Gounod (Charles Frangois), einer der hervorragendsten franz. Komponisten neuester Zeit, geb. zu Paris 17. Juni 1818, erhielt seine Ausbildung in der Komposition auf dem Konservatorium seiner Vaterstadt, vornehmlich durch Halévy, Reicha, Paêr und Lesueur. Der große Kompositionspreis wurde ihm 1839 zuerkannt, vermöge dessen er als Stipendiat der Regierung nach Rom ging. Hier beschäftigte er sich eifrig mit dem Studium der ältern ital. Kirchenmusik, und seine Vorliebe für diesen Zweig der Kunst ließ ihn sogar in ein Priesterseminar treten. Nachdem er 1843 wieder nach Paris zurückgekehrt, wurde er Musikdirektor an der Kirche der Missions étrangères, bekleidete diese Stelle —. Jahre lang, erwarb sich während dieser Zeit urch kirchliche Kompositionen, namentlich durch eine Messe solennelles (1851), einen geachteten Namen. Seine Oper «Sappho v wurde 1851 in der Großen Oper aufgeführt, hatte aber keinen bedeutenden Erfolg. Den ersten Sellanate großen und nachhaltigen Bühnenerfolg erlangte er 1859 mit Faustv, der in der That auch als sein Hauptwerk betrachtet werden muß und auch in Deutschland Platz gegriffen Ver trotz der Proteste gegen das Textbuch als eine erunglimpfung des Goetheschen Faust v. Von G.s Opern seit 1860 sind zu nennen: La colombey (für Baden-Baden komponiert), «Philémon et Bauciso (beide 1860), La reine de Saba (1862), „Mireilles (1864), (Roméo et Juliette (1867, 0 Fausty sein erfolgreichstes musikalisches Werk, auch in Deutschland an verschiedenen Orten ge-Die dor Der Krieg trieb G. 1870 nach London; ie dort entworfene Oper Polyeuctey (nach Corneilles gleichnamigem Stück) kam 1878 nur in Paris ohne nachhaltigen Erfolg auf die Bühne; etwas besser wurde dort 1881 Le tribut de Lamora aufgenommen. In London, wo er bis 1875 verweilte, brachte er 1871 auch seine patriotische Trauercantate (Gallia zur Aufführung, und seit dieser dh grübelte der Künstler, der seine besten musikalischen Anregungen hauptsächlich Deuts chland verdankt, sich immer mehr in den pariser Deutschenhaß hinein. Sein Oratorium Rédemptiono (Erlösungo), welches, für die londoner Verlegerfirma Novello geschrieben, zuerst 1882 in England und später auch in Deutschland aufgeführt wurde, vermochte nicht durchzugreifen, obwohl G. es ausdrücklich als kdas Werk seines Lebensv bezeichnet hat. Der Mangel eines großen einheitlichen Stils macht sich bei dieser Erlösungo besonders fühlbar. n Liedern und sonstigen kleinern Stücken hat G. ich mit entschiedenem Glück versucht, da er die Formen derselben meisterhaft beherrscht und die oft mangelnde Tiefe des Ausdrucks durch Eleganz der Faktur verdeckt.