Göschen (Georg Joachim), verdienter deutscher Buchhändler, geb. 22. April 1752 zu Bremen als Sohn eines Kaufmanns, erlernte in der Kramerschen Buchhandlung daselbst den Buchhandel, war hierauf 13 Jahre lang bei Siegfr. Leberecht Crusius in Leipzig und leitete dann drei Jahre hindurch die Gelehrtenbuchhandlung in Dessau. Dieselbe ward 1781 als Aktiengesellschaft gegründet und wollte den Plan durchführen, den Schriftsteller unabhängig vom Verleger zu machen, d. h. den Selbstverlag in großem Umfange . organisieren. Trotzdem sich Schriftsteller von Bedeutung, wie Bertuch, Bahrdt, Herder, Wieland u. a., an dem Unternehmen beteiligten, hatte doch das Geschäft keinen Fortgang. Die Gelehrtenbuchhandlung mußte nach großen Verlusten 1788 liquidieren. G. hatte sich schon 1784 von Dessau zurückgezogen und gründete im März 1785 in Leipzig ein eigenes Geschäft, welches er bald durch seine Verbindungen mit den damals berühmtesten deutschen Schriftstellern zu einer der angesehenstenVerlagshandlungen Deutschlands erhob. Mit Goethe trat G. bereits 1786 in Verbindung und brachte die erste Ausgabe von dessen gesammelten Schriften (8 Bde., 1787 —91). Auch Werke von Schiller, Wieland, Klopstock, Jünger, Iffland, Stolberg, Böttiger, Seume, Alxinger, Woltmann, Apel, Fr. Laun, F. Kind,, Müllner, Houwald u. a. erschienen in G.s Verlag. Auf die äußere Ausstattung verwandte G. eine bis dahin im deutschen Buchhandel nicht gekannte Sorgfalt; die meisten seiner Werke wurden in einer von ihm in Grimma musterhaft eingerichteten Offizin gedruckt. Die Prachtausgaben von Wielands «Sämtlichen Werken » (36 Bde. und 6 Supplementbände, 1794 — 1802), von Klopstock, des Homer mit Anmerkungen von F. A. Wolf, des (Novum teéstamentumo (von Griesbach) gehören zu den besten Leistungen der deutschen Typographie. Wenn auch in G.s Verlag die belletristische Litteratur vorherrschend vertreten war, so wurde doch auch der eigentlichen Wissenschaft fördernde 214 Göschen (George Joachim, Staatsma Pflege zuteil; die Werke von Hufeland, Charpentier, Griesbach, F. A. Wolf, Rosenmüller, Marezoll u. a. zeigen die Vielseitigkeit des Geschäfts. G. war auch selbst schriftstellerisch thätig. Außer einem Lustspiel und verschiedenen Erzählungen für das «Grimmaische Wochenblatto redigierte er auch eine Zeitschrift: «Die Sonntagsstunden» (1813), sowie «Amerika, dargestellt durch sich selbsto (3Bde., 1818 —20). G. war verheiratet mit Johanna Elisabetha Heun, einer Schwester des unter dem Pseudonym H. Clauren bekannten Schriftstellers. G. starb 5. April w1828 zu Grimma, wohin er seit 1823 seine Buchhandlung verlegt hatte, nachdem er bereits 1795 in der Nähe dieser Stadt das Landgut Hohenstädt erworben hatte. Die Verlagshandlung wurde unter Leitung seines jüngsten Sohnes, Hermann Julius G., geb. zu Leipzig 4. Sept. 1803, für Rechnung der Erben fortgeführt; nachdem sie nach Ostern 1832 wieder nach Leipzig verlegt worden war, ging sie 11. Nov. 1838 durch Kauf an die J. G. Cottasche Buchhandlung in Stuttgart über, von der sie 1. Nov. 1868 Ferd. Weibert erwarb. Dieser siedelte mit ihr nach Stuttgart über, wo sie noch jetzt unter der alten Firma G. J. Göschensche Verlagshandlung besteht. — Der älteste Sohn, Karl Friedrich G., eb. zu Leipzig 28. Juni 1790, errichtete unter der Firma Göschen-Beyer eine Verlagshandlung in Grimma und übernahm 1823 die väterliche Druckerei, erwählte aber bereits 1824 einen andern Beruf. — Der zweite Sohn, Georg Joachim, geb. zu Leipzig 24. Dez. 1791, starb als Associé der triester Zuma Crampagna, Kern u. Comp. zu Wien 16. Juni 1855. — Der dritte Sohn, Wilhelm Heinrich G., geb. zu Leipzig 3. Juli 1793, wurde 1814 Mitbegründer und Associé des Hauses Frühling u. Göschen in London, als —— enes Bankhaus weit bekannt, gab aber 1863 die Leitung des Geschäfts auf und siedelte nach Deutschland über, wo er sich durch Begründung zweier bedeutender Stipendien für die Fürstenschulen in Grimma (1860) und in Meißen (1865) ein bleibendes Andenken gestiftet hat. Er starb 28. Juli 1866 auf einer Reise in Gent. Sein Sohn ist der engl. Staatsmann George Joachim Göschen (s. d.). Vgl. Lorenz, «Zur Erinnerung an Georg Joachim G. v (Grimma 1861); Buchner, 4Wieland und Georg Joachim G.y (Stuttg. 1874).