Giskra (Karl), österr. Staatsmann, geb. 29. Jan. 1820 zu Mährisch-Trübau, besuchte die Piaristenschule zu Trübau und das Gymnasium zu Brünn, bezog 1837 die Universität zu Wien, wo er sich dem Studium der Rechte widmete, und erwarb bereits 1840 die philos., 1843 die jurist. Doktorwürde. Im J. 1844 trat G. bei der damaligen Hofkammer-Prokuratur in den Staatsdienst und die Rechtspraxis, und kurz darauf wurde er auch zum Assistenten und 1846 zum supplierenden Professor für die Lehrstühle der Staatswissenschaften und polit. Verwaltung an der Universität berufen. In den Märztagen 1848 war er unter den Mitgliedern des akademischen Lehrkörpers, welche sich der Bewegung zuwandten. G. veranlaßte und leitete 13. März die Bewaffnung der Studenten und organisierte darauf die akademische Legion. Von seiner Vaterstadt in die konstituierende Deutsche Nationalversammlung gewählt, gehörte er der Fraktion des Württemberger Hofs an und nahm an den Ver-Luharen 21 bis zur Übersiedelung nach Stuttgart ebhaften Anteil und lebte dann in freiwilliger Verbannung mehrere Monate im westl. Rußland. Gegen Ende 1850 3on G. nach Osterreich zurück, war lange Zeit als Konzipient in der Kanzlei des Dr. Mühlfeld thätig und wurde erst nach vielfachen vergeblichen Bemühungen im Okt. 1860 zur Advokatur zugelassen, jedoch nicht in Wien, sondern in Brünn. Seit dem Mai 1861 gehörte er dem österr. Abgeordnetenhause an, zu dessen hervorragendsten Mitgliedern und bedeutendsten Rednern er zählte. Auch war G. 1861 —67 mähr. Landtagsabgeordneter und Führer der deutschen liberalen Partei des Landes, im Ur 1866 auch Bürgermeister von Brünn, vom Mai bis Dez. 1867 Präsident des Abgeordnetenhauses, von Anfang 1868 bis April 1870 Minister des Innern. Von 1868—73 vertrat er die innere Stadt Wien, ein Mandat, das er wieder mit dem frühern von Brünn vertauschte. Nach seinem Austritt aus dem Ministerium wurde ihm die Geheimratswürde verliehen. Bald nachdem er aus dem Staatsdienste getreten war, übernahm G. das Präsidium der Franco-Osterreichischen Bank in Wien und wurde zugleich Oberkurator der ersten österr. Sparkasse. Er starb 1. Juni 1879 in Baden bei Wien. Gislason (Konrad), isländ. Linguist, geb. 3. Juli 1808 zu Langamyri in Island, wurde 1848 Docent der isländ. Sprache an der Universität zu Kopenhagen und 1853 Professor daselbst. G. ist einer der gründlichsten Kenner des Altisländischen. Außer vielen Abhandlungen in Zeitschriften schrieb er Um frumparta Islendskrar tungu i fornöldo (Kopenh. 1846), Dönsk ordabok med islendskum thydingum» (Kopenh. 1851), sowie eine Altnordische Formenlehre (Kopenh. 1858), von welcher •0 * nur das erste Heft erschienen ist.