Golfstrom, auch wohl , heißt eine nach dem Golf von Mexiko benannte, ganz eigentümliche Strömung im nördl. Atlantischen Ocean, die großartigste und merkwürdigste Wasserströmung der Erde, welche für die Nautik und die Entwickelung unserer physik. Kenntnis des Oceans von Bedeutung ist. Der G. ist ein fortwährender, majestätischer Strom warmen Wassers, der reißender sich bewegt, als der Mississippi und Amazonas, und dessen Ufer und Grund aus kaltem Wasser besteht. Nach der seit 1878 durch Bartlett ausgeführten neuen genauen Untersuchung des G. drängt sich ein Teil der nördl. Aquatorialströmung des Atlantischen Oceans zwischen der Nordküste Südamerikas und der Insel Grenada hindurch; ein viel größerer Teil aber wird durch die Inseln gezwungen, eine nördlichere Richtung zwischen Barbadoes und den Grenadinen einzuschlagen. Ein Teil des auf solche Weise in das (nach Balcher) mit einer Oberflächentemperatur von 30 C. versehene Karaibische Meer gelangten Wassers tritt zwischen Guadeloupe und Haiti wieder heraus und zwar mit erhöhter Temperatur. Bahar geht eine bedeutende Menge zwischen den Bahamabänken und Haiti nach Westen und gelangt durch die Windwardpassage in den Westteil des Karaibischen Meers, während wieder ein anderer Teil den Weg längs der Nordküste von Cuba bis zur Floridastraße fortsetzt. Nachdem die Strömung aus dem Karaibischen Meer in den Golf von Meriko eingetreten ist, in welchem sie, wie Hilgard bewiesen hat, keineswegs den Kreislauf längs der Küsten beschreibt und mit keiner andern Strömung im Golf in Verbindung tritt, läuft sie nordwärts und ostwärts in derselben allgemeinen Richtung wie das Nucatanplateau und tritt durch die Floridastraße mit Verstärkungen hinaus, wie ihr solche aus dem Kanal zwischen Cuba und den Bahamabänken zuströmen. Im nördl. Teile der Straße ist das Wasser fast unbewegt, nur im südlichen läuft der G.; somit ist er hier, bei seiner größten Kraft, nur 64 km breit, und die obere sich bewegende Schicht, im Juni und Juli im Maximum 28,3 C. an der Oberfläche warm, scheint sich nur auf ein Drittel der ganzen Tiefe zu erstrecken. Der Strom wendet sich dann, von den Bahama-Inseln zurückgeworfen, zwischen diesen und der Halbinsel Florida nordwärts und ist hier in den Engen (marrows) zwischen Kap Florida und den Bemini-Inseln, wo der Raum durch die Foweyklippen und die Beminiriffe auf 75 km beschränkt wird, so zusammengepreßt, daß sich die Geschwindigkeit der Strömung in gewissen Monaten auf 7,5 km in der Stunde (fast 2m in der Sekunde steigert, während sie im Durchschnitt 45 Km in der Stunde beträgt. Am Austrikt aus der Straße, in 27² nördl. Br., zwischen Jupiter-Inlet an der Floridaküste und Memory-Rock auf der kleinen Bahamabank, beträgt die Breite 77 km, die größte Tiefe 800 m und bei der durchschnittlichen Geschwindigkeit von 3 Knoten beläuft sich das Volumen des Stroms auf etwa 436 Billionen Tons pro Tag. Dieser Betrag reicht offenbar nicht hin, um die Schicht warmen Wassers, welche sich über den größern Teil des nordatlantischen Oceans von Cuba bis Norwegen ausbreitet, und welche manche Naturforscher vom G. herleiten, zu ergänzen. Der Strom folgt nunmehr im allgemeinen der Küste von Nordamerika, immer von derselben durch einen Streifen kalten Wassers (der kalten Mauer) geschieden. Auf der Höhe von Charleston, wo er teils infolge der veränderten Küstenrichtung, teils infolge der Neigung aller Strömungen, auf der nördl. Halbkugel rechts abzuweichen, in eine nordöstl. Richtung Ahergegangen ist, nimmt die bis dahin verminderte Geschwindigkeit plötzlich wieder zu, was auf der Höhe vom Kap Hatteras abermals geschieht, nachdem er hier über die von N. kommende Labradorströmung fortgeflossen ist. Die Breite variiert von 50 zu 80 bis 160 Em; Schnelligkeit und Temperatur sind beträchtlicher in der Mitte als in den seitlichen Teilen. Im Durchschnitt mag die Strömung 4 km in der Stunde betragen, an einigen Stellen erreicht sie 8 km. Bis hierher ist der G. überhaupt durch seine Temperatur und seine tiefblaue Indigofarbe, welche den vom Mississippi zugeführten feinen Schlammteilen zugeschrieben wird, so scharf vom Wasser des Oceans geschieden, daß man die Grenze mit dem Auge erkennen kann. Da, wo er mit dem arktischen Strome