Feedpoliren
Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

poliren, trs. Z., frz. polir, engl. to polish. Blos dichte Körper, wie Metalle, Horn, Glas, einige Steine u. Hölzer, können polirt, d. h. bis zur annähernden vollständigen Ebnung, spiegelglatt geglättet werden. 1. P. der Metalle, frz. auch brunir, engl. to burnish. a) Bleche und daraus gefertigte Wären polirt man meist durch Schlagen mit dem Polirhammer oder Glänzhammer, einem Hammer mit polirter Bahn. b) Eisen u. Stahl polirt man mit Schmirgel und Baumöl, mitunter auch mit zerstoßenem Blutstein od. mit Zinnasche und Wasser, od. auch nur durch Reiben mit dem Polirstahl. e) Silber schleiftman zuerst mitBimsstein, dann mit Kohle von weichem Holz und mit Tripel, zuletzt mit in Regenwasser gelöster venetianischer Seife. d) Um Kupfer mit dem Hammer gut zu poliren, beizt man es vorher mit Essig und Salz. e) Messing polirt man mit Baumöl u. feinem Formsand od. Tripel. k) P. von messingenen, in Holz eingelegten Verzierungen. Mit einer feinen Feile feile man zuerst die messingenen Verzierungen ganz blank, vermische dann Leinöl mit etwas ganz feinem Tripel und schleife damit die Arbeit mit einem Stück Filz. Bei Ebenholz oder schwarzem Rosenholz schleife man nach dem Tripelschliff ganz trocken mit ganz fein gepulverter Hollunderkohle nach. — 2. P. der Steine. Es lassen sich nur dichte Steine p., z. B. Basalt, feinkörniger Granit, dichter thek Heidelberg des Hornes. a) Dies geschieht zuerst durch Abschachteln mit Schachtelhalm, dann durch Reiben mit gepulvertem Bimsstein und Tripel oder auch mit Kreide und gelöschtem Kalk, und zuletzt mit Baumöl. b) Horn und Schildkrot polirt man mittels Tuchballen mit Holzkohle od. Ziegelmehl u. Wasser, dann mit trockener, geschlämmter Kreide, zuletzt mit Weinessig und Tripel. — 4. P. des Holzes Eine Art des P.s für ordinäre Holzarbeit ist das Bohnen (s. d.); feinere Holzarbeiten werden mit Polirwachs oder Politur (s. d.) gerieben, welches mehr Glanz und Glätte giebt als Lack, jedoch viel Arbeit erfordert. Horn und Holz wird vor dem P. mit Schachtelhalm abgerieben (geschachtelt). — 5. Manche Polirverfahren lassen sich auf verschiedene Materialien anwenden; wir geben hier eine Anzahl von Vorschriften dazu: a) P. von Holz u. Marmor. Man pulvere 2½ Unzen Weingeist, 1 Drachme Elemi, ½ Unzeorangegelben Schellack, vermische sie mit Weingeist, tauche ein baumwollenes Bällchen oder ein Filzstückchen hinein und reibe die zu polirenden Flächen damit, bis der gewünschte Glanz erreicht ist. b) P. der Drechslerarbeiten in Holz, Horn etc. Da diese Arbeiten vor der Spindel polirt werden, so erfordern sie besondere Handgriffe und Vorsicht. Man schleift die zu polirenden Flächen erst mit Schachtelhalm und Wasser; hierauf, sobald sie getrocknet, welches man durch Anhalten von feinen Drechslerspänen u. durch schnelles Drehen zu befördern sucht, mit geschlämmtem Bimsstein u. Oel mittels eines wollenen Lappens. Feine Stäbchen u. Hohlkehlen schleift man mit kleinen, weichen, nach der Form des zu polirenden Gegenstandes geschnittenen Bimssteinstücken, weil sie durch den geschlämmten Bimsstein leicht die scharfen Kanten verlieren; dann nimmt man das überschüssige Oel durch trocknende Substanzen, 3. B. gebranntes Hirschhorn oder Tripel, weg u. trägt die Politur mit dem zugerichteten Polirpolster auf. Da die Stücken, vor der Spindel polirt, sich leicht erhitzen, so muß man mit dem Polirpolster hin u. her fahren, weil sonst die Politur erweicht und abgerieben wird; nachdem genug Politur aufgetragen ist, legtman Daumen od. Zeigefinger der linken Hand an die untere Seite des auf der Spindel sitzenden Gegenstandes, während man mit der rechten Hand das Polirpolster aufhält. ) P. von Elfenbein und Knochen. Man reibt dergleichen Gegenstände erst mit feinem Glaspapier, dann mit einem nassen leinenen oder wollenen Lappen, der in geschlämmten Bimsstein getaucht ist, ab, worauf sie mit geschlämmter Kreide u. Wasser die eigentliche Politur erhalten; man reinigt sie dazu sorgfältig u. bringt sie auf einen andern, mit Seifensod benetzten Lappen, der sehr rein, besonders von ritzenden Substanzen frei sei. Gegliederte Arbeit wird ebenso polirt wie ebene, nur nimmt man Bürsten statt der Lappen, darf auch nicht stark aufdrücken, weil sonst die hervorragenden Theile leiden. — 6. P. feiner Holzarbeiten, a) auf französische Art. Mit Bimsstein und Wasser schleife man den zu polirenden Gegenstand, doch nie gegen den Strich. Alsdann polire man mit Tripel und gesottenem Leinöl, kann auch noch Polirlack aufsetzen; b) s. d. Art. Politur 3. 4. u. 5.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 3, S. 558Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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