FeedGiauni (Francesco)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Giauni (Francesco), ital. Dichter und Improvisator, geb. 1760 in der Romagna, war Schneider von Beruf, las dabei fleißig die Werke von Ariost und Tasso und übte eAuntnört in Reime ital. Verse. Durch eine treffende Antwort in Reimen zog er die Aufmerksamkeit Giambattista Castis auf sich, welcher ihm die Mittel verschaffte, sich ganz der Litteratur widmen zu können. Er trat zuerst in Genua dann in Mailand als Improvisator auf, erwar sich die Gunst Napoleons I., der ihn zu seinem Hofdichter mit reichem Honorar und zum Mitgliede des Gesetzgebenden Rats ernannte. Im J. 1799 in Cattaro von den Russen gefangen genommen, erregte er nach seiner Befreiung in Paris als Improvisator großes Aufsehen und starb 17. Nov. 1822. Mehr noch als durch seine Gedichte machte er sich durch seinen heftigen Streit mit Monti (s. d.), freilich nicht zu seinem Vorteil, bekannt. Im Druck sind von ihm erschienen: „Versiv (Mail. 1791), Diversi poemetti, sonetti e canzonip (Flor. 1793), Eteocle e Polinice. Poemetto estemporaneov (Flor. 1795), Leda e Giove. Canto estemporaneon (Flor. 1795), „(Galleria di ritratti poeticis (Flor. 1796), Versi estemporaneio (Par. ohne Jahr). Sammlungen seiner Poesien erschienen in 5Bänden (Mail. 1807), in 3 Bänden (Flor. 1827), Giannone (Pietro), ital. Historiker, geb. 7. Mai 1676 zu Ischietta, einem Dorfe in der neapolit. Provinz Capitanata, studierte in Neapel die Rechte. Nachdem er sich als Advokat ein bedeutendes Vermögen erworben, zog er sich zurück auf seine Villa Due Porte bei Neapel und arbeitete daselbst seine „Storia civile del regno di Napolio aus (4 Bde., Neap. 1723 u. öfter; beste Ausg., 9 Bde., Mail. 1823). Das Werk hatte solchen Kt. O. daß G. zum ord. Rechtsanwalt der neapolit. Regierung ernannt wurde. Gegen ihn erhob sich aber die gesamte Geistlichkeit, weil er mit großer Schärfe die Politik der Päpste verurteilt hatte; er wurde vom Erzbischof in den Kirchenbann gethan und mußte die Flucht ergreifen. Er ging nach Wien, wo er vom Kaiser Karl VI. eine Pension erhielt und seine Apologiap schrieb. Als 1734 Don Carlos den Thron von Neapel bestieg, verlor G. seine Pension und verließ Wien in der Absicht, sich wieder nach Neapel zu begeben. In Venedig angelangt, ward er durch die Intriguen der Geistlichkeit verhindert, seine Reise fortzusetzen; er mußte sich eine Zeit lang in Modena verborgen halten, von wo er nach Mailand, dann nach Turin ging. Aus Piemont verbannt, ging er nach Genf und veröffentlichte daselbst 1736 sein Werk «II Triregno, ossia del regno terreno, celeste e papalep, worin er nicht allein die päpstl. Kurie angriff, sondern auch mehrere kath. Dogmen bekämpfte und prot. Ansichten vertrat. Ein Höfling, der sich in sein Vertrauen einzuschmeicheln verstanden hatte, lud ihn auf seine Villa auf savoyischem Gebiet ein; hier wurde G. verhaftet und auf das Schloß Miolans bei Chambeéry geführt. Von hier wurde er in das Fort von Ceva gebracht, dann auf die Citadelle von Turin, wo er 17. März 1748 starb. Während seiner langen Gefangenschaft begann er eine ital. übersetzung des Livius, schrieb Betrachtungen über die Religion, die Politik und die Sitten, sowie das Werk «La chiesa sotto il pontificato di Gregorio il Grandev. Diese Arbeiten sind erst viel später veröffentlicht worden (2 Bde., Tur. 1852). Noch ungedruckt ist das ebenfalls in der Gefangenschaft verfaßte Werk «Delle dottrine morali, teologiche e sociali degli antichi padri della chiesa 5. Nach G.s Tode erschienen noch von ihm: Opere postume in difesa della sua storia civile del regno di Napolis (Palmyra 1755; beste Ausg., 3 Bde., Mail. 1824), aus denen die schärfsten Stellen gegen den röm. Klerus schon vorher als Anecdotes ecclésiastiques v(Haag 1738) veröffentlicht worden waren. Eine Gesamtausgabe seiner Operep erschien zu Mailand (14 Bde., 1823—24). Giannone (Pietro), ital. Dichter, Improvisator und Politiker, geb. 1790 in Campo-Santo bei Modena, diente seit 1809 im Heere Napoleons I. und trat nach dessen Sturz in Rom als Improvisator auf. Seine polit. Gedichte zogen ihm Verfolgungen und längere Haft zu. Nach seiner Freilassung lebte er bis 1848 in Paris, wo er Präsident der Associazione italiana wurde. Später ließ er sich in Florenz nieder, wo er 24. Dez. 1873 starb. Seine Dichtungen sind wenig zahlreich, aber ergreifend durch feurigen Patriotismus; hervorzuheben sind: „L'esule (Par. 1829) und La visionev (Par. 1833).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 18Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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