FeedGlanz
NaturlehreBrockhaus 1882

Glanz ist eine für die Charakteristik der Mineralien belangreiche Eigenschaft. Man versteht darunter die durch die spiegelnde Reflexion des Lichts von ihren mehr oder weniger glatten Oberflächen, in Verbindung mit zerstreutem Licht hervorgebrachte Erscheinung, sofern man dabei von der Farbe absieht. Der G. der Mineralien zeigt Verschiedenheiten nach Quantität und Qualität, nach der Stärke und nach der Art. Seine Stärke ist zwar abhängig von +1% Zufälligkeiten (z. B. von Glätte oder Rauhigkeit, Größe oder Feinheit des Korns, Kompaktheit ober Lockerheit), und daher oft von geringerer diagnostischer Wichtigkeit; doch pflegt man in dieser Hinsicht die Grade: starkglänzend, glänzend, wenigglänzend, schimmernd und matt oder glanzlos zur Bezeichnung zu benutzen. Charakteristischer sind die eigentümlichen Arten des G., deren man folgende unterscheidet, welche jedoch durch allmähliche Abstufungen ineinander verlaufen: Metallglanz, der sehr intensive und besondere G. der Metalle, welcher stets mit völliger Undurchsichtigkeit verbunden ist; Diämant glanz, der ebenfalls sehr lebhafte G. des Diamants, welcher auch bei manchen Varietäten anderer Mineralien (z. B. Zinkblende, Weißbleierz) vorkommt; Glasglanz, wohl die häufigste Art des G., der G. des gewöhnlichen Glases (z. B. am Bergkrystall-Smaragd, Adular); Fettglanz, der G. eines mit fettem Ol bestrichenen Körpers (3. B. am Schwefel, Eläolith); Perlmutterglanz, der eigentümliche milde G. der Perlmutter, findet sich namentlich auf solchen Flächen, denen eine sehr vollkommene Spaltbarkeit oder eine lamellare Zusammensetzung entspricht, und ist eigentlich nicht die reine Spiegelung von der Oberfläche, sondern das Resultat der Spiegelung zahlreicher übereinanderliegender Lamellen eines durchsichtigen Körpers (z. B. am Glimmer, Gips, Stilbit); Seidenglanz, eine wenig lebhafte, oft nur schimmernde Abart des G., welche lediglich in der feinfaserigen Aggregation, bisweilen auch in einer eigentümlichen Streifung begründet ist (z. B. am Asbest, Fasergips oder Alabaster). Theoretisch dürfte der G. aller ungleichwertigen Flächen der Krystalle eine Verschiedenheit besitzen, deren verschwindende Feinheit aber meistens unserer Wahrnehmung entgeht. Kalkspat und Apophyllit zeigen so auf ihren basischen Endflächen Perlmutterglanz, auf ihren vertikalen Prismenflächen Glasglanz. Diese charakteristische Differenz des G. erleichtert oft nicht nur die Deutung der rystallographi eichwertige Flächen verhalten sich rücksichtlich der Art und Stärke des G. meistenteils übereinstimmend.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 74Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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