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ErdkundeBrockhaus 1882

Goch, Stadt in der preuß. Provinz Rheinland, Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Kleve, links an der Niers, Station der Linie Köln-Krefeld-Kleve-Zevenaar der Preußischen Staatsbahnen und der Nordbrabantisch-Deutschen Eisenbahn (Boxtel-Wesel), 12 km im S. von Kleve, 3 kmeöstlich von der niederländ. Grenze, ist Sitz eines Amtsgerichts, eines Nebenzollamts, hat eine kath. und eine evang. Kirche, eine Synagoge und ein Mennonitenbethaus, eine Gewerbebank, zwei Waisenhäuser, eine Rektorat⸗ und eine Handwerkerfortbildungsschule und zählt (1880) 5253 meist kath. E., welche Pinsel⸗, Bürsten⸗ und Cigarrenfabrikation, Gerberei, Plüschweberei, Frucht⸗ und Mehlhandel treiben. Im Weichbilde der Stadt liegt das Rittergut Slavanien mit Schloß an der Niers, der altadeligen Familie von Haeften angehörig. Nördlich von G. erstreckt sich bis Kleve der Reichswald. ů H—1 (Johannes von), Prior des Augustiner-Kanonissenpriorats Thabor bei Mecheln, schrieb mehrere Schriften gegen den scholastischen Katholizismus seiner Zeit. G. heißt er nach seinem Geburtsort bei Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Sein Familienname ist Pupper oder Capupper. Von seinen Lebensumständen ist sehr wenig bekannt. Seine Geburt mag bald nach 1400 fallen, in den Anstalten der Brüder vom gemeinsamen Leben wurde er vorgebildet und studierte in Paris. Im J. 1451 gründete G. das Augustiner-Kanonissenpriorat Thabor bei Mecheln und übernahm dessen Leitung. Mehr einem beschaulichen Leben zugewandt trat er öffentlich nicht hervor und starb unangefochten am 28. März 1475. Seine Schriften wurden bei seinen Lebzeiten nur wenig verbreitet. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. vielleicht nur handschriftlich. Erst 1521 gab Cornelius Grapheus, ein junger Sekretär des Rats zu 1e8e. Dis sie heraus mit einer geharnischten Vorrede. Die Hauptschrift ist die Abhandlung De libertate christianay. Die wahre christl. Freiheit — die Gabe Gottes, durch welche der Mensch in den tand gesetzt wird, seinen Willen von den aam. den zu lösen und für die Gerechtigkeit zu entflammen. In der Epistola apologeticap spricht es G. sehr entschieden aus, daß die Heilige Schrift die ein-Erkenntnisquelle der religiösen Wahrheit sei. it allem Nachdruck eifert erauch gegen die Meinung von der besondern Verdienstlichkeit des Mönchtums und Der Gelübde. Vgl. Ullmann, Reformatoren vor der Reformationo (Bd. 1, Hamb. 1841).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 145Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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