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GeschichteBrockhaus 1882

Giselbert, Herzog von Lothringen seit etwa 915, suchte wie sein Vater Reginard bei äußerlichem Anschlusse an das westfränk. Reich thatsächlich eine völlig unabhängige Stellung zwischen diesem und dem ostfränkischen oder deutschen Reiche zu erringen. Von dem erstern kam er allerdings los, teils durch Benutzung der dortigen Thronstreitigkeiten in den letzten Zeiten des Königs Karl des Einfältigen, teils durch die Unterstützung des deutschen Königs SHeinrich I., der aber nun 925 G. unter seine eigene [Oberhoheit zwang. So wurde Lothringen, welches seit dem Tode Kaiser Arnulfs sich losgema t hatte, wieder mit Deutschland verbunden. G. heiratete Heinrichs Tochter Gerberga (s. d.) und gehörte mit zu den Herzögen, welche 936 bei der Krönung seines Schwagers Otto I. in Aachen ihm Hofdienste leisteten. Als aber die rechtsrhein. Herzöge sich gegen Otto I. erhoben und dessen Bruder Heinri ossen den Sturz des Königs betrieb, da schloß sich G. ebenfalls dem Aufstande an, indem er zugleich dem westfränk. Herrscher Ludwig huldigte. Vereint mit dem Herzog Eberhard von Franken überschritt er, während Otto I. bei Breisach sich in übelster Lage befand, den Rhein bei Andernach (939), wurde hier aber von den zu Otto haltenden Grafen Udo und Konrad überfallen und fand auf der Flucht seinen Tod im Rhein, während Eberhard erschlagen ward. Infolge seines Todes kam nun Lothringen dauernd an Deutschland zurück. Otto I. übernahm selbst die Vormundschaft über G.s Sohn Heinrich, seinen Neffen, und verlieh das Herzogtum nach dessen Tode 944 an den treuen Grafen Konrad, den Sieger von Andernach.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 60Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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