FeedVyse
NaturlehreBau-Lexikon 1881

Vyse, s., engl., s. v. w. vise. atsbibliothek Heidelberg I INd W. I. In der Physik bezeichnet man mit Wagewöhnlich die Grade des Wedgewoodschen Pyrometers (s. d.). — 2. In der Mechanik mitw die Winkelgeschwindigkeit eines sich drehenden Körpers. — 3. Bei Entfernungen heißt W. s. v. w. Werst. Waagbaum, Waage, wnagrecht, Waagscheit etc. s. d. Art. Wägbaum, Wage etc. Wanke, f., s. d. Art. Wuhne. Maase, f., s. d. Art. Wase, Faschine etc. Waasen, m., s. d. Art. Rasen. wächen, auch wanen, waaken geschrieben, frz. veiller, engl. to wake (Seew.), noch über dem Wasser hervorragen, von Bojen, Baken, Sandbänken etc. gesagt. Wachhaus, Wachgebände, u., Wache, f., frz. Corps m. de garde, engl. guard-house, watch-house, für den Aufenthalt der wachthabenden Mannschaft dienendes Gebäude; enthalte Aufenthaltsräume für die Mannschaft, mitSchlafpritschen versehen, für den Offizier, ferner Räume für die Arrestanten, eine bedeckte Halle zum Aufstellen der Mannschaft bei schlechtem Wetter und zum Aufhängen der Gewehre, auch wohl eine Wohnung für den Aufwärter; der Charakter des Aeußeren sei fest, ernst und streng. Wachholder, m. (Bot.), frz. genévrier, m., engl. Junipertrée, geneva (Juniperus, Fam. Nadelhölzer, Coniferae). a) Gemeiner W. (J. communis), auch Feuerbaum, Krammets, Kronwitt, Kanick, Reckholder, Jachandel, Kranzwich, Steckbaum, Düxenstaude etc. genannt; hat wohlriechendes, balsamisches Harz. Das Holzist sehr feinjährig, fest, hart, schwer, elastisch, zähe, fast unverweslich und dem Wurmfraß nicht ausgesetzt; das starke Holz wird zu Tischler⸗ und Drechslerarbeiten verwendet, läßt sich jedoch schwer bearbeiten u. reißt oft ein, weil es häufig sehr ästig und in Menge mit aromatischem Oel durchdrungen ist. Der Splint ist weißlich oder weißgrau, das reife Holz gelbröthlich oder gelbbraun, schön geadert. b) Der stinken de W. (J.sabina) od. Sadebaum, hat sehr festes, langfeinfaseriges und röthliches Holz. e) Der spanische W. (J. Oxycedrus), Wachholderceder, dem echten Cedernholz sehr ähnlich. Er ist im Gebiet des Mittelmeeres einheimisch, ward ehemals zum Anfertigen der Götterbilder und architektonischen Zierden an Tempeln bevorzugt, daher auch Götterbaum genannt. d) Der virginische W. (J. virginiana), rothe Ceder; das rothe Holz benutzt man zu Zimmertäfelungen, Fußböden, Tischen, Bleistiften etc.; es ist gleich dauerhaft in Luft, Erde und Wasser, wird von Holzwürmern nicht angegriffen, es ist karmesinröthlich, oft dunkler geflammt, im Splinte weißgelblich, feinlangfaserig, fest, dauerhaft und sehr wohlriechend. Vgl. d. Art. Ceder 7. u. Cedernholz. e) Bermudas-W. (J. Bermudiana), auch Bermudasceder genannt, auf den Bermudasinseln einheimisch, liefert röthliches, leichtes Holz, das vielfach als Cedernholz zu Bleistiften und Cigarrenkästen verarbeitet wird. Wachholderharz, u., s. d. Art. Sandarach. Wachs, n., frz. circe, f. engl. wox, ist die Bezeichnung )für eine Reihe fettartiger Körper des Thier⸗ u. Pflanzenreiches, welche aber von den eigentlichen Fetten durch ihre abweichende chemische Zusammensetzung und durch andere äußere Kennzeichen verschieden sind. — Zu den thierischen Wachsarten gehört vor allem das Bienenwachs. Das Rohwachs wird durch Auspressen des Honigs aus den Waben und durch Umschmelzen der rückständigen gelben Masse mit Wasser gewonnen. Das gelbe Bienenwachs bildet einen bedeutenden Handelsartikel; es dient als solches zur Fabrikation von Wachskerzen (Wachsstöcken), Wachsseifen für Fußböden (s. d. Art. Bohnen), zum Poliren der Möbel, „zur Lederwichse, zu Kitten und zum Glätten