FeedGleim (Joh. Wilh. Ludw.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Gleim (Joh. Wilh. Ludw.), oft „Vater Gleimo genannt, deutscher Dichter, geb. zu Ermsleben im Halberstädtischen 2. April 1719, besuchte nach seines Vaters Tode (1735) die Schule in Wernigerode und studierte sodann unter manchen Entbehrungen zu Halle. Als Hauslehrer in dem 29½• eines Obersten von Schulz in Potsdam lernte ihn Prinz Wilhehm, der Sohn des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt, kennen und nahm ihn als Sekretär in seine Dienste. In dieser Zeit machte er die Bekanntchaft Ewald Christian von Kleists, der sehr bald * vertrautester Freund wurde und es bis zu seinem ode blieb. Im folgenden Jahre wurde er Sekretär des Fürsten Leopold von Dessau; da er sich aber mit dessen rauhem Charakter nicht befreunden konnte, gab er diese Stelle auf und lebte dann einige Jahre in Berlin, bis er 1747 als Domsekretär nach Halberstadt berufen wurde. Von hier aus knüpfte er mit allen Männern, welche an der Spitze der poetischen Entwickelung in Deutschland standen, Verbindungen an überhaupt war Freundschaft sein Lebenselement. Sein Hauswesen besorgte seine geistreiche Nichte, Sophie Dorothea G., welche unter dem Namen Gleminde häufig besungen worden ist. Nach Friedrichs II. Tode wurde G.s Enthusiasmus für den großen König zur glühenden Vaterlandsliebe. Unaufhörlich predigte er den Deutschen Einigkeit und Kampf auf Leben und Tod für die Rettung des Vaterlandes. Zwei Jahre vor seinem Ende erblindete er; doch auch dann noch nahm er an den großen polit. Begebenheiten seiner Zeit den lebendigsten Anteil. Er starb 18. Febr. 1803. Seiner Anordnung gemäß wurde er in seinem Garten bei Halberstadt begraben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 103Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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