zusammentrifft, sind die Gegensätze so scharf, daß ein Schiff, welches die Grenze quer durchschneidet, zu gleicher Zeit am Bug 21, am Stern 4¾,4 C. messen kann. Jenseit Kap Hatteras, wo die Küstenlinie wieder mehr nordwärts streicht, wendet sich ein linker Arm des G. ebendahin, bis endlich der gesamte G. in der Breite von Neuyork infolge der vorliegenden Nantucket⸗, Georges⸗ und Neufundlandsbank eine fast östl. Richtung annimmt, wobei er allmählich an Geschwindigkeit, Tiefe und Wärme verliert. Nur vor dem Ostende der Neufundlandsbank wird seine Geschwindigkeit, namentlich in den ersten Monaten des Jahres, durch das Andringen der arktischen Strömung fast auf die alte Höhe gesteigert. Die Abnahme der Temperatur ist nach Carpenter folgende: in der Floridastraße hat im Winter das Wasser 25 C., in 33 nördl. Br. 23,9, in 35 nördl. Br. 22,25“, in 40* nördl. Br. 19,45,‚ in 42· nördl. Br. 16,65 C. Die ganze ausgeströmte Wassermasse hat nach Findlay in 40 nördl. Br. 180, bei Neufundland nur 60 m Mächtigkeit, und wo der Strom am weitesten nach O., im 30. westl. Meridian von Ferro, noch erkennbar ist, hat er eine Dicke von 60 m, strömt gerade nach O. und seine Geschwindigkeit ist der Art, daß er 100 Tage nötig haben würde, um nach Kap Landsend zu gelangen. So gering ist der Strom geworden, welcher nach der lange Zeit allgemein verbreiteten Ansicht den ganzen nördl. Atlantischen Ocean und ganz Westeuropa erwärmen sollte. Sstlich vom 30. Meridian ist von seiner Eigentümlichkeit nichts mehr vorhanden, sondern er ist gänzlich in die allgemeine Nordostdrift des Oceans aufgegangen. Als letzte Ausläufer desselben betrachtete man den Rennelstrom und die nordafrik. Strö— Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VIII. mung. Ersterer läuft nördlich von Kap Ortegal in den Biscayischen Busen; seiner Küste folgend, biegt er nordwärts um und ist zuletzt, gegen die Scilly-Inseln gerichtet, der Schiffahrt sehr gefährlich. Die nordafrik. Strömung ist ursprünglich der gegen die Azoren nach Südosten umbiegende Teil, welcher, an die Canarischen Inseln und die Küste von Marokko gerichtet, wegen seiner Herkunft aus höhern Breiten abkühlend wirkt und weiter südlich in den Aquatorial- und den Guineastrom übergeht. Vergleicht man die bedeutende Abnahme seiner Temperatur im Winter auf der verhältnismäßig kurzen Strecke von Florida bis Neuschottland mit dem (5½ Monate dauernden) langen Wege, den der G. noch bis zum Ostufer des Oceans zurückzulegen hat; bedenkt man ferner, daß mit dem zunehmenden Ausbreiten und Seichterwerden desselben der abkühlende Einfluß der Luft immer mehr wächst: so erscheint es unmöglich, daß derselbe an den Küsten von Schottland noch einen mittlern überschuß der Meerestemperatur über die der Luft (im Winter) von 3,4 C. verursachen könnte, der sich am Nordkap auf 8,1 C. steigert. Schon Lenz in Petersburg, der Begleiter Kotzebues auf seiner zweiten Reise, stellte 1845 die Theorie eines allgemeinen vertikalen Kreislaufs im Meere auf, die aber erst, nach den Ergebnissen der Tiefsee-Untersuchungen in neuester Zeit, durch Carpenter und Wyville Thomson wieder aufgenommen und zur Annahme gebracht wurde. Die iereenr und sorgfältigen Beobachtungen der Meerestemperatur in verschiedenen Tiefen zeigen, daß ein allgemeines Abfließen der warmen Oberflächenwasser der heißen Zone nach den Polen zu stattfindet, wogegen von da her in der Tiefe das kalte Wasser langsam, aber stetig zum Aquator zieht und dort aufsteigt. Letzteres zeigt sich namentlich darin, daß die kalten Wasserschichten (unter + 5' C.) unter dem Aquator dichter an der Oberfläche des Meeres liegen, als irgendwo im Atlantischen Ocean bis 60 nördl. Br. hinauf. Die warmen, nordwärts abfließenden Wassermassen sind es, welche durch ihren überschuß an Rotationsgeschwindigkeit allmählich ostwärts gedrängt werden und so die Temperatur der europ. Westküste erhöhen. Diese allgemeine Bewegung, welche durch die nördlich von dem Wendekreise vorherrschenden West- und Südwestwinde verstärkt wird, bezeichnet man als Golfstromdrift. Die Frage, wie der G. entstehe⸗ hat die Wissenschaft schon lange beschäftigt, aber erst durch neuere Forschungen wird einiges Licht auf dies Problem geworfen. Der Mississippi kann den G. nicht, wie man