der Seile und Taue. Anderweite Verwendungen s. unter d. Art. Baumwachs, Glühwachs, Bossirwachs, Abdruck, Bohnen, Parkett, Fußboden, Möbel etc. — Für viele Zwecke muß das W. gebleicht werden. Außer der Naturbleiche (s. d. Art. „Bleichen) kann man auch folgendes Bleichverfahren anwenden: Man schmilzt 8 Th. gelbes W.mit 1—2 Th. Terpentinöl zusammen, gießt das Geschmolzene in Papierkapseln und setzt sie der Sonne aus. In 8 Tagen ist der Bleichprozeß vollendet. Der Terpentinölzusatz bewirkt die Ueberführung des Sauerstoffes der Luft in Ozon, welches den gelben Farbstoff schneller zerstört, als gewöhnlicher Sauerstoff. Das gelbe und weiße W. wird häufig durch Mehl, Ocher, Bleiweiß re. verfälscht, was leicht zu entdecken ist, wenn das W. mit Wasser geschmolzen wird. Außer dem Bienenwachs kommen noch andere, dem Thierreich entstammende Wachsarten im Handel vor. So das Sekretionsprodukt einer Schildlaus, unter dem Namen chinesisches W. Dieses schmilzt bei 837 u. ist in Alkohol nur wenig löslich. — Das Walrath (s. d.) schließt sich seinem ganzen Verhalten nach den obigen Wachsarten an. Von den sogen. vegetabilischen Wachsarten, Pflanzenwachs, wollen wir nur das palmwachs erwähnen, ein dem Bienenwachs sehr ähnliches W., das die Blätter gewisser Palmen bedeckt; ferner das aromatische Myricawachs od. Myrtelwachs, s. Wachsbaum; endlich das japanische W., auch Baumwachs (Cera japonica), von den Früchten verschiedener Bäume, bes. von dem japanischen Sumach (Rhus succedaneum L., Fam. Anacardiaceen). Es wird aus dem Samen jenes Baumes gewonnen u. zu Anfertigung von Kerzen benutzt. In gleicher Weise kommt auch ein vegetabilisches W. vom Rhus chinense Mill. in China; das japanische W. kommt in 100 Pfd. schweren Blöcken im Handel vor u. wird zuweilen zur Verfälschung des Bienenwachses verwendet. Dieses W. läßt sich vollständig verseifen u. bildet neben palmitinsaurem Salzauch Glyeerin, welches letztere das Bienenwachs nicht liefert. Mineralische Wachsarten sind: das Erdwachs (s. d.) und das neuerlich erst entdeckte und verwerthete Cerasin, ebenfalls aus einem Erdwachs bereitet, und in seinem ganzen Verhalten, daher auch in seiner Verwendbarkeit, beinahe dem Bienenwachs gleichstehend. Die hauptsächlichste Anwendung findet das Bienenwachs, welches zu verschiedenen Zwecken auch gefärbt verwendet wird. Um es z. B.roth zu färben, rührt man in das geschmolzene W. Krapplack od. Zinnober ein; blau färbt man mit Ultramarin, schwarz mit gebranntem Elsenbein, grün mit Grünspan, gelb mit chromsaurem Blei, weiß mit neutralem kohlensauren Bleioxyd, das man, mit Terpentinöl feingerieben, dem geschmolzenen W. zusetzt. Zur Ergänzung geben wir hier noch ein Verfahren, W. zum Abreiben der Möbel zu fertigen. Man schabe 4 Unzen W. und setze so viel Terpentingeist hinzu, daß es durchnäßt wird, sowie auch 73. Unze Harz od. Kolophonium. Ist Alles bis zur Konsistenz eines Teiges aufgelöst, so setze man z. B. zur Erreichung der Mahagonifarbe indianisches Roth zu u. rühre Alles gut zum Gebrauch unter einander; s. übrigens Wichsen. Wachsabdruck, m., s. d. Art. Abdruck. Wachsamkeit, k., allegorisch dargestellt, hat als Attribut einen Pfau oder auch einen Kranich, der in der Kralle einen Stein hält; Symbol der W. in der christlichen Kunst ist der Hahn. Wachsbonk, k., 1. frz. table à crystalliser, engl. roching-bench, schräges Bretgestell, auf welches gesottene Vitriollauge gebracht wird, damit sich Krystalle bilden. — 2. frz. établi à cirer, engl. waxing-bench, Arbeitstisch des Wachstuchmachers. Wachsbaum, m. (Bot.), 1. virginischer (Myrica cerifera