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Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Göttinger Dichterbund hieß ein Bund junger, in Göttingen studierender Dichter, die, wie verschieden sie auch sonst waren, in ihrer Verehrung für Klopstocks vaterländische Dichtung zusammenstimmten und dem franz. Wesen entgegenstanden. Diesem Bunde gehörten namentlich an: Boie, Hölty, J. M. Miller, die Grafen Christian und Friedrich Leop. von Stolberg, Voß, Leisewitz u. a. Bürger stand dem Bunde nahe, ohne eigentliches Mitglied zu sein. Voß, der Ostern 1772 nach Göttingen kam, fand hier schon eine Reihe gleichgesinnter Jünglinge vor, die bei ihren Zusammenkünften unter Boies Vorsitz sich gegenseitig ihre urch 6 vorlasen und kritisierten. Sie standen 0 oies Vermittelung, der als Herausgeber des Göttinger Musenalmanacho seit 1770) einen bedeutenden Briefwechsel unterhielt, in Verkehr mit Ramler, Knebel, Denis, Wieland, Gleim, Jacobi, Michaelis, Dusch, Ebert, Lessing, Weiße u. a. Von den göttinger Docenten zeigten sich Dieze, Feder, Kästner, Miller und einige andere ihrer Sache gewogen. Am 12. Sept. 1772 gingen die beiden Miller, Fr. Hahn, Hölty, Wehrs und Voß spät nach dem nahegelegenen Dorf Wehnde. SHier fanden sie in der Nähe einen kleinen Eichengrund, und sogleich fiel ihnen allen ein, den Bund der Freundschaft unter diesen heiligen Bäumen zu schwören. Sie umkränzten die Hüte mit Eichenlaub, legten sie unter den Baum, faßten sich alle bei den Händen, tanzten um den Baum herum, riefen den Mond und die Sterne zu Zeugen ihres Bundes an und gelobten sich ewige Freundschaft. Von nun an wurden die Versammlungen noch regelmäßiger und strenger gehalten und Voß durch das Los zum Altesten gewählt. Voß rühmt sich, und wohl mit Recht, die Seele des Bundes gewesen zu sein. Die vom Bunde gebilligten Gedichte wurden in ein gemeinsames schwarzes Buch eingetragen. Durch die beiden Grafen Stolberg, die mit ihrem Hofmeister Clausewitz im Herbst 1772 nach Göttingen kamen, trat der Bund in brieflichen Verkehr mit dem von ihm vergötterten Klopstock. Am 2. Juli 1773 wurde dessen Geburtstag auf Hahns Stube gefeiert. Oben stand ein Lehnstuhl ledig für Klopstock; seine sämtlichen Werke lagen darauf, Wielands «Idriso, zerrissen, darunter. Auf Klopstock wurde ein Vivat, auf Wieland ein Pereat ausgebracht, Idrisv zu Fidibussen verwendet und zuletzt samt Wielands Bildnis verbrannt. Ebenso charakteristisch war der Abschied von den Stolbergs 11. Sept. 1773; alles floß in Thränen. Am 2. Juli 1774, Klopstocks 50. Geburtstag, wurde Leisewitz aufgenommen. Der höchste Ehrentag für den Bund war der Besuch Klopstocks auf der Durchreise nach ach die Michaelis 1774. Bald darauf zerstreuten sich die Mitglieder des Bundes und trugen die erhaltenen Anregungen in die verschiedensten Gegenden des deutschen Vaterlandes. Den Namen Hainbund, mit dem der Bund auch genannt wird, haben die Bundesglieder selbst nicht gebraucht, und es ist nicht bekannt, von wem und wann er aufgebracht worden ist. Nach dem Vorgange Klopstocks, der sie einmal als den «Haino grüßen ließ, mögen sie sich diesen Namen beigelegt haben. Der Name, Klopstocks Ode Der Hügel und der Hainp entlehnt, sollte sie als die Anhänger der german. Bardenpoesie im Gegensatz zu den Nachahmern der Alten kennzeichnen. Vgl. Prutz, Der Göttinger Dichterbundo (Lpz. 1841).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 239Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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