löslich ist, was bei Knochenleim nicht der Fall ist. Im gewöhnlichen Gewerbsleben wird dieser Unterschied wenig berücksichtigt, sondern folgende Arten angenommen: I. Flechsenleim. Die Rohstoffe werden in Gruben unter Zusatz von Kalkmilch gebracht. Nach /½ —2 Monaten, während welcher die Kalkmilch oder die statt deren angewendete Aetzlauge aus 2Gewichtstheilen kalzinirter Soda mit 3 Gewichtsth. Aetzkalk, oder aus Asche u. Kalk mehrmals erneuert wird, wird das Leimgut, frz. Colles-matieres, ausgewaschen, am besten, indem man es in Weidenkörben unter fließendes Wasser bringt. Nacheinigen Tagen wird das Leimgut im Freien ausgebreitet od. in Trockenräumen völlig getrocknet. Nun wird in den mittleren Kessel des Leimsiedeapparats (s. Fig. 2477) ein duürchlöcherter Boden von Kupfer eingesetzt, eine Lage Stroh gleichmäßig darüber gebreitet, der Kessel mit Leimgut gefüllt u. Flußwasser aus dem oberen Kessel, der als Wasserbehälter und Vorwärmer dient, zugelassen, bis es etwa in der Hälfte der Kesselhöhe steht. Dann drückt man das Leimgut möglichst zusammen und entzündet das Feuer. Wenn sich Dämpfe zeigen, deckt man zu. Nach zweistündigem Kochen wird die flüssige Gallerte durch den Hahn in den unteren Kessel gelassen und nun unter diesem Feuer entzündet, um die Masse gehörig zu verdichten, worauf sie durch das Abzugsrohr in die Formen oder Abkühlungskästen abgezapft wird, nachdem man sie nach Bedarf durch einen Zusatz von 1—2 Pfd. Alaun oder 2 Pfd. Borax und ½ Pfd. Potasche auf 100 Pfd. L. geklärt, auch wohl durch gestoßene Soda gelb, oder durch Bleizucker, Zink, Vitriol etc. weiß gefärbt hat. Die Formkästen haben beliebige Gestalt und Größe; ist der L. in ihnen hinlänglich erstarrt, so wird er mit angefeuchteter Hand ringsum von den Kästen gelöst, herausgenommen und an einem kühlen Ort, mit angefeuchtetem Messer oder mittels einer Säge, die statt des Blatts einen Messingdraht hat, geschnitten. Die Scheiben werden dann hek Heidelberg auf Trockenherden im Schatten im Trockenschuppen getrocknet. — 2. Pergameutleim, namentlich für Leimfarben 4 angewendet. Haut, Leder u. Pergament werden in Kalk-I äscher gelegt, getrocknet, in Wasser unter Abschäumen des g Fettes gesotten, durch einen mit Stroh gefütterten Korb geseiht und dann in kleine Gefäße gethan; ist die Flüssig-9 keit in diesen zu Gallerte geronnen, so werden diese Gallertstücke mit einer Metallsaite in dünne Scheiben geschnitten Und diese auf Netzen oder Horden an einem schattigen Ort getrocknet. Je heller der L., desto besser. — 3.Knochenleim.e Die vorher von ihren fettigen Substanzen befreiten Knochen werden in Salzsäure macerirt, die mit doppelt so viel kaltem Wasser dem Maß nach verdünnt worden. Ist der phosphorsaure u. kohlensaure Kalk der Knochen auf diese Weisef! beseitigt, so wäscht man die Gallerte mit reinem Wasser so lange, bis sämtliche Säure beseitigt ist, thut sie dann in einen papinianischen Topf mit Sicherheitsventil, mit einer gehörigen Quantität Wasser, und erwärmt sie ohne Umrühren höchstens bis 75° R. Wenn sie sich vollkommen aufgelöst hat, gießt man die Flüssigkeit in Formen, schneidet die Gallerte, welche nach dem Erkalten steif geworden, zu Stangen und trocknet sie. Man erhält aus 5 Pfd. Knochen und eben so viel Salzsäure 1 Pfd. orangegelben, trockenen, harten, spröden L.; dieser ist leichter als der aus Häuten, zieht wenig Feuchtigkeit an und bindet schnell Und dicht. II. Leimsorten, die im Handel vorkommen. 1. Weißer, durchscheinender L. (grenétine, nach dem Fabrikanten Grenet in Rouen benannt), aus den Häuten junger Thiere u. aus ungetrockneten Kalbsknörpeln gewonnen, kommt in ganz dünnen Blättern in den Handel. Diese Blätter sind biegsam und glänzend. Er dient besonders zur Appretur weißer Gewebe und zu kulinarischen Zwecken. — 2. Herzogsleim (colle de duché), wenig gefärbt, fest, von sehnigem Bruch, brauchbar für Buchbinder, Zimmerleute, Kunsttischler etc. — 3. Knochenleim od. Gelatine, durchExtraktion der Knochen mittels Salzsäure gewonnen; dient zur Appretur von Stoffen, zum Leimen des Papiers, zur Bereitung von Steinpappe (durch Einrührung mit Gips etc.). — 4. Klandrischer K., frz. co¹le de Flandre, engl. Flanders glue, blaßgelb, sehr dünn, ziemlich durchsichtig, dient besonders zu Temperamalerei. — 5. hHolländischer L., frz. e. de Kollande, engl. Dutch glue, ähnlich, aber von schönerer Farbe, dient ebenfalls zu Bereitung von Leimfarben. — 6. Englischer L., etwas dunkler und trüber, in ziemlich dicken Blättern. — 7. L. von Givet, durchsichtig, röthlich, zerbrechlich, sehr billig, in kaltem Wasser fast ganz löslich, darf nicht zu lange im Wasser gekocht werden. — 8. Pariser oder Hutmacherleim, braun, undurchsichtig, fast immer feucht und weich, die schlechteste Leimsorte. — 9. Wannenleim, ein Tischlerleim, verdirbt im Sommer leicht, wenn man ihm nicht etwas Alaun zusetzt. — 10. Kblner L.engl. Cologneglue, sehr beliebt bei den Tischlern. — 11. Mundleim, Präparat von Knochengallerte, Citronenöl und Zucker. III. Praktische Vorschriften, Verwendung des L.s zu verschiedenen Zwecken und Bereitung einiger Leimsorten betreffend. 1. Russischer Dampfleim, nach Fehling, bleibt lange flüssig. 100 Pfd. Kölner L. weicht man in 100 bis 112 Pfd. warmen Wassers auf u. setzt 5—6 Pfd. einfaches Scheidewasser u. 6 Pfd. pulverisirtes schwefelsaures Bleioxyd 3zu. — 2. Einen guten Cischlerleim erhält man durch