Gnauth (Gust. Adolf), namhafter Architekt, geb. zu Stuttgart 1. Juli 1840, besuchte das Gymnasium und das Polytechnikum seiner Vaterstadt, hielt sich dann auf einer Studienreise 1861 — 63 in Italien auf, ging hierauf nach Wien und zum zweiten mal nach Jialien, wo er 1864 und 1865 in Gemeinschaft mit E. von Förster Aufnahmen und Vermessungen der Renaissance-Architektur Toscanas machte, welche in dem Werk «Palastarchitektur von Oberitalien und Toscana » von Raschdorf (Berl. 1883) publiziert sind. Nach einem halbjährigen Aufenthalt in Paris wurde er 1866 als Professor an die Baugewerkschule nach Stuttgart berufen. In den Sommermonaten der Jahre 1867 — 69 hielt er sich abermals in Italien auf, mit Aufnahmen und Agquarellen für die Arundel Society in London beschäftigt, worauf er 1870 zum Hauptlehrer der Architektur am stuttgarter Polytechnikum ernannt wurde, welche Stellung er jedoch 1872 wieder aufgab. G. wurde 1876 zum Direktor der Kunstgewerbeschule zu Nürnberg ernannt, 1882 zum Oberbaurat. Im J. 1875 unternahm er eine Studienreise nach dem Orient, der sich 1882 eine weitere nach Spanien und Südfrankreich anschloß. Zu seinen bedeutendern Bauten und Entwürfen ehören: Villen Siegle (s. Tafel: Baustile XIi, Fig. 3) und Conradi in Stuttgart, Württembergische Vereinsbank und Kriegerdenkmal daselbst, Villa Engelhorn in Mannheim, Palais von Cramer-Klett in München, Ausstellungspalast der bayr. Landesausstellung zu Nürnberg 1882, preisgekrönter Entwurf für einen Monumentalbrunnen in Leipzig (in Gemeinschaft mit Bildhauer Ungerer in München zur Ausführung und Fertigstellung für 1886 bestimmt). G. ist in seiner Architektur ein Anhänger des modifizierten Renaissancestils, wobei er neben Kühnheit in der Komposition eine reiche Phantasie im einzelnen entwickelt. Guneditsch (Nikolai Iwanowitsch), russ. Dichter, geb. 2. Febr. 1784 zu Poltawa, erhielt seine erste Bildung im dortigen Seminar und dann im Charkowschen Kollegium. Von 1800 bis 1803 studierte er zu Moskau, wo Mersfljakow russ. Litteratur vortrug; 1803 —17 diente er im Ministerium der Volksaufklärung, mußte aber wegen körperlicher Leiden diese Stellung aufgeben. Er starb zu Petersburg 15. Febr. 1833. Am berühmtesten wurde G. durch seine gediegene übersetzung der Iliade in russ. Hexameter (Petersb. 1829; 3. Aufl. 1862). Der von ihm geschaffene Hexameter ist an Lebendigkeit, enübcherieliter und Ausdruck außerordentlich viel trug auch das Werk zur reicherung der Sprache vermittelst der dem Griechischen nachgebildeten neuen Wörter bei. Von den übrigen Arbeiten G.s sind zu nennen: die Übersetzung von Shakspeares Learo und von Voltaires Tancredo, sowie das originelle Gedicht „Rozdénije Homéra (4 Die Geburt Homers»), die Prostonarödnyja pjésni nynesnych Grékow (PBetersb. 1826, «Volkslieder der modernen Grieschenv, Original und übersetzung) und die Idylle . Gneis, auch Gneiß oder Gneus geschrieben, ist ein krystallinisch-schieferiges Gemenge aus (monoklinem und triklinem) Feldspat, Quarz und (dunklem und hellem) Glimmer. Dieses Gestein unterscheidet sich mit Bezug auf die mineralog. Zusammensetzung vom Granit nur durch sein schieschr v oder flaseriges Gefüge. Man kennt jedoch ehr viele Varietäten des G. je nach dem Vorherrschen des einen oder des andern Gemengteils, der besondern Art der Textur, der allgemeinen Fürbung u. s. w. Treten große, meist als Zwillinge ausgebildete „ 10 euhieht en aus dem Gneisgemenge hervor, so entsteht ein porphyrartiger G.; schmiegen sich die Glimmerschuppen allseitig um linsenförmige Feldspate herum, so geht der Augenneis hervor. Neben den ausgezeichnet schieferigen lusbildungsweisen gibt es andere, geologisch von diesen untrennbare, welche bei gleicher mineralog. Konstitution völlig richtungslose Struktur besitzen und körniger G. (minder gut Granitgneis) genannt werden. Hornblendegneis, eine in Deutschland seltene Abart, ist derjenige, in welchem der dunkle Glimmer ganz oder zum größten Teil durch Hornblende ersetzt wird. Im allgemeinen pflegt man hier, ganz übereinstimmend wie beim Granit, den Biotitgneis (grauen G.), Muscovitgneis (roten G.), zweiglimmerigen G. und Hornblendegneis zu umtetscheiden, je in ma die Feldspate und der Quarz + von dunklem Magnesiaglimmer, oder bloß von hellem Kaliglimmer, oder von beiden Glimmern oder von Mäneral.n begleitet werden. Ist es ein talkartiges Mineral, welches den Glimmer vertritt, so nennt man das Gestein Protogingneis, aus welchem z. B. der Montblanc, die Grimsel, der St. Gotthard zum großen Teil bestehen. Außer in Granit bildet der G. auch übergänge in Glimmerschiefer, schieferigen Syenit und schieferigen Granulit oder Weißstein. Der G. enthält außer seinen wesentlichen Gemengteilen sehr oft mlich noch andere Mineralien accessorisch, so namentlich Turmalin, Granat, Andalusit, Cordierit, Pyroxen, Graphit, Eisenglanz, Rutil, Zirkon, Apatit u. dgl. Am häufigsten tritt er in Gebirgsgegenden auf, die zuweilen, wie z. B. das Erzgebirge, vorherrschend aus ihm und aus Glimmerschiefer bestehen. Oft wird er von Erzgängen durchsetzt. Reich sind die G. aller Länder an oft umfangreichen Einlagerungen fremder krystallinischer Gesteine, wie Quarzit, Hornblendeschiefer, körniger Kalkstein Chloritschiefer, Serpentin, Graphit, Smirgel, auch die Magneteisenvorkommnisse der Skandinavischen Halbinsel lagern vorwiegend im G. Der G. ist eins der ältesten Gesteine der Erde, ein Glied der archäischen Gruppe der krystallinischen Schiefer, indem er noch unter den ältesten versteinerungsführenden sedimentären Schichtgesteinen seine Stelle einnimmt, weshalb man auch früher, wiewohl mit Unrecht, in ihm die anfängliche Erstarrungskruste der Erde zu erblicken geneigt war. Viel wahrscheinlicher ist es, daß der G. den krystallinisch umgewandelten Thonschiefer- und Grauwackeschlamm darstellt, welcher sich als Absatz auf dem Boden der allerältesten Meere bildete. Der Name stammt von Freiberg, wo die Bergleute ursprünglich nur das mürbe zersetzte Nebengestein ihrer Gänge G. nannten (vielleicht von gnisch im Wendischen, gnié im Polnischen, faulen), eine Bezeichnung, welche später auf das frische Gestein übertragen wurde.