FeedGitschin (czech. Jikin)
ErdkundeBrockhaus 1882

Gitschin (czech. Jikin), Hauptstadt der Gitschiner Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, an der Cydlina und der Osterreichischen Nordwestbahn, Sitz der Bezirkshauptmannschaft, eines Kreis⸗ und eines Bezirksgerichts, eines Hauptsteueramts und anderer Behörden, besteht aus der eigentlichen Stadt und vier Vorstädten, hat (1881) 8071 meist czech. E., ein ehemaliges Jesuitenkollegium, das jetzt als Kaserne benutzt wird, ein Gymnasium, eine Unterrealschule, eine große Zuckerfabrik und starke Getreidemärkte. Die schöne Dekanatskirche der Stadt ist nach dem Muster der Wallfahrtskirche zu San-Jago de Compostella in Spanien erbaut; sie wurde von Wallenstein begonnen, aber erst lange nach seiner Ermordung (1655) vollendet. G. war einst die Haupt⸗ und Residenzstadt des Herzogtums Zesdenz Als Wallenstein 1627 den Ort zur esidenz erhob, zählte derselbe kaum 200 elende, mit Schindeln gedeckte Häuser; doch seiner Thätigkeit gelang es, den unansehnlichen Flecken bald in ein stattliches, wohlhabendes Städtchen umzuwandeln, welches er durch ein 1630 erbautes prachtvolles Schloß lietzt dem Fürsten Trauttmansdorff gehörig) zierte. In der nahen Walditzer Kartause sem Provinzialstrafhaus) wurden 1636 Wallenteins Gebeine beigesetzt; daß 1639 der schwed. General Baner den Kopf und die rechte Hand desselben habe abhauen und nach Schweden bringen lassen, wie Haranf llie behaupteten, ist durchaus unrichtig. Darauf blieben die Überreste desselben über 100 Jahre lang unbeachtet, bis sie auf Veranlassung der Grafen Ernst und Immanuel von Waldstein 1785 in das Erbbegräbnis der Schloßkapelle St. Anne zu Münchengrätz versetzt wurden. Geschichtlich namhaft ward G. im Deutschen Kriege von 1866 durch das Treffen am 29. Juni. Am genannten Tage hatte die 5. preuß. Division von Lümpling Befehl erhalten, sich in den Besitz von G. zu setzen. General von Tümpling teilte seine Kräfte in drei Kolonnen: die mittlere nahm bald Podulsch, scheiterte aber an Brada, während die rechte Kolonne den Psterreichern (1. Armeekorps, Graf Clam-Gallas) ein siegreiches Waldgefecht lieferte und die linke ihnen abends die Ortschaften Zames und Diletz entriß. So stand das Gefecht um 7½ Uhr abends, als ein vom Feldzeugmeister Benedek auf dem Schlachtfelde eintreffender Befehl den Kronprinzen von Sachsen zum Abbrechen des Gefechts nötigte. Der Kampf am Tage schloß mit der Erstürmung der Stellung am Priwysin nach 8 Uhr abends durch die Sturmkompagnien des Generals von Tümpling; es folgte ihm noch ein Nachtgefecht, an welchem die inzwischen eingetroffene 3. Division (von Werder) teilnahm und das die Gefangennahme von drei österr. Bataillonen in zwei getrennten Straßengefechten in G. zur Folge hatte. Das Treffen bei G. schloß den Srscl im Isergebiet ab, indem es dadurch, daß General Clam-Hallas das Treffen verlor, die Vereinigung der Ersten und Zweiten preuß. Armee und dadurch den Sieg bei Königgrätz (s. d.) möglich machte. ittelde, Flecken im braunschw. Kreis Gandersheim, am Westfuße des Harzes, 12 km südlich von Seesen, Station der Seesen-Osteroder Bahn (Braunschweigische Bahnen), zählt (1880) 1285 E. Dabei liegt das Eisenwerk Teichhütte im Harze; im N. die Ruinen der Staufenburg, wo einst ein Vogelherd Heinrichs I. stand, und Herzog Heinrich der Jüngere seine Geliebte, Eva von Trott, verbarg; auch begründete von dieser Burg aus Elisabeth, die Witwe Herzog Wilhelms II., um 1500 die Anlage der Stadt Grund und die Eröffnung des Eisensteinbergbaues im Harz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 61Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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