früher annahm, hervorbringen, da das Volumen Wasser, welches dieser Fluß in den Mexikanischen Golf ausschüttet, noch nicht Vooo von dem ist, welches als G. aus demselben entweicht. überdies ist das Wasser des G. salzig, das des Mississippi süß, und man vergaß, daß gerade so viel Salz, als durch den G. aus dem Golf von Mexiko entfernt wird, in denselben wieder durch einen andern Kanal eindringen muß, denn sonst müßte derselbe im Laufe der Zeit ein Süßwasserbecken werden. Auch Franklins Ansicht, wonach der G. der Abfluß des durch die Passatwinde in das Karaibische und Mexikanische Meer getriebenen und zu einem höhern Niveau aufgestauten Wassers sei, kann nicht als Ursache dieser Strömung angenommen werden, weil eine solche Erhebung der Wassermassen zu bedeutend sein müßte, um ein Hinabfließen des G. quer durch den Ocean bis zu den Azoren und den Westgestaden Europas zu veranlassen. Maury nahm als eine der rr E der Geschwindigkeit des G. die durch Wonferm alzgehalt vermehrte Dichtigkeit seiner Wassermassen an, wodurch dieselben vermöge ihres größern Drucks durch die offnung des Floridakanals in den Ocean mittels einer Art «spritzender Krafto hinausgeschleudert werden; doch müßte in diesem Falle der G. gerade am Boden der Floridastraße am stärksten sein. Nach der Peron Kenntnis der Strömungen im Atlantischen Ocean ist der G., wie gesagt, nur die Fortsetzung einer Reihe, welche mit dem Aquatorialstrom beginnt und dessen nördl. Teil als Guaianastrom in das Karaibische Meer eintritt und zwischen Hucatan und Cuba in den Golf von Mexiko fließt. Nach seinem Gange durch die Floridastraße bleibt ihm bei dem Andrange der äquatorialen Drift gegen die Bahama-Inseln nur der Ausgang nach Norden offen. Infolge der wegen des größern Salzgehalts stärkern Adhäsion seiner Wasserteilchen und des wegen der höhern Temperatur geringern Gewichts muß das Wasser des Stroms selbst ein höheres Niveau haben, und zwar ergibt die Berechnung, daß die Achse des G. fast 60 em höher liegt als die daranstoßenden Gewässer des Oceans. Seine Oberfläche muß also eine Neigung nach beiden Seiten 5 das⸗ wie ein flaches Dach, und auf diesem muß das Wasser von der First seitwärts herabfließen. Deshalb scheint es am Rande aufzuwallen und schäumt hier und da gleich einem Wasserfall. In der That schwimmt ein Boot, das ein von Süden nach Norden fahrendes Schiff dort aussetzt, entweder nach Osten oder nach Westen. Treibholz und Seetang oder Golfkraut, welches in Menge längs des östl. Randes des G. schwimmt, findet sich nie auf der Westseite, wenn es von Osten gekommen ist, weil es nicht über den Berg schwimmen kann, wohl aber gelangen schwimmende Körper von dem Mexikanischen Golf oder aus Westindien nach Europa. Den G. nahe an seiner floridanischen Enge entdeckte zuerst Antonio de Alaminos, der Pilot des Ponce de Leon, 22. April 1513. Auf allen Karten des 16. und 17. Jahrh. heißt er Canal de Bahama, und unter diesem Namen beschrieb ihn 1600 Herrera. Die Entdeckungen und Ansiedelungen der Ostküste Nordamerikas im 17. und 18. Jahrh. haben nichts Erhebliches zur genauern Kenntnis dess. elben beigetragen. Es war dem klaren Verstande Benjamin Franklins vorbehalten, die Eigenschaften und Beziehungen des Stroms zu beleuchten. Auch war Franklin der erste, welcher die Benennung G. anwendete. Seitdem ist er fortwährend Gegenstand der Untersuchung gewesen. Litteratur. Kohl, «Geschichte des G. und seiner Erforschungo (Brem. 1868); Findlay in den Proceedings of the Geographical Societyo (1869); Petermann in den «Geographischen Mitteilungen » (1870); KReport of the United States Coast Survey v (1866); Thomson, «Dephts of the sea v (Lond. 1876) und die Berichte über die Challenger-Expedition in den „Geogr. Mitteilungenv (874), den «Hydrogr. Mitteilungen der kaiserl. Admiralitäto (1874) und im (Geographical Magazine (1874); von Klöden, «Der G. nicht der Erwärmer des westl. Curopap (in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunden, Berl. 1878). Unter dem Titel Papers on the eastern and northern extensions of the Gulf-Streamp hat das Hydroahr Abha Amt der Vereinigten Staaten eine Anmann, von Freeden und Mühry, aber auch von Seefahrern und Naturforschern verschiedener anderer Nationen, zusammenstellen lassen.