt darüber ein feines Sandsieb u. gießt den Lehmbrei mittels einer hölzernen Hohlschaufel auf das Sieb, so daß er in den Kasten fließt, während der grobe Sand und die Steinkörner liegen bleiben; den auf diese Art gereinigten L. läßt man einige Tage in dem Kasten stehen, bis er ausquillt, worauf er als Lehmmörtel zum Tünchen, mit der Hälfte durchgesiebter Flachsschebe u. etwas Kälberhären vermischt, verwendet werden kann. 5. Zum Verstreichen der Fugen auf den Fehlböden. 6. Zu Stakwänden: s. d. Art. Ausstaken und Bleichwand. 7. Zu Herstellung verschiedener Aestriche; s. d. Art. Aestrich, Dreschtenne re. 8. Zur Ziegelfabrikation (s. d.). Der hierzu bestimmte L. muß plastisch sein, d. h. mit Wasser gut geknetet einen Teig bilden, der Eindrücke gut annimmt, dabei nicht reißt oder springt. Er darf weder zu fett noch zu mager sein und vor allem keine vegetabilischen Stoffe enthalten. Thut man zu der Lehmmasse ein wenig Eisenoxyd, so erhält man nach dem Brennen sehr schön rothe Ziegel. 9. Zur Vermauerung von Feuerungen in Gestalt ungebrannter Lehmsteine. 10. Zur Dachdeckung; s. d. Lehmschindel. 11. Zu Anstrich gegen die Gefahr der Entzündung, s. Anstrich B. I. 30.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 274Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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