FeedGingkobaum
PflanzenreichBrockhaus 1882

Gingkobaum, eine zu der Familie der Taxineen, aus der Gruppe der Nadelhölzer, gehörige Gattung. Man kennt von ihr nur eine einzige Art, Eingko biloba (Salisburya adiantifolia). Diese ist ein großer zweihäusiger Baum Chinas und Japans, der sich von allen übrigen Nadelhölzern durch breit-keilförmige, zwei⸗, bisweilen vierlappige, am obern Saume gekerbelte, lederartige, einjährige Blätter unterscheidet. Seine Frucht ist eine steinbeerenartige Nuß von der Größe einer Damascenerpflaume und schließt einen Kern ein, der in China und Japan gegessen wird. Dieser in mehr als einer Beziehung interessante Baum wurde 1712 durch Kämpfer bekannt, aber erst 42 Jahre später in Europa, zuerst in England, eingeführt. Gegen das Ende des vorigen Jahrhunderts kam von dort eine männliche Pflanze nach Montpellier, wo sie 1812 zur Blüte kam, natürlich ohne fruchtbar zu sein. Erst viel später, als diesem Baume ein Zweig eines weiblichen Individuums derselben Art eingesetzt wurde, brachte er von Jahr zu Jahr Früchte in Menge zur Reife. Gegenwärtig ist der G. auch in Parkgärten Deutschlands ziemlich häufig und wird durch Aussaat, wie auch durch Stecklinge und Veredlung vermehrt. Er ist ziemlich hart und gedeiht fast in allen Lagen und Bodenarten, wächst aber viel langsamer, als die meisten übrigen Nadelhölzer. Er kann Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende leben und dann kolossale Dimensionen erreichen. Bunge sah um Peking herum Bäume dieser Art, deren Alter er auf mindestens 2000 Jahre schätzte; einer derselben hatte einen Umfang von 13 m. Diese Stammstärke ist aber vielleicht einem andern Umstande zuzuschreiben. Der Same schließt nämlich zwei, drei und noch mehr Embryonen ein, welche gleichzeitig keimen, und so mag es oft vorkommen, daß mehrere Stämme zu einem einzigen verwachsen, was die Chinesen und Japaner auch durch Kunst herbeizuführen wissen. übrigens wird von mehrern Pflanzenforschern, welche China und Japan bereisten, übereinstimmend berichtet, daß sie den G. niemals wild, sondern immer nur in den Gärten angetroffen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 44Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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