Gibbon (Edward), berühmter engl. Geschichtschreiber, geb. 27. April 1737 zu Putney in Surrey, besuchte die Westminsterschule und studierte seit 1752 zu Oxford. Am 8. Juni 1753 trat er in London zur kath. Kirche über. Tief darüber gekränkt, schickte ihn sein Vater, ein angesehener Gutsbesitzer, nach Lausanne zu einem reform. Geistlichen Namens Pavillard, und im Dez. 1754 kehrte G. zur prot. Kirche zurück. Bis 1758 beschäftigten ihn in Lausanne Sprache und Geschichte, nebenbei auch die Liebe zur Tochter des Pfarrers Curchod, der nachmaligen Gattin des berühmten Necker, die G. geheiratet haben würde, wenn sein Vater nicht die Einwilligung versagt hätte. Nach seiner Heimkehr erschien von ihm der im reinsten Französisch geschriebene Essai sur 'étude de la littératurer (1759). Sein bei der Volksbewaffnung gegen Frankreich erfolgter Eintritt als Hauptmann in die Hampshire-Miliz veranlaßte ihn, sich mit dem Militärwesen zu beschäftigen. Doch schon 1763 ging er über Paris wieder nach Lausanne und von hier nach Italien. In Rom faßte er 1764 den Entschluß, die Geschichte des Untergangs des Römischen Reichs zu schreiben. Nachdem er noch Neapel gesehen, kam er 1765 nach England zurück, wo er seine Stelle in der Nationalmiliz aufgab und 1768 an die Ausführung seines in Rom gefaßten Entschlusses ging. Nach dem Tode seines Vaters (1770) wählte er London zu seinem Aufenthaltsorte und saß 1774 — 82 im Parlament, ohne sich jedoch an den Debatten zu beteiligen. Als Anhänger des Ministeriums North erhielt er das einträgliche Amt eines Lord of trade, das mit Norths Sturze eingezogen wurde. In Lausanne, wo er sich 1783 niederließ, vollendete er 1787 seine History of the decline and fall of the Roman empire (6 Bde., Lond. 1776—88 u. öfter; am besten von Milman, 12 Bde., 1838—39, und von W. Smith, 8 Bde., 1854 —55; deutsch von Wenck, Schreiter und Beck, 19 Bde., Lpz. 1805 —7; von Sporschil, Lpz. 1837; 3. Aufl. 1854), ein Werk, das sich ebenso sehr durch seinen unnachahmlichen -Stil als durch gründliche Gelehrsamkeit und philos. Blick auszeichnet.q Von London, wohin er sich zur Beaufsichtigung des Drucks begeben, ging er wieder nach Lausanne und lebte dort, bis ihn der Krieg 1793 nach London zurücktrieb, wo er 16. Jan. 1794 starb. Aus G.s Nachlasse veröffentlichte Lord Sheffield Miscella1837), deren Hauptinhalt G.s Selbstbiographie (deutsch, Lpz. 1801) bildet. Vgl. Milman, XLife of 6.9(Lond. 1839); Morison, Gibbonv (Lond. 1878).