FeedDohm (Christian Konr. Wilh. von)
GeschichteBrockhaus 1882

Dohm (Christian Konr. Wilh. von), Staatsmann und Historiker, geb. zu Lemgo 11. Dez. 1751, der Sohn eines prot. Predigers daselbst, besuchte das dortige Gymnasium und studierte seit 1769 in Leipzig die Rechte und Geschichte. Nachher arbeitete er eine Zeit lang unter Basedow zu Altona und nahm 1773 die Stelle eines Hofmeisters der Söhne des Prinzen Ferdinand, Bruders Friedrichs II., an. Allein schon nach sechs Monaten zog er sich zurück und ging 1774 nach Göttingen. Hier gründete er mit Boie das „Deutsche Museumo, zu welchem er auch später, als er die Mitredaction aufgegeben hatte, noch manche treffliche Beiträge lieferte. Nachdem er 1776 die Professur der Finanzwissenschaft und Statistik am Carolinum zu Braunschweig erhalten hatte, wurde er 1779 in Berlin als Geh. Archivar und Kriegsrat beim Departement der auswärtigen Angelegenheiten angestellt. Friedrich II. ernannte D. 1786 zum kleveschen Direktorialgesandten im Westfalischen Kreise und zum bevollmächtigten Minister am kurkölnischen Hofe, in welcher Stellung ihn Friedrich ach se m II., unter Erhebung in den Adelstand, nach seinem Regierungsantritte bestätigte. Seine Bemühungen zur friedlichen Beilegung der Unruhen zu Aachen und egleich blieben zwar ohne Erfolg, doch bewiesen sie, glei der von ihm verfaßten Schrift: «Die Lütticher Revolution im J. 1789 (Berl. 1790), wie sehr ihm das Wohl dieser Länder am Herzen lag. Infolge des Eindringens der Franzosen mußte auch D. im Dez. 1792 aus Köln flüchten. Er wurde dann zu mchrern diplomatischen Sendungen benutzt, später mit Regulierung der Verhältnisse jener Gebietsteile, welche Preußen im Luneéviller Frieden erwarb, beauftragt und erhielt 1796 die Direktion des niedersächs.⸗westfäl. Konvents in Hildesheim, wo über die Ausführung der bewaffneten Neutralität in Norddeutschland beraten wurde. Nach dem Tode Friedrich Wilhelms II. ernannte ihn dessen Nachfolger 1797 zu seinem Gesandten bei dem Friedenskongreß zu Rastatt neben dem Grafen Görz und dem Freiherrn von Jacobi; nach dem Ende des Kongresses mußte er wieder, wie schon vorher, das mühsame Verpflegungsgeschäft der Truppen des Neutralitätskordons übernehmen. Hierauf wurde ihm die Organisation der verwickelten Verhältnisse der mediatisierten Reichsstadt Goslar und 1804, nach Beendigung dieses Geschäfts, die Präsidentschaft der eichsfeld-erfurtischen Kriegs- und Domänenkammer zu Heiligenstadt übertragen. Im Dez. 1806 begab er sich von seinem Posten aus mit einer Rapolen Deputation nach Warschau, wo er von Napoleon das Versprechen der Milderung der Kriegslasten erlangte und die Zersplitterung des Landes unter zwei franz. Gouvernements abwendete. Durch den Tilsiter Frieden w1807 als Beamter an das neue Königreich Westfalen gebunden, ließ sich D. zur Teilnahme an der Gesandtschaft nach Paris bestimmen, die den neuen König begrüßen mußte. Nach seiner Rückkehr wurde er im Dez. 1807 zum Staatsrat und schon im Februar darauf zum westfäl. Gesandten am dresdener Hofe ernannt. Doch nahm er im April 1810 seine Entlassung und zog sich auf sein Gut Pustleben bei Nordhausen zurück, wo er 29. Mai 1820 starb. Unter D.s Schriften verdienen Erwähnung: «Geschichte des bayr. Erbfolgestreitso (Frankf. 1779), «Uber den deutschen Fürstenbundo (Berl. 1789), besonders aber «Denkwürdigkeiten meiner Zeit (5 Bde., Lemgo 1814— 19). Vgl. Gronau, «Biographie D.so (Lemgo 1824).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 430Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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