Gruner (Justus von), preuß. Staatsmann, geb. 28. Febr. 1777 zu Osnabrück, studierte nach Absolvierung des osnabrücker Gymnasiums in Halle und Göttingen die Rechtswissenschaften, kehrte dann nach Osnabrück zurück und gab dort während der vier folgenden Jahre mehrere das Strafrecht und die öffentliche Sicherheitspflege behandelnde Schriften heraus. Im J. 1802 trat er in den preuß. Staatsdienst, wurde Kammerrat von Franken, kam dann in die Centralverwaltung nach Berlin und 1805 als Direktor der Kriegs- und Domänenkammer nach Posen. Der unglückliche Krieg machte 1806 seiner dortigen Thätigkeit ein Ende; er ging nach Ostpreußen, wo er in persönliche Berührung mit Stein und Hardenberg kam, die bald seine große geschäftliche Befähigung erkannten. G. wurde 1809 zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt und 1811 als Geh. Staatsrat an die Spitze der gesamten Verwaltung der höhern Polizei für den ganzen Staat gestellt. Als aber Preußen im März 1812 gezwungen war, sich mit Frankreich gegen Rußland zu verbünden, nahm G. seinen Woschied und ging nach Prag zum Freiherrn von Stein, der dort, an der Spitze der norddeutschen Emigranten, sich mit dem Plan einer im Rücken der in Rußland eindringenden franz. Armee zu organisierenden deutschen Volkserhebung beschäftigte. Im Mai 1812 folgte Stein einer Aöenteft des Kaisers Alexander nach Rußland und hinterließ die Vorbereitungen für die Ausführung seines Gedankens in den Händen G.s. Der franz. Regierung war jedoch dieser Plan nicht geheim geblieben, und um einer auf die Auslieferung G.s gerichteten Forderung Frankreichs zuvorzukommen, ließ ihn das wiener Kabinett verhaften und nach der Festun Peterwardein bringen, von wo er erst im Herbst 1813 entlassen wurde. G. erhielt zuerst die Verwaltung des Großherzogtums Berg (Nov. 1813) und vertauschte sie (Febr. 1814) mit dem Generalgouvernement des Mittelrheins. Nach dem ersten Pariser Frieden kehrte er nach Berg zurück und verblieb dort bis zum Juni 1815. Beim Wiederausbruch des Kriegs, infolge der Rückkehr Napoleons von Elba, erhielt er die Oberleitung der seitens der verbündeten Mächte in Frankreich eingerichteten Polizei; 1816 wurde er Gesandter in der Schweiz, starb aber schon 8. Febr. 1820 in Wiesbaden.