FeedHabituell
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Habituell heißt alles, was durch Gewohnheit zu einer bleibenden Eigenheit oder zur andern Natur geworden ist, 7*5 in der ursprünglichen Richtung und Entwickelung eines Individuums notwendig begründet zu sein. Dieser Ausdruck wird sowohl von mechan. Fertigkeiten, körperlichen Bewegungen und sinnlichen Vorgängen als von geistigen Thätigkeiten und Gesinnungen und endlich von Krankheiten gebraucht. Die Macht der Gewöhnung ist bei allen lebenden Wesen außerordentich groß. Die Erziehung, welche zum großen Teil auf ihr beruht, hat daher sorgfältig darauf zu achten, daß nichts habituell werde, was der Natur, der Sitte oder Sittlichkeit widerstreitet. Dagegen ist stets dahin zu streben, daß alles Löbliche und Tüchtige habituell werde; namentlich gilt dies auch 5Jvon äußern Kunstfertigkeiten, weil die bloße Idee in der Kunst nicht ausreicht, um das Ideal mit „Leichtigkeit und Natürlichkeit darzustellen, sofern nicht die körperlichen Geschicklichkeiten (die Technik) vollkommen eingeübt sind. Habituelle Kraukheiten nennt man solche e'Affektionen, welche so innig mit dem ganzen Befinden eines Individuums durch Gewöhnung verschmolzen sind, daß es schwer und unrätlich ist, die-Jselben zu beseitigen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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