Glimmer ist der Name für eine Mineralgruppe, deren einzelne Glieder sich unter anderm durch ihre außerordentlich leichte Spaltbarkeit parallel einer Richtung auszeichnen, vermöge deren sie sich in ungemein feine, meist elastisch biegsame Lamellen zerteilen lassen. Sämtliche G. gehören, wie die neuern Untersuchungen von Tschermak dargethan haben, krystallographisch dem monoklinen System an, indessen mit einer eigentümlichen Lren sowohl an das hexagonale als an das rhombische System indem einerseits die Prismenwinkel fast genau 120 betragen, und durch das Hinzutreten der Längsdumt eine scheinbar hexagonale Entwickelung beingt wird, andererseits die eigentliche schiefe Endfläche der Basis nahezu ganz genau horizontal steht. Dieser Basis folgt die monotome Spaltbarkeit. Chemisch sind die G. Silicate von Thonerde und Kali (oder Natron), wozu aber in vielen auch Magnesia (und Eisenoxydul) tritt; bisweilen begleitet Lithion das Kali und findet sich Eisenoxyd neben Thonerde; Kalk fehlt gewöhnlich. Immer ist ein Gehalt an Wasser vorhanden, welches erst beim Glühen entweicht, oft auch an Fluor. Doch lassen sich manche G. noch nicht recht befriedigend auf die bei ihnen vermutete Formel zurückführen, während die Analysen von andern zur Annahme sehr komplizierter chem. Verbindungen nötigen. Die Härte ist gering, das spezifische Gewicht 27 bis 3. Alle G. sind optisch zweiachsig, und die früher als optisch einachsig geltenden haben sich als solche mit äußerst kleinem Achsenwinkel herausgestellt; der Winkel der optischen Achsen ist indessen höchst verschieden und auch die Lage der optischen Achsenebene weist selbst bei Vorkommnissen desselben Fundorts manche Verschiedenheiten auf. Nur selten bilden die G. wohlgeformte Krystalle, bisweilen erscheinen sie als kurze, gedrungene, sechsflächige Säulen, mehr noch als Lamellen, Blätter und Schuppen, welche vielfach zusammengewoben sind. Die beiden Hauptarten sind zunächst: 1). Der Kaliglimmer oder Muscovit, ein ber, uben elblich⸗, graulich⸗, grünlich⸗, rötlichweißer, überhaupt lichter G. von metallartigem Perlmutterglanz, gewöhnlich durchsichtige Spaltlamellen ergebend; im allgemeinen 44505 er 46 — 48 Proz. Kieselsäure, 31—36 Proz. Thonerde, etwas Eisenoxyd, unter den Alkalien vorwiegend Kali (etwa 10 Proz.), kleine Mengen von Wasser und Fluor; die meisten Vorkommnisse ordnen sich der einfachen Formel R. Al Si. Os unter, worin R Kalium und den Wasserstoff bedeutet. Salzsäure oder Schwefelsäure greift diesen G. nicht an. 2) Der Magnesiaglimmer, der wieder in mehrere Arten zerfällt, deren häufigster der Biotit oder Meroxen ist, von rüner, brauner oder schwarzer, meist sehr dunkler U und starkem Pleochroismus; . untercheidet sich dieser durch konzentrierte Schwefelsäure völlig zersetzbare G. von dem Kaliglimmer durch den geringern Gehalt an Kieselsäure (38—43 Proz.) und Thonerde (11 — 20 Proz.), namentlich durch den größern an Eisen, sowie durch die Gegenwart der Magnesia, welche mit 10—30 Proz. vorhanden, aber auch stets von etwas Kali begleitet ist. Blätter und Schuppen dieser beiden Mineralien sind sehr weit verbreitet, als wesentliche Gemengteile mancher alter Gesteine, z. B. Granit, Gneis, Glimmerschiefer, Glimmerporphyr, in gewissen Syeniten, Dioriten u. s. w.; Biotit (kein Kaliglimmer mehr) findet sich auch in jüngern Eruptivgesteinen, wie Trachyt, Andesit, Basalt und den zugehörigen Laven. Granite und Gneise beherbergen bisweilen beiderlei Glimmer nebeneinander. Parallel gelagerte winzige Glimmerschüppchen sind es, wodurch viele sedimentäre Gesteine, wie Thonschiefer, Sandstein, auch krystallinische Schiefer, eben ihr schie-Platte Gefüge und ihre leichte Spaltbarkeit in latten gewinnen. Kaliglimmer erscheint daneben vielfach als Umwandlungsprodukt anderer Mineralien, z. B. von Granat, Cordierit, Orthoklas, Turmalin, Andalusit, Korund u. s. w. Andere seltenere Glieder der Glimmergruppe sind der Phlogopit, ein fast gedepidom. Magnesiaglimmer, der rabenschwarze Lepidomelan (sehr reich an Eisen, auch kalihaltig, aber äußerst arm an Magnesia), der graue eisenhaltige Zinnwaldit und der oft pfirsichblütrote Lepidolith, uer lithionhaltige Kaliglimmer, relativ reich an Fluor und mit kleinen Mengen von Rubidium, Caesium und Thallium, der Paragonit, ein dem Kaliglimmer ganz entsprechend zusammengesetzter Natronglimmer, der Margarit, ein eigentümlicher Kallglimmer u. s. w. Der durchsichtige und in oft mehrere Quadratsuß großen Tafeln vorkommende G. dient in Peru und Sibirien zu Fensterscheiben; auch gebraucht man wohl durchsichtige G. als Objektträger oder statt Deckgläschen bei mikroskopischen Präparaten, zur Konstruktion der Kompaßhäuschen, statt der gläsernen Lampencylinder, als Lichtrosetten, den gepulverten G. als Streusand; der fein gepulverte, mit Salzsäure ausgekochte und ausgewaschene G. wird fabrikmäßig zu Brokatfarben oder Glimmerbronze benutzt.