L., Fam. Myriceae), ein Strauch Virginiens, aus dessen Beeren durch Auskochen Wachs gewonnen wird (Myrtelwachs). Dasselbe dient zu Anfertigung von Kerzen. — 2. W. von Neugranada (EBlaeagia utilis Wedd., Fam. Cinchoneae), liefert ein wachsartiges Harz, grünes Condamineharz (s. d.), das zu Kerzen und technischen Zwecken benutzt wird. Wachsbleiche, f., 1. s. in d. Art. Wachstuch. — 2. Anstalt zum Bleichen des Wachses. Machsbohnung, f., s. d. Art. Bohnen. Wachsen, u., 1. des Bodens, s. im Art. Anschwellung 2. — 2. Des Kalks, s. in d. Art. Gedeihen und Kalk. Wachsfarbe, f., franz. couleur à cire, engl. waxpigment, das Bindemittel besteht in der Regel aus in Terpentinöl aufgelöstem Wachs; sie dunkelt nicht nach, kann aber bei uns im Norden nur als innerer Anstrich gebraucht werden, da sie durch Kälte spröde wird. Man unterscheidet Wachsölfarbe (s. d. Art. Wachsmalerei 2.) u. Wachsleimfarbe; letztere bereitet man entweder durch Zusetzen von Wachs beim Kochen des Leimes, worauf aber leicht beim Erkalten sich Klümpchen bilden, also die Farbe warm aufgebracht od. nachher frottirt werden muß, oder indem man das Wachs mit Terpentin auflöst u. so der Leimfarbe zurührt. Ueber Umwandlung von Leimfarbe in W. s. d. Art. Wachsmalerei 3.; vgl. auch d. Art. Cerophanie und Enkaustik. Wachsfirniß, m., frz. vernis m. à la cire, engl. waxvarnish. Man siedet Wachs in Potaschenwasser, gießt Weinsteinöl unter fortwährendem Umrühren zu, bis das Gemisch schäumt und wie dünne Milch fließt. Wachsglanz, m., s. d. Art. Glanz. Wachskerze, f. frz. cierge, bougie de cire, engl. waxcandle, s. d. Art. Leuchtstoff. Wachskitt, m., franz. mortier de veille, cire ù luter, gelbes Wachs mit ,/ Terpentin; s. auch Kitt u. Schmelzkitt. Wachskolben, m. (Bot.), Balanophora elongata Bl., (Langsdorffia indica Arnott., Fam. Kolbenschmarotzer), wächst in den Wäldern Indiens u. Java's und liefert ein wachsähnliches Harz, das zu Bereitung von Kerzen dient. Die nahe verwandte Langdorffia hypogaea Mart. wird in ihrem Vaterland Neugranada ebenso benutzt und ihre getrockneten Stengel (Siejas) werden in Bogota beim Gottesdienst als Kerzen gebrannt. Wachsmalerei, f., frz. peinture f.a la cire, engl. waxpainting, 1. eingebrannte W., engl. encaustie (painting), lat. cerostrotum, pictura encaustica. Die Alten hatten zwei Arten der W.: bei der Pinselmalerei wurde gefärbtes 3Wachs heiß mit dem Pinsel aufgetragen, dann aber durch t Unterhalten einer Kohlenpfanne, griech. αοανοπιν, noch⸗ ⸗„mals flüssig gemacht u. so zum Eindringen in die Fläche „gebracht; s. Enkaustik. Wo ein solcher Anstrich wassert dicht sein sollte, setzte man dem Wachs noch Pech oder Harz (Terpentin) zu, und das Gemisch hieß dann Lopissa. Bei der Griffelmalerei wurde auf eine mit Wachs überzogene „Fläche die Zeichnung mit einem Griffel eingegraben und „die so entstandenen Ritze mit farbigem Wachs ausgefüllt, dies aber mit einem heißen Griffel vertrieben und mit dem Kauterion eingebrannt. — 2. Kalte W. Man thut in einen Topf 16 g. gelbes Wachs, 30 g. Terpentinöl, 25g. Leinölfirniß u. 33g. Dammarlack, bringt diese Mischung über geschlossenem Feuer zum Schmelzen, schüttet dann noch, während es auf dem Feuer steht, 20 g. Terpentinöl und 10 g. Leinölfirniß zu. Man kann auch den Lack weglassen, wobei die Farbe nach dem Trocknen etwas weicher t bleibt, freilich auch leicht klebt. Sobald die Mischung eben beginnen will zu sieden, nimmt man sie vom Feuer und rührt fleißig um, bis sie eine pomadenartige Subsistenz zeigt. Dann bewahrt man sie in wohlverschlossenen weithalsigen Gefäßen auf. Die Farben werden in Leinölfirniß )dick abgerieben und jede derselben unmittelbar vor dem Gebrauch mit der geeigneten Menge der Wachsmischung und Terpentinöls malfertig angemacht, wobei man noch ein wenig Leinölfirniß zuthun kann. Wünscht man weniger Glanz, so nimmt man mehr Terpentin, wünscht man lebhaften Glanz, mehr Leinölfirniß oder auch noch et⸗ „was Lack. Der Grundiranstrich sowie die fertige Untermalung und dann nochmals die fertige Malerei werden leicht mit wollenen Lappen überrieben. Die fertige Malerei kann man auch nochmals, aber mit sehr leichter Pinselführung, mit der Wachsmischung, die zu diesem Behuf mit gleichen Mäßtheilen Terpentin, Leinölfirniß u. Dammarlack zu einem dünnflüssigen Lack verdünnt wird, übergehen und dann kräftig mit Wollenlappen überreiben. Dann ist sie in Bezug auf Milde des Glanzes und Dauer pvöllig der eingebrannten W.ebenbürtig. — 3. Etwa 2 bis 10 Jahr alte Leimfarbenmalerei kann man durch einen Ueberstrich mit der letztgenannten verdünnten Mischung in W. verwandeln. Dabei werden Flecke entstehen, dieman aber nur in größeren glatten Flächen bemerkt, die also dann einmal mit Wachsfarbe überstrichen werden müssen, während man in dem Ornament re. blos die hellsten Lichter mit Wachsfarbe aufzuhellen braucht. Wachsmodell, u., s. d. Art. Bossirwachs und Form. Wachspalme, k. (Bot.), 1. OCeroxylon andicola H. & B., Fam. Palmen, ist auf den Cordilleren Südamerika's einheimisch, zugleich die größte bekannte Palme; sie liefert Blätter zum Dachdecken und Fasern zu Flechtwerk. — 2. Carnaübapalme (Corypha cerifera Arr., Fam. Palmen) ist eine der geschätztesten Palmen Brasiliens. Ihr Holz, zu Zimmerarbeiten gut geeignet, wird zu diesem Zweck ausgeführt. Das Wachs von diesem Baum wird in London zu Kerzen verarbeitet. Die nahe verwandten Arten C. hospita u. O. tectorum Mart., auf Venezuela u. Neugranada einheimisch, besitzen ebenfalls sehr festes Holz. Wachspolitur, k., s. d. Art. Polirwachs. Wachsthumring, m., s. d. Art. Jahrring, Markstrahlen, Baum 1. Wachstuch, n., franz. toile f. cirée, engl. cere-cloth, Wax-cloth. Das jetzige W. hat seinen Namen von der früheren wirklichen Wachsleinwand entlehnt, hat aber mit Wachs nichts zu schaffen. Jener dünne Stoff mit weichem Ueberzug aus Wachsfarbe diente zu Futteralen u. wasserdichten Einhüllungen und allenfalls zu Möbeldecken. Während er in ersteren Funktionen durch Kautschukstoffe, wasserdichtes Papier u. dergl. ersetzt ist, mag die Bestimmung zu Decken den Anstoß gegeben haben, ein dauerhafteres Erzeugnis anzustreben, welches das Treten aushalten würde. Dabei scheint sich die Entstehung des Industriezweiges aus dem Gebrauch der Teppiche entwickelt zu haben, indem man ordinäre Teppichgewebe durch Tränken mit Firniß haltbarer zu machen suchte. Schon im 17. Jahrh. fabrizirte man, bes. in Leipzig, Wachstuch nach jetziger Weise. Die Bereitung desselben besteht in der Hauptsache darin, daß das Gewebe, nachdem es auf einem möglichst ebenen, rauchfreien, der Luftbewegung zugänglichen Platze, der sogen. Wachsbleiche, thunlichst straff auf Rahmen ausgespannt worden ist, auf beiden Seiten mit dünnflüssigem Leim oder Kleister überbürstet wird, den man noch naß mit Bimsstein schleift. Darauf folgen verschiedene Oelfarbenaufträge mit einer Spachtel oder Kelle, dann Abschleifen derselben u. hierauf Anstreichen mit dem Pinsel. Nach nochmaligem Schleifen wird das Muster aufgedruckt oder aus freier Hand aufgemalt.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 437Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 12

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Naturlehre 6