Gryphius (Andr.), ausgezeichneter deutscher Dichter des 17. Jahrh., geb. 2. Okt. 1616 zu Großglogau in Schlesien, besuchte seit 1631 die Schule zu Glogau und, von hier durch eine Feuersbrunst vertrieben, 1632 die zu Fraustadt, zuletzt das akademische Gymnasium zu Danzig. Der kaiserl. Pfalzgraf Georg von Schönborn, in dessen Hause er Lehrer wurde, krönte ihn 1637 zum kaiserl. Poeten und erteilte ihm einen Adelsbrief, den aber weder G. noch seine Nachkommen benutzt haben. Nach seines Gönners Tode, wahrscheinlich durch ein Vermächtnis desselben unterstützt, ging er 1638 nach Leiden, wo er sechs Jahre, das erste als Student, die übrigen als Docent verlebte. Hierauf bereiste er zwei Jahre hindurch mit einem jungen Pommer, Wilh. Schlegel, Frankreich und Italien, lebte dann ein Jahr in Straßburg und kehrte 1647 nach Fraustädt zurück. Im J. 1650 wurde er Syndikus des Fürstentums Glogau, welches Amt er in ausgezeichneter Weise verwaltete. Er starb zu Glogau, mitten in einer Versammlung des Landesausschusses vom Schlag getroffen, 16. Juli 1664. Als Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft, in welche er erst zwei Jahre vor seinem Tode aufgenommen wurde, hieß G. der Unsterbliche. Schon in frühester Jugend von herben Unglücksfällen, später von beutesüchtigen Feinden und ränkevollen Neidern verfolgt, durch die Unruhen und Schrecken des Kriegs hin⸗ und hergescheucht, in Holland von körperlichen Leiden schwer heimgesucht, nährte er in sich einen Geist der Schwermut, des Tiefsinns und der Herbheit, der sich auch in seinen Dichtungen widerspiegelt. Diese Stimmung wurde noch gesteigert durch den schmerzlichen Anteil, den er, einer der wahrhaftesten Patrioten seiner Zeit, an den zerrütteten, verwilderten und gedrückten Verhältnissen des deutschen Vaterlandes nahm. Tiefe, nur in der Religion Trost findende richt ich nen gepaart mit Innigkeit und Feuer, spricht sich namentlich in seinen lyrischen Dichtungen, in den Sonetten und (Kirchhofsgedankeno aus, während er in Epigrammen und Satiren die Schwächen und Thorheiten seiner Zeit mannhaft geißelte. überall, auch in seinen geistlichen Oden, zeichnet er sich vor den meisten seiner Zeitgenossen durch den Ernst und den Schwung seiner Gesinnung und wahre Empfindung aus. Wenn er aber im lyrischen Gebiete an Flemming und Opitz glückliche Nebenbuhler hatte, so steht er im 17. Jahrh. unter den Deutschen unerreicht als dramatischer Dichter da und kann als Vater des kunstmäßigen Trauerspiels in Deutschland betrachtet werden. Seine Tragödien «Leo Arminiuso (1646), «Katharina von Georgien v (1647), Cardenio und Celindexv, Papinianuso (heendigt 1663) sind, obgleich teilweise in der Nachahmung Senecas und des Niederländers Vondel befangen und in übertreibungen und Abenteuerlichkeiten ausartend, doch Dichtungen von eigentümlicher Größe, voll Phantasie und Schwung der Sprache, und zeichnen sich durch ein wahrhaft tragisches Element aus, das erst bei seinen vielen Nachahmern, hierunter Lohenstein, als widerwärtige Karikatur erscheint. In seinem Carolus Stuardusy (1649, überarbeitet 1663) wird der Versuch gemacht, ein zu seiner Zeit noch frisches histor. Faktum zu dramatisieren. Viel höher als die in Alexandrinern und andern Reimversen geschriebenen und mit Chören versehenen kunstmäßigen Tragödien stehen seine in Prosa geschriebenen, echt volksmäßigen, ganz aus dem Leben der Zeit geschöpften Lustspiele, die ausgezeichnetsten Dramaiuschen Dichtungen des Jahrhunderts: KPeter Squenzy (gedichtet gegen 1650, Neudruck Halle 1877), welchem die lustige Episode aus Shakspeares Sommernachtstraumo wenigstens mittelbar zu Grunde liegt, (Horribilieribrifaxo — W—— 3 gegen 1650, Neudruck Halle w1876) und «Die geliebte Dornrosev, welches letztere, in schles. Dialekt geschriebene Scherzspiel mit einem , dersichte Singspiel, Das verliebte Gespensto, verflochten ist, wie derartige Mischspiele damals beliebt waren. Auch schrieb er Festspiele, bearbeitete Dramen aus dem Holländischen, Italienischen und Französischen und dichtete in lat. Sprache ein religiöses Epos Der Olbergo. Ziemlich vollständige, aber unkorrekte Ausgaben seiner Dichtungen ers chienen zu Breslau 1657, Leipzig 1463 und. von Christian G. besorgt. zu Breslou und Leipzig 1698, seiner Lustspiele von H. Palm Stuttgart (Litterarischer Verein) 1878, seiner Trauerspiele Stuttgart 1882; doch sind einige Werke nur einzeln gedruckt. Eine Auswahl seiner lyrischen Gedichte befindet sich in W. Müllers «Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh.y (Bd. 2, Lpz. 1822). «Das verliebte Gespensto und Die geliebte Dornrose sind von H. Palm (Bresl. 1855) neu herausgegeben und das «Olivetumo (Slberg) hat Strehlke (Weim. 1862) übersetzt. Studien über ( enthalten Bredows Machgelassene Schrifteno Bresl. 1816 u. 1823), durch die vorzüglich wieder die Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet wurde. Eine Auswahl seiner dramatischen Dichtungen haben Tieck im „Deutschen Theater (Bd. 2, Berl. 1817), Tittmann (Deutsche Dichter des 17. Jahrh.v, Bd. 4, Lpz. 1871) und H. Palm im 29. Bande von Kürschners «Deutscher Nationallitteraturo (auch mit einer Auswahl der Gedichte, Berl. u. Stuttg. 1883) veröffentlicht. Vgl. KKlopp, «Andreas G. als Dramatikerb» (Osnabr. 1851); Herrmann, Küber Andreas G.v (Lpz. 1851). Christian G., ältester Sohn des vorigen, geb. 29. Sept. 1649 zu Fraustadt, gest. 6. März 1706 als Bibliothekar, Professor und Rektor des Magdalenen-Gymnasiums zu Breslau, schrieb wertloselyrische Dichtungen unter dem Titel «Poetische Wäldero (Frankf. u. Lpz. 1698; 3. Aufl. 1718). Tüchtiger sind seine wissenschaftlichen Arbeiten, z. B. Kurzer Entwurf der geistlichen und weltlichen Ritterorden (Lpz. 1697; 1709), 4Gedächtnisschriften(Lpz. 1702).