Werkmaß, n., frz. mesure de batisse (ein eigentlicher technischer Ausdruck existirt im Französischen nicht; verge f. ordinaire, welches meist als Uebersetzung gegeben wird, ist nur Benennung für ein Feldmäß und für ein Gewebemäß), engl. Iinear-measure, builder's scale. W. heißt dasjenige Längenmäß, welches im Bauwesen gebraucht wird. Gegenwärtig ist in Deutschland der Meter eben sowohl W. wie Mäß für andere Geschäftsbranchen. Früher war das nicht so. Schon unter den Longobardenkönigen galt der pes publicus Liutprandi, piede Liprando als W., während anderweit ein pes de munichis üblich war. Dieser Fuß, sowie der zu Karls des Großen Zeiten übliche Fuß, war nach römischer Art in 4 palmi minores u. zuleich in 12 unciae od. pollices (Zoll, Daumen) od. auch n 16 digiti (Fingerbreiten) eingetheilt. Zugleich galt auch noch der cubitus (Elle) 1½ Fuß. Bald traten noch mehr Schwankungen ein u. im Mittelalter galt in Deutschland zwar ziemlich allgemein, im Ausland meist der Fuß oder Schuh in 12 Daumen od. Zoll, dieser wieder in 12 Striche getheilt; aber fast jede Stadt hatte eine abweichende Länge dieses Schuhs; doch arde in der Spätzeit der Gothik, bei Ueberhandnehmen der Zahlenspielerei, vielfach statt des im Ort üblichen W.es ein neues für den Bau geschaffen, eine Art Modul, u. zwar galt als solches entweder die Seitenschiffbreite oder die Pfeilerstärke. Aehnliches war in Ostindien der Fall, wo das zweite Glied des Mittelfingers des Bauleitenden unter dem Namen Angula als Werkmäßeinheit galt. — Der Werkmäßstab, frz. verge oder perche d'oeuyvre, engl. measuring red, measure-rule, hieß meist Fußstock, war 6Schuh Klafter lang, 1 Zoll ins Quadrat stark u. diente bei Aufzügen etc. dem Werkmeister als scepterähnliches Abzeichen (schon unter Theoderich dem Großen, dessen Schloßbaumeister einen goldenen Mäßstab führte), während die Gesellen kleine Stäbe, sogen. Zollstöcke von 2 Fuß Elle, führten. Die Wandelgesellen durften zusammenklappbare Zollstöcke führen, die zugleich als Stellwinkel zum Abnehmen von Winkeln u. Schmiegen dienten und daher Schmiegen, auch wohl, von dem Klaffen, Klappen der Zunge, Kluft hießen. Der Umstand, daß oft Dombauten ein anderes W. hatten als den Stadtfuß, und daß die Werkfuße der Hütten von Aachen, Braunschweig, Bremen, Breslau, Köln, Frankfurt a. M., Halle etc. bei sehr abweichenden Stadtmäßen fast übereinstimmten, läßt vermuthen, daß die Bauhütten gleiches W.für ganz Deutschland angestrebt haben; s. d. Art. Baumäß und Mãß. WMerkmeister, m., frz. maitre-ès Oeuvres, maitre de peyra, des peyriers, ꝗe maconnerie vive, engl. master ofthe works, lat.magister lapidum, s. b. Art. Bauhütte 2. und magister operis.